Pariser Staatsanwalt: Terminbörse wies auf Kerviels Spekulationen hin: Société Générale war gewarnt

Pariser Staatsanwalt: Terminbörse wies auf Kerviels Spekulationen hin
Société Générale war gewarnt

Das Management der Société Générale ist bereits im November 2007 von der deutschen Terminbörse Eurex auf die ungewöhnlichen Index-Spekulationen des Händlers Jérôme Kerviel hingewiesen worden. Das erklärte Jean-Claude Marin von der Pariser Staatsanwaltschaft am Montag. Doch Kerviel konnte damals abwiegeln.

PARIS. Kerviel sei es gelungen, mit gefälschten Dokumenten seine Vorgesetzten glauben zu machen, er habe diese Position mit Warrant-Käufen abgesichert. Warrants sind Optionsscheine, die zum Erwerb eines Wertpapiers zum späteren Zeitpunkt berechtigen, wobei der Preis vorab festgelegt wurde. Die Eurex wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

In den Vernehmungen hat Kerviel, der am Montagabend unter Auflagen aus der Haft entlassen wurde, in einigen Teilen den Aussagen des Bank-Managements widersprochen: So habe er bereits seit Ende 2005 damit begonnen, außerhalb der ihm erlaubten Limits zu spekulieren. Jean-Pierre Mustier, Chef des Investment-Bankings der Bank, hatte zuvor erklärt, dass der Händler "Ende 2006" mit seinen verbotenen Geschäften begonnen habe. Ferner weist Kerviel die Einschätzung der Bank zurück, dass er ein Einzelfall sei. "Er berichtete, dass auch andere Händler regelmäßig ihre Limits übertreten würden", so Staatsanwalt Morin. Dies sei von der Bank toleriert worden. Sollte dies stimmen, wäre Bank-Chef Daniel Bouton kaum noch zu halten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte die Führung der Bank auf, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen. "Ein Vorfall dieser Art kann nicht ohne Konsequenzen bleiben, was die Verantwortlichkeiten angeht", sagte er in Paris.

Die Société Générale erklärte, sie nehme die Aussagen Kerviels "zur Kenntnis", machte aber keine weiteren Angaben. Die Aussagen des Ex-Händlers lassen Bankexperten indes zweifeln. "Jeden Abend werden die Positionen der Händler überprüft", sagte der Derivateexperte einer französischen Bank. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass gleich mehrere Händler ihre Limits missachten können." Kerviel hatte Anfang des Jahres mit Termin-Kontrakten im Volumen von 50 Mrd. Euro auf steigende europäische Aktienindizes gesetzt und damit bei weitem seine Risikolimits überschritten. Das Management der Bank hatte dies am Freitag vor einer Woche entdeckt und die Verträge mit einem Verlust von 4,9 Mrd. Euro verkauft.

Inzwischen gibt es auch den Verdacht des Insiderhandels bei der Bank. Im Namen von rund 100 Kleinanlegern hat ein Pariser Anwalt am Montag Anzeige wegen Kursmanipulation und Insiderhandels erstattet.

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