Per Aktionärsbeschluss
London will Mitsprache bei Chefgehältern

Mindestens alle drei Jahre sollen Anteilseigner über die Vergütung von Unternehmenschefs abstimmen. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, mit dem der britische Wirtschaftsminister auf zunehmenden Protest reagiert.
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LondonIn Großbritannien sollen Aktionäre ein stärkeres Mitspracherecht bei der Bezahlung von Unternehmenschefs bekommen. Wirtschaftsminister Vince Cable legte am Mittwochabend einen Gesetzentwurf vor, nach dem eine Abstimmung über die Bezahlung des Chefs Pflicht auf Hauptversammlungen sein soll. Die Unternehmen müssen demnach mindestens einmal in drei Jahren den Anteilseignern die Vergütungspläne vorlegen. Das Votum der Aktionäre wäre - anders als bislang - bindend. Das Gesetz soll nach dem Willen der Regierung in London im Oktober 2013 in Kraft treten.

Angesichts einer nach wie vor anfälligen Weltwirtschaft sei es „unerträglich und nicht zu rechtfertigen“, dass die Gehälter von Unternehmenschefs jedes Jahr um zehn Prozent stiegen, während die Kurse der börsennotierten Firmen vor sich hin dümpelten und die Löhne der Beschäftigten eingefroren oder gekürzt würden, sagte Wirtschaftsminister Cable. Er fühle sich bei dem Gesetzesvorhaben „ermutigt vom Aktionärsfrühling - und ich möchte, dass das andauert“.

Aktionärsfrühling tauften die britischen Medien die zunehmenden Proteste von Anteilseignern gegen exorbitante Gehälter für Unternehmenschefs. Zuletzt hatten im April die Aktionäre des britischen Medienkonzerns WPP revoltiert - die Anteilseigner lehnten die Gehaltserhöhungen für das Top-Management für das Jahr 2011 ab. Der Chef des Versicherers Aviva, Andrew Moss, musste sogar seinen Hut nehmen, weil die Aktionäre seine Bezahlung ablehnten. Auch beim Rohstoffunternehmen Xstrata, bei der Großbank Barclays und dem Verlag Trinity Mirror hatten die Aktionäre den Aufstand geprobt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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