Postbank in Nöten
Filialen müssen wegen Mitarbeitermangel schließen

In ganz Deutschland standen Postbank-Kunden in den vergangenen Wochen vor verschlossenen Türen. Das Geldhaus schiebt den Ausfall auf die Grippewelle. Arbeitnehmervertreter sehen dagegen ein grundlegendes Problem.
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DüsseldorfDer ganze Ärger begann mit einem Blatt Papier. Das klebte in den vergangenen Tagen und Wochen an den gläsernen Schiebetüren zahlreicher Postbank-Filialen. „Wegen Erkrankung bleibt unsere Filiale heute geschlossen“, stand oftmals drauf – und die Kunden schnaufend davor.

Ob in Oberhausen, Lage und Sieker in Nordrhein-Westfalen, Korbach in Hessen, Springe in Niedersachsen oder Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern: In ganz Deutschland standen Kunden der Postbank in den vergangenen Wochen vor verschlossenen Türen – während der regulären Öffnungszeiten.

Betroffen waren dabei nicht nur diejenigen, die am Schalter den Dauerauftrag ändern oder Geld anlegen wollten, sondern auch solche, die ein Paket abholen oder ein Einschreiben verschicken wollten. Denn die Postbank gehört zwar nicht mehr zur Deutschen Post, sondern zur Deutschen Bank, bietet in ihren Filialen jedoch immer noch Post-Serviceleistungen im Auftrag der Deutschen Post an.

Die Postbank macht für die Schließungen die Grippewelle verantwortlich. Die Gewerkschaft für Deutsche Post, Postbank, Telekom und Call-Center DPVKOM hingegen spricht von generellem Mitarbeitermangel und einem krank machenden Vertriebsdruck.

Zuletzt standen Kunden am Donnerstag in Bottrop vor den verschlossenen Türen einer Filiale. Just zur Mittagszeit blieb das „Finanzcenter“ der Postbank in der Ruhrgebietsstadt für rund anderthalb Stunden zu - und das zum dritten Mal in den letzten Wochen. „Drei der vier Stammbeschäftigten der Filiale sind zur Zeit erkrankt“, erklärt Postbank-Pressesprecherin Iris Laduch-Reichelt. Zudem sei eine Aushilfskraft mittags zu spät gekommen, die zwei Mitarbeiter der Filiale mussten ihre Pause nehmen und das „Finanzcenter“ schließen. Denn es gilt das Vier-Augen-Prinzip.

In Hannover schloss eine Postbank in der vergangenen Woche gleich für mehrere Tage die Pforten. Dort fehlte zunächst sogar das Hinweisschild an der Tür. Besonders kurios: In Bocholt konnte vor zwei Wochen gar kein Schild aufgehängt werden, da der Mitarbeiter erkrankte, der den Schlüssel zum Gebäude hatte.

„In den vergangenen Wochen hatten wir in einigen Filialen und Gebieten einen Krankenstand von mehr als 60 Prozent“, sagt Laduch-Reichelt. Die Grippewelle sei hartnäckig. „So einen Ausfall von Stammbeschäftigten können auch wir nicht ausgleichen.“ Im besonders betroffenen Großraum Duisburg seien vier weitere Aushilfen eingestellt worden. Mitarbeiter würden teilweise aus dem Urlaub geholt und Fortbildungen gestrichen.

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„Viele Postbanker macht der Vertriebsdruck krank“

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  • Wenn ein Herr Jain auf 20 oder 30 % es Bonis vezichtet (und das sind lt Presse 2 Mio.) hoffe ich daß Er mit dem Rest für dieses Jahr noch über die Runden kommen wird. Er braucht ja auch noch was für später, sonst fäll Er wie seine anderen Kollegen in die Altersarmut.

    Übrigens: Habe heute gehört, daß sich der Vorstand und die Leit(d)enden Angestelletn sich bei der kommenden HV das Gehalt verdoppeln wollen weil der Staat jetzt die Bonis reguliert. Ich wette daß die Aktionärshrheit dies begrüßt !
    Eine entsprechende Meldung gib es ja auch schon im Deutschlandfunk 22.3.13.
    Ach..GELD GELD. Ihr reduziert die Manager immer auf das Geld. Der Kulturwandel, Entscheidungen treffen und dann auch die Verantwortung übernehmen, auch wenns schlecht gelaufen ist wird sich durchsetzen. Wenn`s schlecht gelaufen ist sind`s die kleinen die es tragen müssen, und der Vorstand verzichtet dann wieder auf 20.... oder 30% . Das ist doch ein tolles Signal nach aussen.

  • Krank ist krank, aus welchem Grund auch immer.
    Die Gründe können vielseitig sein. Ich möchte jedenfalls nicht von einem Kranken bedienst werden. Weder mit Schnupfen noch mit Arbeitsunlust oder Motivationsmangel.

    An die Deutsche Bank. Bezahlt die unteren Lohngruppen ausreichend und der Laden läuft. Die oberen wenigen Boniempfänger machen mehr Schaden als sie nutzen.

  • Also zur Ehrenrettung von Anton Schlecker. Der hat, hatte nie und nimmer Finanzdienstleistungen an die Frau, den Mann oder sonstnochwer als Gender in seinen Filialen angeboten, geschweige denn verkauft.

    Wie man feststellt, jedes Geschäftsmodell läßt sich toppen. Marschmeyer wahr dann wohl die Spitze des Eisbergs oder täuscht sich da der geneigte Kommentator?

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