Postbank und die Deutsche Bank
Demonstration um „fünf vor zwölf“

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank entscheidet auf einer außerordentlichen Sitzung über die Strategie des Instituts. Mitarbeiter der Tochter Postbank streiken und demonstrieren – ein Käufer ist indes nicht in Sicht.
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DüsseldorfDie Postbank ist derzeit Spielball in den Strategieberatungen der Deutschen Bank. Es gilt als sicher, dass die Aufseher der Deutschen Bank heute zumindest einen Teilverkauf des Unternehmens beschließen, dass erst 2008 in den Konzern gestoßen war.

Die etwa 9.500 Mitarbeiter der Postbank-Filialen ringen derzeit um einen Tarifvertrag und versammeln sich heute um 11.55 Uhr zur Demonstration um „fünf vor zwölf“ vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt. Gleichzeitig läuft der Streik der Beschäftigten weiter. Seit heute hat die Gewerkschaft Verdi 1500 Beschäftigte in 150 Filialen in Nordrhein-Westfalen zum Streik aufgerufen. Drei Tage werden die Außenstellen bestreikt.

Ziel des Streiks ist es, einen Kündigungsschutz bis 2020 durchzusetzen und gleichzeitig eine Lohnerhöhung zu erreichen. Die Beschäftigten seien durch die im immer neuen Spekulationen um die Zukunft der Postbank stark verunsichert, so Verdi. Die Deutsche Bank weigere sich wegen der Strategieberatungen derzeit, über die Forderungen der Arbeitnehmer zu verhandeln.

Die Deutsche Bank will einem potenziellen neuen Eigentümer der Postbank keine Steine in den Weg legen und verweigert bis dato eine Garantie für die Arbeitsplätze. Doch wer künftig in Bonn statt der Deutschen Bank das Sagen haben wird, steht in den Sternen. Viele Investmentbanker glauben, dass ein Verkauf schwierig ist. „Alle Probleme, die die Deutsche Bank mit der Postbank hat, hätte jeder Käufer auch“, sagt einer von ihnen.

Bundesbeamte in der Belegschaft

Die Postbank hat zwar ihre Hausaufgaben gemacht, Schrottpapiere ausgemistet und schreibt wieder nachhaltige Gewinne. Aber als Problem werden die vielen Beamten aus Bundespost-Zeiten gesehen und die Tatsache, dass die Postbank vielerorts Postdienstleistungen anbieten muss. Am Ende muss die Deutsche Bank sie womöglich an die eigenen Aktionäre verschenken.

„Man hätte sie nie kaufen dürfen“, sagt Analyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux. Die mit dem Erwerb verknüpften Hoffnungen hätten sich nie erfüllt. Es dauerte lange, bis die Risiken in der Bilanz der Postbank abgebaut und die – trotz dreistelliger Milliardensummen auf den Sparbüchern der 14 Millionen Kunden – niedrige Kapitalquote aufgepäppelt war. Und die Idee, ungenutzte Ersparnisse als Kredite an Deutsche-Bank-Kunden weiterzureichen, funktionierte nicht. Hier stellte sich die Finanzaufsicht Bafin quer, weil sie mit Rücksicht auf die restlichen Aktionäre der Postbank auf eine ausreichende Kapitalausstattung dort pochte.

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Kein Käufer für die Postbank in Sicht

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  • Schön dass die DB wieder Milliarden an BRITISCHE und AMERIKANISCHE Aufseher zahlt. Was hat aber der geschädigte Kreditnehmer nun davon ?

    Ebenfalls für die Zerschlagung des Instituts hat mal wieder die Belegschaft zu zahlen. Das Management bazahlt sich heiter weiter Bonis in Milliardenhöhe.

    Aber Politiker behaupten dass die Bankenregulierung erfolgreich abgeschlossen ist. Oder wie der Ami sagt: Mission accomplished.

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