Preise der Terminbörsen sinken drastisch Eurex rüttelt den Finanzplatz USA auf

Die Terminbörse Eurex, eine Tochter der Deutschen Börse in Frankfurt, hat durch die Gründung ihres US-Ablegers den amerikanischen Finanzplatz aufgerüttelt. Gewinner sind die Anleger, denn durch den von der Eurex ausgelösten Wettbewerb sind die Gebühren aller Terminbörsen um 80 bis 90 Prozent gefallen.

BOCA RATON. „Wir mussten als Reaktion auf den Markteintritt der Eurex in den USA unsere Gebühren deutlich senken“, sagte Bob Ray vom Chicago Board of Trade (CBOT) dem Handelsblatt.

Der Start der Eurex US findet viel Anerkennung. So haben unter anderem US-Notenbankchef Alan Greenspan und John Damgard, Präsident der mächtigen amerikanischen Branchenvereinigung Futures Industry Association (FIA), auf den von der Eurex ausgelösten positiven Wettbewerbseffekt hingewiesen. Die Eurex habe die Konkurrenz belebt und damit einen sehr wichtigen Eckpfeiler der Marktwirtschaft in die US-Börsenszene gebracht, sagen beide.

Die aktuellen Umsatzzahlen zeigen, wie lebhaft das Geschäft läuft. So berichten die beiden großen Terminbörsen Chicago Mercantile Exchange (CME) und CBOT für das Jahr 2004 und die ersten beiden Monate des laufenden Jahres von neuen Umsatzrekorden. Und die Eurex, die nach eigenen Schätzungen mehr als 30 Prozent ihrer Gesamtumsätze direkt oder indirekt in den USA generiert, eilt weiter von Rekord zu Rekord.

Der drastische Gebührenverfall trifft allerdings auch die Eurex selbst. Außerdem zeigt er, dass die Amerikaner nicht bereit sind, Marktanteile im Terminhandel abzugeben. Daher gibt es auch Stimmen, die den Europäern aus betriebswirtschaftlicher Sicht einen Fehlstart attestieren. Arman Falsafi, für das Europa- und Asien-Geschäft der Chicago Mercantile Exchange (CME) zuständige Direktorin, sagte zum Beispiel, die Eurex habe die Herausforderungen am US-Markt dennoch eindeutig unterschätzt. „Offensichtlich wurde nicht erkannt, dass ein nicht-gewinnorientiertes Unternehmen wie CBOT voll in den Gebührenkrieg einsteigen konnte“, sagt Falsafi. In Finanzkreisen in Chicago wurde zuletzt sogar kolportiert, das Geschäftsmodell der Eurex US sei wegen jährlich anfallender Kosten von 150 Mill. Dollar nicht aufrechtzuerhalten.

Eurex-Chef Rudolf Ferscha schüttelt angesichts solcher Aussagen nur mit dem Kopf, will sich zu den laufenden Betriebskosten der US-Tochter aber nicht äußern. Aus Marktkreisen in Chicago ist indes zu hören, dass die Kosten für die Eurex US deutlich unterhalb von 20 Mill. Dollar pro Jahr liegen.

Hoffnung setzt die Eurex vor allem auf eine noch engere Verbindung des europäischen und des amerikanischen Geschäfts, für das demnächst eine Genehmigung der US-Behörden erwartet wird. Wenn grünes Licht erteilt wird, können die Kunden der Eurex börsentäglich über 23 Stunden hinweg sowohl Dollar- als auch Euro-Derivate über die beiden angeschlossenen Abwicklungs-Einrichtungen Eurex Clearing in Frankfurt und Clearing Corporation in Chicago abrechnen.

Für die Zukunft hat die Eurex US nach Meinung von Experten gute Chancen. Sie gilt als der weltweit liquideste Terminmarkt. Und wenn die zurzeit sehr niedrigen Schwankungen an den Finanzmärkten sich wieder verstärken sollten, würde das für alle Terminbörsen einen deutlichen Umsatzschub bringen.

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