Portigon
Ex-WestLB-Banker sollen Steuerfahnder werden

Die WestLB-Nachfolgerin Portigon ringt mit hohen Verlusten. Besonders die Personalkosten belasten Nordrhein-Westfalens Etat. Die Landes-FDP hat daher eine ungewöhnliche Idee: Sie will Banker zu Steuerfahndern machen.
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DüsseldorfDie WestLB-Nachfolgerin Portigon will ihren Personalabbau vorantreiben. Ein Portigon-Sprecher sagte der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post: „Bestehende Planungen sehen vor, die Mitarbeiterzahl bis 2016 auf 980 zu reduzieren.“ Derzeit beschäftigt Portigon noch 2600 Banker der ehemaligen Landesbank WestLB. Bei der Zerschlagung des Kriseninstituts im vergangenen Sommer war von einem Abbau auf 1000 Stellen über fünf Jahre die Rede.

Die FDP-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag schlägt vor, die vom Land bezahlten Banker in der NRW-Finanzverwaltung einzusetzen. FDP-Vizefraktionschef Ralf Witzel sagte der Zeitung: „Die Beschäftigten der Portigon AG, für die das Land ohnehin aufkommen muss, könnten beispielsweise in der Finanzverwaltung, der Steuerfahndung oder als Dozenten für kaufmännische Bildungsgänge eingesetzt werden.“ Dadurch blieben dem Steuerzahler unnötige Kosten für Abfindungen von bis zu einer Viertelmillion Euro pro Person erspart, sagte Witzel.

Die Deutsche Steuergewerkschaft (DStG) steht dem Vorschlag offenbar aufgeschlossen gegenüber. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Manfred Lehmann sagte der Zeitung: „Mit zusätzlichen Fachschulungen könnten Banker wahrscheinlich eine Reihe von Aufgaben in den Finanzämtern unterstützen.“ Laut Gewerkschaft fehlen dem Land NRW gegenwärtig 1500 Fachkräfte in der Finanzverwaltung und bei der Steuerfahndung.

Portigon ist einer von drei Teilen, in die die Landesbank aufgespalten wurde. Daneben gibt es die Verbundbank, die an die Landesbank Hessen-Thüringen übergegangen ist, sowie die Erste Abwicklungsanstalt (EAA). Sie kümmert sich als Bad Bank um schwer verkäufliche Portfolios im Wert von 150 Milliarden Euro - und ist der erste Kunde Portigons.

In der Finanzkrise 2008 konnten die Eigentümer die WestLB nur mit Milliardenspritzen retten. Toxische Wertpapiere und unerwünschte Aktivitäten wurden in die erste „Bad Bank“ des Landes ausgelagert. 18 Milliarden Euro kostet die Abwicklung, das Land NRW trägt neun Milliarden, seine Sparkassenverbände übernehmen sechs Milliarden Euro und der Bund drei Milliarden.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Portigon: Ex-WestLB-Banker sollen Steuerfahnder werden"

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  • Diese "Sonderkonditionen" gab es vor 20 Jahren. Das ist ein Instrument, dass damals die SPD federführend eingeführt hat. Vergleichbares gibt es bei IBM, der Deutschen Bank, etc.

    Die Kommentatoren hier eigenen sich mangels Liebe zum Detail scheinbar nicht zu Steuerfandern, was nicht weiter schlimm ist. Ein Versicherungsvertreter ist auch dabei, diese Berufsgruppe kümmert sich selten um das Kleingedruckte wenn man sich die Prozesslawinen anschaut.

    Was bleibt? Eine gute Idee die leider nicht berücksichtigt, dass der Arbeitgeber nicht das Land NRW ist, sondern die Portigon als Rechtsnachfolger der WestLB. Eigentümer ist eben was anderes. Ein Blick ins Arbeitsrecht würde hier gut tun.

    Aber da sind wir schon wieder bei den leidlichen Details, die die Kommentatoren hier nicht genießen wollen.

    Ach ja, die Milliarden die NRW und die Sparkassen 20 Jahre an Gewinnen eingesteckt haben und die sonst durch niemanden zu finanzierenden Projekte in NRW lassen wir mal außen vor, und die Steuern die das Institut über Jahrzehnte zahlte.

  • *lach*, am interessantesten finde ich dabei das dieser Vorschlag von der FDP kommt.

    Aber was solls, machen wir alle "freigesetzten" Automobilarbeiter zu Parkwächtern, alle Handwerksbetriebe, die von der Industrialisierung aufgefressen wurden, zu Gebäudereinigern der Landesparlamente, alle Bachelors zu IT-Spezialisten, und alle überflüssigen Beamten und Lebensjobretter zu Kontrolleuren bei Sozialhilfeempfängern, aber ohne Zeitverträge wie bei der Arge.
    Und schon brauchen wir ein neues Amt, nämlich eines welches diese "Jobverschieber" auch kontrolliert.
    Habe ich jetzt in der Titanic gelesen oder im Handelsblatt *grübels*

  • Na, wunderbare Idee des Neokapital- und -liberalismus, der FDP.

    Pleite-Bankiers werden Steuerfahnder und Steuerfahnder des Finanzamtes wurden als paranoide Querulanten (oder so ähnlich) in Zwangspension oder -rente geschickt, weil sie vollkommen zurecht in den oberen Etagen der Commerzbank schnüffeln wollten, von Vorgesetzten zurückgepfiffen.

    Die Geschichte besitzt System, das System.

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