Piraeus, Alpha und Ergasias
Griechischen Banken droht Geldnot – auch ohne Grexit

In den Büchern griechischer Banken türmen sich Kredite in Höhe von fast 60 Milliarden Euro. Bei Zahlungsausfällen würden selbst die Rückstellungen nicht reichen, um das auszugleichen. Helfen kann nur noch Europa.
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Griechische Banken haben in den vergangenen zwei Jahren zwei Kapitalspritzen erhalten. Sie benötigen möglicherweise eine dritte, da die Rezession die Verluste aus faulen Krediten nach oben treibt. Die steigenden Rückstellungen für Zahlungsausfälle könnten das materielle Kernkapital von zwölf Milliarden Euro der vier größten Banken des Landes komplett aufgezehrt werden. Auf diese vier Institute entfallen 91 Prozent der Bankenaktiva des Landes. Selbst wenn Griechenland mit den europäischen Geldgebern auf zusätzliche Gelder einigt, muss ein nächstes Hilfsprogramm auch eine neue Finanzierungsrunde für die strauchelnden Banken umfassen.

Die faulen Kredite – sprich jene, deren Rückzahlung ungewiss sind – stiegen im vergangenen Quartal deutlich: Weil die neue Regierung auf einen Schuldenschnitt hofft, zögerte sie Zahlungen hinaus. Dadurch rutschte die Wirtschaft wieder in die Rezession ab. Angesichts der Konjunkturschwäche brauchten die vier Banken – die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Alpha Bank und die Eurobank Ergasias – voraussichtlich 16 Milliarden Euro an zusätzliche Rückstellungen für die Abdeckung von Verlusten. Denn in ihren Büchern stehen überfällige und umstrukturierte Kredite in Höhe von 59 Milliarden Euro. Wenn auch nur die Hälfte davon ausfallen, haben die Banken also ein Problem.

„Wir hatten damit gerechnet, dass die Problem-Kredite im ersten Quartal einen Höhepunkt erreichen, aber nun erwarten wir dies irgendwann 2016, vorausgesetzt es gibt eine gewisse wirtschaftliche Stabilität“, sagt Nondas Nicolaides, Analyst bei Moody's in Athen. „Es besteht ein hohes Risiko, dass die umstrukturierten Kredite und andere in Schwierigkeiten geratene Verbindlichkeiten wieder in den Zahlungsausfall zurückrutschen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass die Banken eine weitere Runde von Kapitalspritzen benötigen werden.“

Selbst nach zwei vorherigen Kapitalspritzen, einschließlich eines Hilfspakets von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF), sind griechische Banken schwach kapitalisiert. Mehr als die Hälfte ihres Kapitals besteht aus latenten Steueransprüchen, also Gutschriften für Verluste, die steuermindernd angesetzt werden können, wenn die Banken wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Gutschriften haben nur einen Wert, wenn die Regierung sie in bare Mittel verwandeln kann. Da sie aber kurz vor der Staatspleite steht, sind diese Zahlungen nicht sicher.

Die nach der Finanzkrise von 2008 eingesetzten weltweiten Vorschriften sehen ein allmähliches Auslaufen der Verwendung von latenten Steueransprüchen als Kapital vor, weil sie bei der Abdeckung von Verlusten nicht helfen. Einige europäische Länder einschließlich Griechenland haben sie in Staatsgarantien zukünftiger Gutschriften gewandelt. Die Europäische Zentralbank ist skeptisch bezüglich ihrer Verwendung und könnte die Banken auffordern, ihr Eigenkapital zu erhöhen, um ihre Abhängigkeit von derartigem Kapital zu reduzieren. Der Wert von zwölf Milliarden Euro für das materielle Kernkapital bei den vier griechischen Banken ist ohne latente Steueransprüche.

Analysten und Investoren haben sich in den vergangenen Monaten mehr auf die Liquidität konzentriert, also darauf, wie Banken finanziert sind, als auf die Solvenz. Die Kreditinstitute haben seit November mehr als 20 Prozent ihrer Einlagen verloren, zeigen Daten der griechischen Notenbank und Schätzungen von JPMorgan. Die Banken sind für den Ausgleich des Einlagenschwunds abhängig von den fast 120 Milliarden Euro an Finanzierung von der EZB und der griechischen Notenbank. Außerdem gehen ihnen allmählich die dafür zu hinterlegenden Sicherheiten aus.

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Mehr als 40 Prozent der Kredite könnten faul sein

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