Parlamentskommission
Großbritannien attestiert HBOS-Management "kolossales Versagen"

„Kolossales Versagen" des Managements: HBOS habe über genügend Mittel verfügt, der Untergang sei trotzdem vorprogrammiert gewesen. Die Politik verhängt hohe Geldstrafen und Arbeitsverbote für die Finanzbranche.
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LondonDer spektakuläre Untergang der britischen Hypothekenbank HBOS 2008 geht einer Parlamentskommission zufolge auf das "kolossale Versagen" des Managements zurück und nicht auf die Finanzkrise. Das Institut sei so schlecht geführt worden, dass es auch ohne die damalige Liquiditätsknappheit Pleite gegangen wäre, hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Bericht des Gremiums für Bankenstandards. Die Parlamentarier sprachen sich deshalb dafür aus, die verantwortlichen Manager auf Lebenszeit aus dem Finanzsektor zu verbannen.

HBOS ging 2001 aus der Fusion von Halifax und der Bank of Scotland hervor und war die größte Hypothekenbank Großbritanniens. Das Geldhaus musste zum Höhepunkt der Finanzkrise durch eine von der Regierung eingefädelte Übernahme durch den Rivalen Lloyds vor dem Kollaps bewahrt werden. Lloyds kam dadurch selbst ins Straucheln und konnte nur mit einer staatlichen Finanzspritze im Volumen von 20 Milliarden Pfund überleben. Die Parlamentskommission sollte sich nun Gedanken darüber machen, wie der Bankensektor reformiert werden könnte.

Das HBOS-Management hat für das Debakel immer die weltweite Finanzkrise verantwortlich gemacht. Die Kommission kommt jedoch zu einem ganz anderen Schluss: Das gesamte Geschäftsmodell sei mangelhaft gewesen und der Verwaltungsrat ein "Paradebeispiel für Selbsttäuschung". HBOS steigerte die Vergabe von Immobilienkrediten durch eine kurzfristige Finanzierung auf dem Interbankenmarkt, anstatt dafür wie üblich auf relativ sichere Kundeneinlagen zurückzugreifen. Diese riskante Strategie fiel in sich zusammen, als der Geldmarkt austrocknete.

Der Kommission zufolge war der Untergang von HBOS programmiert. Faule Kredite und Milliarden-Verluste in allen Geschäftsbereichen hätten wahrscheinlich unweigerlich zu einer Insolvenz geführt, hieß es. Zwar habe die Finanzaufsicht damals "völlig unangemessen" reagiert und trage deshalb eine Mitschuld. Die Hauptverantwortlichen seien jedoch der damalige Direktoriumsvorsitzende Dennis Stevenson sowie die ehemaligen Institutschefs James Crosby und Andy Hornby.

Deshalb sei es überraschend, dass bislang lediglich der damals für das Firmenkundengeschäft zuständige Manager Peter Cummings eine Strafe bekommen habe. "Die Kommission hat die Aufsichtsbehörde zu der Überlegung aufgefordert, diesen Personen in Zukunft jegliche Rolle in der Branche zu untersagen." Cummings wurde von der Finanzaufsicht im September schon zu einer Strafe von 500.000 Pfund verdonnert und auf Lebenszeit aus der Finanzbranche verbannt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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