Private Krankenversicherung Kunden bezahlen für Systemfehler

Auch wenn das Bundesgesundheitsministerium der privaten Krankenversicherung jetzt das Leben erleichtern will: Die Webfehler im System bleiben. Langfristig könnten sie zu Sprengsätzen für das ganze Geschäftsmodell der privaten Vollkrankenversicherung werden.
  • Anke Henrich, Cordula Tutt
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Viele Fachleute sehen einen Systemfehler im System. Quelle: dpa

Viele Fachleute sehen einen Systemfehler im System.

(Foto: dpa)

BERLIN. Im nächsten Jahr wird, so scheint es, für die private Krankenversicherung (PKV) alles besser. Bis zu 40 000 Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - so schätzt das Bundesgesundheitsministerium - werden 2011 zur Konkurrenz, der PKV, wechseln, weil die Wartezeit von drei auf ein Jahr verkürzt wird. Die Ausgaben für Arzneien werden zum Teil gedeckelt. Und die ausufernden Arzthonorare könnten eingefangen werden, da die veraltete und umstrittene Gebührenordnung endlich neu verhandelt wird. Geht es nach dem Willen der PKV, könnten die Unternehmen dann endlich kostengünstigere Einzelverträge mit Ärzten abschließen.

Doch die Aufbruchstimmung trügt. Die Finanzkrise wirkt fort: Sie beschert einigen Versicherern nur noch niedrige Zinsen auf die 145 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen ihrer Kunden. Damit drohen denen höhere Beiträge, um das Polster fürs Alter sicherstellen zu können. Dazu tobt ein bisher ungesehener Provisionskrieg in der Branche. Um möglichst viele Versicherte zu den Privaten zu locken, bezahlen einige Anbieter ihren Vermittlern enorme Provisionen. Die Branche kannibalisiert sich selbst.

Jetzt rufen ihre Verbandsfunktionäre sogar die Politik zur Hilfe. "Die Branche muss umgehend handeln. So kann man das nicht laufen lassen", sagt Reinhold Schulte, Chef sowohl der Signal Iduna als auch des PKV-Verbandes. Notfalls müsse man das Verkäuferhonorar über die Kalkulationsverordnung gesetzlich regeln lassen.

Die eigentlichen Probleme der PKV aber sind die Webfehler im komplizierten deutschen System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung. Vor 20, 30 Jahren störte sich kaum jemand an ihnen - langfristig werden sie jedoch zu Sprengsätzen für das ganze Geschäftsmodell der privaten Vollkrankenversicherung. Die Kosten und Beiträge laufen aus dem Ruder, Wettbewerb findet nur um Neukunden statt, echte Vertragsfreiheit gegenüber Ärzten und Kliniken existiert nicht, die Leistungen sind längst nicht mehr automatisch besser als in der GKV, ihre Qualität wird weniger kontrolliert als bei gesetzlich Versicherten, die Konstruktion der Tarifklassen erweist sich für immer mehr Versicherte als teure Falle.

Vor allem aber wackelt bei einigen Anbietern das werbeträchtigste Argument der PKV, nämlich dass ihr Modell der Alterungsrückstellungen im Unterschied zur GKV grundsätzlich demografiefest sei. Vor diesem Hintergrund werden sich die 40 000 Wechselwilligen ihren Übertritt zur PKV und die Wahl des Anbieters gut überlegen.

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2 Kommentare zu "Private Krankenversicherung: Kunden bezahlen für Systemfehler"

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  • "Die Mischkalkulation eines nachhaltigen Versicherungstarifs ist einfach: Von unten müssen junge, gesunde Kunden in das Versichertenkollektiv einsteigen, weil sie weniger Kosten verursachen, als sie beiträge zahlen. So subventionieren sie die Älteren, die oft mehr kosten, als sie zahlen."

    Mal abgesehe von einer Vielzahl von Fehlern im Artikel - wie kann man eine solche Aussage treffen, die definitv völlig falsch ist? ist das wirklich Handelsblatt Qualität oder der neue Style?

    Es ist peinlich, wenn man solche Falschaussagen trifft, die den gültigen Gesetzen widerspricht!

  • Huch! das PKV-System funktioniert nur mit gesunden, gut verdienenden Neukunden? Was für eine Überraschung, ich dachte, die PKV wäre per Definition "demographiesicher"? Hat mal jemand nachgerechnet, wo die GKV-beiträge stünden, wenn die Versichertenstruktur mit denen der PKV identisch wäre? Lauerten da etwa unangenehme Überraschungen für unseren superintegrierten Gesundheitsminister?

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