Privatbankier spricht über Zukunftsstrategien: Von Metzler fordert von Unternehmen mehr Weitsicht

Privatbankier spricht über Zukunftsstrategien
Von Metzler fordert von Unternehmen mehr Weitsicht

Der Privatbankier Friedrich von Metzler hat an Unternehmer und Manager appelliert, mit langfristigen Zukunftsstrategien den Standort Deutschland voranzutreiben. Die Globalisierung sei zwar kein neuer Trend, doch die Geschwindigkeit der Veränderungen habe in den vergangenen Jahren zugenommen.

HB FRANKFURT. „Kurzfristig nur Gewinne zu optimieren, wird dauerhaft nicht den großen Erfolg bringen“, sagte von Metzler in einem dpa-Gespräch. „Ziel muss es sein, sich vom Wettbewerb abzuheben und früh zu erkennen, wohin die Entwicklung geht.“

Von Metzler verteidigte dabei auch Auslagerungen von Jobs ins Ausland. Um den Lebensstandard zu erhalten, müssten in Deutschland im Gegenzug höherwertige Arbeitsplätze geschaffen werden. Dabei sei es verhängnisvoll, neue Technologien pauschal abzulehnen oder Zukunftsmärkte zu spät zu besetzen. So sei beispielsweise die Bedeutung der Kapitalmärkte lange nicht erkannt worden. „Die Hälfte der Arbeitsplätze in Luxemburger Banken könnte in Deutschland sein“, meinte der 62-Jährige, der das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. in elfter Generation leitet.

Als Unternehmer wegen mangelhafter Rahmenbedingungen Deutschland den Rücken zu kehren, lehnt von Metzler ab. „Wenn man 330 Jahre ansässig ist in einem Land, dann hat man alles erlebt. Es gab immer wieder Gründe, Deutschland zu verlassen, und ich bin froh, dass wir hier geblieben sind.“ Im Gegensatz zu früher seien die Gefahren eher kleiner geworden. Er begrüße es, dass in Deutschland inzwischen eine Diskussion über Reformen geführt werde. „Was noch fehlt, ist die Neugier auf neue Entwicklungen.“

Von Metzler regt an, dass angesichts des notwendigen Rückzugs des Staates aus vielen gesellschaftlichen Bereichen die Bürger mehr Aktivitäten selbst übernehmen - oder mit der öffentlichen Hand gemeinsame Sache machen. Das bis in das Jahr 1674 zurückreichende Bankhaus Metzler engagiere sich in der traditionell „fürstenlosen“ Bürgerstadt Frankfurt seit Jahrhunderten im kulturellen und sozialen Bereich. „Wir sind damit aufgewachsen“, erklärt von Metzler und fügt hinzu: „Wenn man sich um etwas kümmert, kommt automatisch auch das Interesse. Nur sein Geschäft als Bankier zu machen, ist zu langweilig.“

Unternehmer und Manager seien nicht allein wegen ihrer finanziellen Mittel aufgefordert, sich für die Allgemeinheit zu engagieren: „Es ist nicht nur das Geld, es sind die Ideen.“ Es gehe darum, Anstöße zu geben und Leute zusammenzubringen. So setzt sich das Bankhaus Metzler über eine Stiftung - neben vielen anderen Projekten - dafür ein, dass Erkenntnisse aus der Gehirnforschung im Unterricht an Schulen zur Anwendung kommen. Von Metzler selbst frage häufig bei anderen prominenten Unternehmern an, ob sie ein Projekt unterstützen. Irgendwann bekomme er dann auch eine Zusage, kalkuliert der Frankfurter Ehrenbürger: „Zehn Mal abzusagen traut sich keiner.“

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