Positive Perspektive: Allianz befreit sich von großer Last

Positive Perspektive
Allianz befreit sich von großer Last

Die Allianz zahlt noch einmal Milliarden, um die Dresdner Bank los zu werden. Dennoch steht sie nun als Gewinnerin da. Denn der zusätzliche Einsatz von 1,8 Milliarden Euro ist eine Geldanlage – allerdings eine riskante.

MÜNCHEN/HANNOVER. Die stille Einlage der Allianz in Höhe von 750 Mio. Euro verzinst sich nur mit neun Prozent, wenn die Commerzbank mit Gewinn arbeitet. Schreibt die Bank Verluste, springt nichts für die Allianz heraus. Ähnlich unsicher sind Erträge aus verbrieften Wertpapieren, sogenannten Collateralized Debt Obligations (CDO), im Nominalwert von zwei Mrd. Euro. 1,1 Mrd. Euro zahlt die Allianz dafür. Doch wann sich dieses Investment auszahlt, ist unklar. Denn das Geschäft mit CDO liegt am Boden. Keiner will derzeit diese vergifteten festverzinsliche Wertpapieren, hinter denen alle möglichen Arten von Forderungen stehen können. In einer Bank bedingen CDO zudem extrem hohen Kapitalbedarf.

Für die Allianz ist all dies ein geringeres Problem als für Banken. Die Versicherung kann abwarten, bis diese Märkte wieder in Gang kommen und dann diese Papiere nach und nach verkaufen. Sie darf die CDOs zudem so in der Bilanz verbuchen, dass sie nicht so viel Probleme wie in einer Bank schaffen. Im Verhältnis zu den Kapitalanlagen der Versicherung im Volumen von knapp 400 Mrd. Euro fällt der neue Giftmüll in Form von CDOs kaum ins Gewicht.

Die Kapitalmärkte honorierten am Freitag diese insgesamt positive Perspektive der Allianz. Die Aktie stieg, wobei sie allerdings in den Tagen zuvor auch deutlicher als die Branche nachgegeben hatte. „Natürlich musste die Allianz zum Schluss noch einmal zwei bittere Pillen schlucken“, sagte Ralf Dibbern von M.M. Warburg. Für den Konzern sei es aber nur darum gegangen, das Kapitel Dresdner Bank irgendwie zu beenden. Im vierten Quartal 2008 werde es nun wohl noch einmal eine größere Abschreibung auf den Wert der Commerzbank-Aktien geben. „Die Ergebnisentwicklung wird wesentlich stabiler“, beschreibt Dibbern den positiven Effekt für Allianz-Aktionäre. Dies geschehe zu Lasten der Steuerzahler, sagen Kritiker. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann man das der Allianz nicht vorwerfen“, entgegnet Dibbern.

Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte in München, ist da wesentlich skeptischer. Der Verkaufserlös habe sich seit der ursprünglichen Vereinbarung im August für den Versicherungskonzern noch einmal um 50 bis 60 Prozent reduziert. Bei dieser Berechnung sei noch gar nicht berücksichtigt, dass sich der Anteil der Allianz an der Commerzbank durch den Staatseinstieg verwässert und die Commerzbank-Aktien weiter an Wert verloren hätten. „Insofern kann man nicht behaupten, dass die Allianz die Gewinnerin dieser ganzen Transaktion ist.“

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