Pariser Konzern bindet Versicherungstochter in Köln enger ein Axa übt Druck auf Deutschlandchef Dill aus

Claus-Michael Dill, der Chef der deutschen Axa, verliert Rückhalt in seinem Konzern. „Kein Kommentar“, sagte Konzernsprecher Christophe Dufraux in Paris auf Anfrage zu einem Bericht, Dill werde abgelöst. Aus Konzerkreisen war zu hören: „Dill steht seit geraumer Zeit gehörig unter Druck“.
  • Caspar Dohmen (Handelsblatt)
AXA Deutschland ist das letzte Sorgenkind des weltweit drittgrößten Versicherers.

AXA Deutschland ist das letzte Sorgenkind des weltweit drittgrößten Versicherers.

HB DÜSSELDORF. Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ soll die Ablösung von Dill bereits beschlossene Sache sein. Schon Mitte August solle er durch den Belgier Eugène Teysen ersetzt werden, dem für das Maklergeschäft zuständigen Vorstandsmitglied der Versicherungsgruppe Fortis Insurance Belgium.

Bereits seit längerer Zeit habe der Deutschlandchef mit guten Ideen für den deutschen Markt in der Pariser Zentrale auf Granit gebissen. „Es ist für Dill immer schwieriger geworden“, heißt es aus Kreisen der Axa. Erst zuletzt düpierte Konzernchef Henri de Castries den Deutschlandchef, als er eine neue Zwischenebene – die Region Nordeuropa mit Belgien, Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Schweiz – in den Konzern einzog. Die Leitung übertrug Paris nicht etwa Dill, der in dieser Ländergruppe das größte Geschäft verantwortet. Stattdessen bekamen die Kölner Alfred Bouckaert vorgesetzt, der das belgische Geschäft verantwortet.

Deutschland ist das letzte Sorgenkind des weltweit drittgrößten Versicherers, nachdem die Sanierung in Japan und Großbritannien gelungen ist. Dagegen fielen in Deutschland im vergangenen Jahr in der Lebensversicherung erneut Verluste an. Allerdings dürfte auch der Axa-Konzern in Deutschland dieses Jahr wieder Geld verdienen, die Geschäfte liegen dem Vernehmen nach über Plan.

Dill hatte die Leitung der deutschen Axa vor sechs Jahren übernommen. Sie entstand aus der wachstums- und gewinnschwachen Colonia-Nordstern-Gruppe, die die Franzosen vor sieben Jahren gekauft hatte – später kam die Albingia hinzu. Dill formte aus den Vorständen der drei Versicherer ein Team. Gleichzeitig übertrug er konsequent Industrieprozesse auf die Versicherungswelt. „Hier ist die Axa heute sicher in Deutschland Spitze“, sagt der Versicherungschef eines konkurrierenden Unternehmens.

Auf der Habenseite kann Dill die Sanierung des Kfz-und Industriegeschäfts verbuchen sowie die Etablierung der Marke Axa in Deutschland. Die Sanierung kostete die Axa allerdings Marktanteile in Deutschland, wo sie heute eine der sechs größten Gesellschaften ist. Zudem schaffte Dill mit den Arbeitnehmernvertretern einen geräuschlosen Stellenabbau ohne betriebsbedingte Entlassungen. Gleichzeitig kündigte der 51-Jährige als erster deutscher Versicherer eine Verlagerung von Arbeiten nach Lettland und Indien an. Gleichzeitig will er den Vertrieb umgestalten, die Versicherungsverkäufer sollen in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden, an deren Erfolg die Vertreter beteiligt werden. Durch alle diese Maßnahmen sollten die Erträge steigen. Die Früchte seiner Arbeit könnte nun allerdings der Nachfolger ernten. Dill hat sich in der Branche allerdings nicht nur Freunde gemacht. So hatte Dill unter anderem eine Rettung der Mannheimer Leben durch die Branche verhindert.

Lebhaftes Geschäft

Bei der Axa stieg im 1. Halbjahr das Neugeschäft auf Basis des Annual Premium Equivalent in den Bereichen Lebensversicherung und Anlagen um sechs Prozent auf 2,52 Mrd. Euro. Der französische Versicherer berichtet von einem lebhaften Geschäft in Frankreich, Südeuropa, Belgien, Großbritannien und Hongkong. Der Umsatz im Sach- und Haftpflichtgeschäft stieg um drei Prozent auf 10,3 Mrd. Euro. Das Geschäft mit Privatkunden legte um vier, mit Unternehmen um zwei Prozent zu.

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