Pleiterisiko
Notenbanker warnen vor zweitem Fall Lehman

Führende deutsche Notenbanker haben davor gewarnt, dass sich ein Fall wie der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers wiederholen könnte. Turbulenzen seien kaum zu vermeiden.
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Frankfurt„Die Sicherheit, dass ein Fall wie Lehman nie wieder passieren kann, haben wir auch heute nicht“, sagt Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Handelsblatt in einem Gespräch anlässlich des fünften Jahrestages der Lehman-Insolvenz. Eine Eintrittswahrscheinlichkeit von null gebe es nicht, sagt Asmussen. „Aber wir können sie minimieren“, fügt er hinzu. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, warnt ebenfalls: „Ich bin nicht erst seit der akuten Krisenphase vor fünf Jahren überzeugt, dass sich Krisen und Finanzmarktturbulenzen nicht völlig verhindern lassen“.

Die beiden Notenbanker waren im September 2008, als die US-Bank Insolvenz anmelden musste, an der Krisenbewältigung der Bundesregierung auf zentralen Positionen beteiligt: Asmussen war Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und ist seit Anfang 2012 Mitglied des EZB-Vorstandes. Weidmann, seit Mai 2011 Bundesbank-Chef, war damals Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Mit dem Wissen von heute würde man sicher manche Dinge anders machen“, sagte Asmussen. „Zum Beispiel erschien uns eine Zwangsrekapitalisierung einer sozialen Marktwirtschaft fremd. Aber andere Staaten haben damit gute Erfahrungen gemacht haben“, sagte er. Die Lehre, die der Notenbanker aus der Krise zieht: „Die Deregulierung war zu weit gegangen, ich habe seitdem eine erhebliche Skepsis gegenüber dem Versprechen der Selbstregulierung.“

Die US-Regierung hatte 2008 die großen Wall-Street-Banken mit Milliarden zwangskapitalisiert. Das war damals als Staatseinmischung heftig kritisiert worden. Experten führen aber die heutige Stabilität des US-Finanzsystems maßgeblich auf diese Entscheidung zurück.

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  • Ich meine, ein Großteil der Deutschen sind Messies. Ich meine das gar nicht böse, und will damit auch nicht sagen, dass das unbedingt diejenigen sind, die schwarz oder gelb wählen. Das kann ja auch eine überlegte Entscheidung sein, und nicht jeder, der (egal wie weit) links wählt, tut das überlegt.

    Aber eine Mehrheit lässt sich tatsächlich ordentlich einwickeln. Und das ist genauso unschön wie ein unaufgeräumtes Haus, in dem sich nichts wiederfindet. Will sagen: wer sich als Deutscher "den Griechen" gegenüber etwas einbildet, hat nichts begriffen.

  • Ein reaktionärer Sauhaufen ist der momentane Bundestag.

  • Wenn jetzt ein Mosaikstein aus dem Gemälde herausbricht, fällt es in sich zusammen. Wir hätten vor der Einführung des EURO aufpassen müssen. Jetzt sind wir schon so weit "geflogen", dass eine Umkehr nicht mehr möglich ist.
    Die Gefahr ist größer als 2008 (Lehmann Pleite), weil die Summen der Papiere (Staatsanleihen und Derivate, die bei den Banken und Versicherungen liegen in die Billionen gehen. Wenn die Banken sich gegenseitig nicht mehr trauen, steht der Welthandel still. Das wäre die Katastrophe schlechthin. Verantwortungsvolle Politiker wissen das und handeln entsprechend. So gesehen gibt es aufgrund der faktischen Zwänge auch keine echte Alternative. Die AfD hat noch keinen machbaren Vorschlag zur Lösung der Krise vorgebracht. Lucke rudert nur vor und zurück und vabuliert von einer Koalition mit der CDU, die er doch verlassen hat. Was ist das für ein Mensch. Vertrauen habe ich zu dem nicht.

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