Private-Equity-Branche Ohne Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen

Selten hat sich die Private-Equity-Branche so vehement und umfassend an die eigene Nase gefasst. Auf der 9. Handelsblatt Jahrestagung Private Equity ist die Stimmung gedrückt. Viele Fonds müssen dichtmachen – doch sobald es um Namen geht, herrscht Schweigen.
  • Hans G. Nagl und Robert Landgraf
Bei der Handelsblatt-Tagung zeigten sich die Heuschrecken schuldbewusst. Die Namen der schwarzen Schafe sind allerdings ein wohlgehütetes Geheimnis. Quelle: Presse

Bei der Handelsblatt-Tagung zeigten sich die Heuschrecken schuldbewusst. Die Namen der schwarzen Schafe sind allerdings ein wohlgehütetes Geheimnis.

MÜNCHEN. Die Stimmung ist unterkühlt – und es liegt nicht nur am Wetter oder der massiv blasenden Klimaanlage. Seit Stunden regnet es in München, vom nur wenige Tage zurückliegenden Sommeranfang keine Spur. Der Himmel, der eigentlich bayerisch-blau sein sollte, ist grau und trist. Fast könnte man von Nebel sprechen. Drinnen im Konferenzsaal, in einem Hotel nahe des Bahnhofs, wirkt der ein oder andere Vertreter der Private-Equity-Zunft ebenfalls recht nachdenklich. Wobei das eher noch untertrieben ist. Denn eine bislang unbekannte, ja fast schonungslose Offenheit hat sich breit gemacht. „Es sind massenhaft Fehler gemacht worden“, sagt Stephan Illenberger, Deuschlandchef von Axa Private Equity. Andere Diskussionsteilnehmer der 9. Handelsblatt Jahrestagung Private Equity pflichten ihm bei. Allianz-Capital-Partners-Chef Thomas Pütter spricht von unsoliden und viel zu hohen Verschuldungsgraden, oberflächlicher Prüfung der Bilanzen bei Übernahmen und schlampigen Vertragswerken. Am deutlichsten wird Hans Albrecht, seit langem bekannt als Enfant Térrible der Branche und seines Zeichens Gründer des kleinen Fonds Nordwind Capital. Man habe bei vielen Deals Rekordpreise gezahlt und Schulden wie nie zuvor gemacht. Für das Resultat hat Albrecht ein schönes Bild: „Wenn einer ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt und dann sagt, er will jetzt noch operativ was retten, dann ist das alles Quatsch.“

Mehr Büßerhemd geht nicht. Selten hat sich die Branche so vehement und vor allem umfassend an die eigene Nase gefasst. Wahrscheinlich ist schon das alleine Grund für Anerkennung. Die zuletzt noch als Heuschrecken verunglimpften Finanzinvestoren legen Offenheit an den Tag. Nur: Wenn es um die Namen der schwarzen Schafe geht, herrscht Schweigen. Exzesse sind eben anonym.

„Das sagt keiner“, meint ein altgedienter Private-Equity-Manager abends in kleiner Runde. „Aber Sie können eigentlich fast jeden Deal aus den Jahren 2006 und 2007 nehmen.“ Namen? Fehlanzeige.

Auf dem Podium verweist ein Banker auf die bereits bekannten Insolvenzen aus den Portfolios der Fonds – darunter TMD Friction von Montagu oder Edscha von Carlyle. Doch eine spannende Frage bleibt ungeklärt: Wenn künftig zehn, 20, ja vielleicht sogar 30 Prozent der Fonds ausscheiden werden, muss es doch Namen geben.

Bleibt die Gerüchteküche in den Konferenzpausen, an den Stehtischen und der Kaffeebar. J.C. Flowers ist einer der Namen, die oft auftauchen. Auch Candover, Permira und Bain. Ob das aber am Ende stimmt, ist offen. Denn das ein oder andere womöglich schlecht laufende Investment – Hypo Real Estate, Bavaria Yacht oder ProSiebenSat.1 – sagt nur wenig über die Gesamtentwicklung eines Fonds aus. Abgerechnet wird erst in ein paar Jahren.

„Das Problem der Branche ist, dass sie so langsam stirbt“, analysiert Illenberger. Wen er damit meint, bleibt natürlich offen. Und dass die genannten Häuser Untergangsszenarien für sich selbst von der Hand weisen, versteht sich von selbst. Die schwarzen Schafe? Die Exzesse? „Es wäre ja auch ein bisschen viel verlangt, wenn wir das auch noch sagen würden“, meint ein Tagungsteilnehmer und grinst.

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