Kontoauszug

In der Schweiz ist das Versenden von falschen Kundendaten eine Verletzung der Bankgeheimnisses und wird strafrechtlich verfolgt.

(Foto: dpa)

Peinliche Panne Schweizer Raiffeisen verschickt Kontoauszüge an falsche Kunden

Eine dreistellige Zahl von Kunden der Schweizer Bank Raiffeisen hat die Auszüge anderer Kunden erhalten. Nun versucht die Gruppe, den Schaden zu begrenzen. Die Panne kommt für die Bank sehr ungelegen.
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St. Gallen, Düsseldorf114 Kunden der Schweizer Raiffeisen Bank haben sich gewundert, als sie vergangene Woche ihre Kontoauszüge in den Händen hielten – und unbekannte Zahlen abgelesen haben.

Denn die Bank hatte ihnen falsche Auszüge zukommen lassen. Öffentlich gemacht hatte die peinliche Panne das Onlineportal Inside Paradeplatz. Die Bank bestätigte den Vorfall. Sie habe den Fehler erst bemerkt, nachdem sich die Kunden bei der Zentrale in St. Gallen beschwert hätten.

Nun versucht die Gruppe, den Schaden zu begrenzen. „Wir stehen mit den betroffenen Raiffeisenbanken und Kunden in Kontakt.“ Auch habe man die Schweizer Finmarktaufsicht (Finma) entsprechend informiert.

Denn diese Panne ist nicht nur schlecht für die Reputation der Bank. Sie kann auch juristische Folgen nach sich ziehen: Das Versenden von falschen Kontoauszügen ist ein Verstoß gegen das Bankgeheimnis und damit das Schweizer Bankengesetz – und somit ein sogenannter Offizialdelikt. Das bedeutet, dass die Behörden eine Strafverfolgungsverfahren eröffnen müssen, sobald sie von dem Delikt erfahren.

Bei vorsätzlicher Verletzung des Bankgeheimnisses müsste der dafür verantwortliche Bankangestellte mit Gefängnis bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Andernfalls droht dem Institut ein Bußgeld in Höhe von 250.000 Franken (etwa 210.000 Euro).

Schuld an dem Fehler war aber wohl nicht menschliches Versagen in der Bank, sondern eine technische Störung bei einem externen Daten-Dienstleister des Instituts. Auf Nachfrage von handelszeitung.ch versicherte ein Sprecher, es seien „Maßnahmen getroffen, dass dies nicht noch einmal geschieht“. So sollen zusätzliche technische und manuelle Kontrollen errichtet worden sein.

Ob es auch personelle Konsequenzen gibt, ist noch unklar.

Die Panne kommt für die Bank sehr ungelegen. Sie steht derzeit wegen Ermittlungen gegen ihren ehemaligen Chef Pierin Vincenz im Fokus. Er sitzt in Untersuchungshaft, weil ihm ungetreue Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit Zukäufen der Raiffeisen-Gruppe vorgeworfen wird. Es besteht der Verdacht, dass sich Vincenz beim Kauf der Unternehmen Aduno und Investnet bereichert hat.

Fehler wie falsche Kontoauszüge passieren bei Banken immer wieder – so zuletzt bei der Onlinebank Fidor. Beim Einloggen konnten Kunden statt ihrer Daten nur vollkommenen fremde Konten einsehen. Auch hier wurde das Problem mit einem Fehler bei einem externen Dienstleister erklärt, der nach einer Aktualisierung der Seite entstanden war.

Bereits 2016 wurde bei der Comdirect ein ähnlicher, größerer Fall bekannt. Tausende Kunden hatten Zugriff auf fremde Konten und konnten sogar durch ein vereinfachtes Überweisungsverfahren Änderungen vornehmen. Auch hier hieß es: Die Sicherheitslücke entstand durch eine Software-Einspielung.

Verbraucherschützer wiesen damals darauf hin, dass diese Panne die Risiken der Systeme offenlege. Doch rechtlich betrachtet seien die betroffenen Kunden auf der sicheren Seite. Sollten Überweisungen während solchen Pannen von Fremden vorgenommen werden, muss die Bank dafür gerade stehen.

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