Parmalat-Manager angeheuert: Justiz hakt bei Deutscher Bank nach

Parmalat-Manager angeheuert
Justiz hakt bei Deutscher Bank nach

Für die Deutsche Bank ist die Affäre um den Parmalat-Konzern noch nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft in Parma hat das Frankfurter Geldhaus für die kommenden Wochen zu einem zweiten Informationsgespräch gebeten, hieß es gestern in Finanzkreisen. Zudem pflegte die Deutsche Bank intensivere Kontakte zu dem insolventen italienischen Lebensmittelkonzern als bislang bekannt.

HB MAILAND. Dem Handelsblatt liegen Informationen vor, wonach einer der wichtigsten Investmentbanker, Massimo Armanini, bevor er nach zwei beruflichen Zwischenstationen im März 2003 zur Deutschen Bank wechselte zur Führung von Parmalat gehörte. Dort zeichnete er von 1998 bis 2000 verantwortlich für Parmalat Nordamerika. Neben Armanini unterhielt auch der seit Mitte 2003 amtierende Chef der Deutschen Bank in Italien, Vincenzo De Bustis, enge Beziehungen zur Familie des mittlerweile inhaftierten Parmalat-Gründers Calisto Tanzi. Als langjähriger Generaldirektor der toskanischen Großbank Montepaschi di Siena hat er zuvor eine der Hausbanken der Tanzis geleitet. Der Montepaschi-Konzern kontrolliert das lokale Institut, Banca Monte Parma, das durch eine außerordentlich enge Verquickung mit der Familie des Milchbarons in die Schlagzeilen geraten ist.

De Bustis geriet vor einigen Wochen ins Visier der italienischen Justiz. Wegen des Vertriebs strukturierter Finanzprodukte, durch die Anleger geschädigt worden sein sollen, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn und weitere Manager von Montepaschi.

Unter De Bustis Führung habe die Deutsche Bank einige Beratungsmandate von Parmalat-Gründer Tanzi erhalten, heißt es in Finanzkreisen. So soll das Geldhaus im Dezember – also kurz vor dem Zusammenbruch des Konzerns – den Auftrag für die Restrukturierung von Parmalat sowie für den Verkauf von Randaktivitäten bekommen haben. Nach dem Führungswechsel – Tanzi musste gehen, der heutige Insolvenzverwalter Enrico Bondi kam – war davon allerdings keine Rede mehr. Bondi lässt sich inzwischen von den Investmentbanken Mediobanca und Lazard beraten.

Am Mittwoch hatten vier Manager der Deutschen Bank in einem ersten Informationsgespräch den Staatsanwälten in Parma Rede und Antwort gestanden. Allerdings scheint das Gespräch für die Ermittler nicht allzu befriedigend verlaufen zu sein. Kreise der Staatsanwaltschaft werden in diversen italienischen Zeitungen mit den Worten zitiert: „Sie haben uns nur das Allernötigste gesagt.“Die Behörden interessieren sich vor allem für die Rolle der Deutschen bei der Emission einer 350- Mill.-Euro-Parmalat-Anleihe im September 2003 – kurz vor Bekanntwerden der existenziellen Probleme. Zweitens wollen die Ermittler wohl wissen, warum die Deutsche Bank Ende November überraschend ihren Anteil an Parmalat auf über 5 % verdoppelt hat, um ihn exakt am Tag vor dem Zusammenbruch, dem 19. Dezember, auf 1,6 % zurückzufahren. Die Deutsche Bank wollte zu den Informationen keine Stellung nehmen.

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