Privatkundengeschäft
Hypo-Vereinsbank stoppt Franchise-Filialen

Die Hypo-Vereinsbank verabschiedet sich von ihrem in der Branche viel beachteten Konzept, um Privatkunden zu gewinnen. Vor zwei Jahren gestartet hat sich das Projekt inzwischen als unrentabel erwiesen.
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DüsseldorfDie Hypo-Vereinsbank stellt ihr Franchise-Filial-Konzept ein. Nach Informationen der digitalen Tageszeitung Handelsblatt Live (Morgenausgabe) aus Finanzkreisen ist das vor zwei Jahren gestartete Modell deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ursprünglich hatte die Bank alle deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern als mögliche Standorte dieser Filialen ins Auge gefasst, das wären mehr als 80 Orte von Cottbus bis Hagen. 13 dieser neuen Niederlassungen wurden tatsächlich eröffnet. Jetzt ist bereits Schluss. „Strategisch passt das Konzept nicht mehr in unsere neue Privatkundenstrategie, die sich neben einem Multikanalausbau auch auf eine umfassende Modernisierung der eigenen Filialen fokussiert. Daher wird der Finanzpartner-Test nicht weiter verfolgt“, bestätigte ein Sprecher die Handelsblatt-Informationen.

Die Bank leidet seit Jahren unter einem stagnierenden bis rückläufigen Privatkundengeschäft. Kunden wandern ab – nach nicht von der Bank bestätigten Informationen sollen es bis zu 40.000 im Jahr sein. Der bei der HVB für Privatkunden zuständige Vorstand Peter Buschbeck hat deswegen immer wieder neue Vorstöße unternommen, um den Trend nach unten zu stoppen.

Das Franchise-Konzept war einer dieser Versuche. Es sah vor, dass die neuen Filialen von der Bank eingerichtet, aber dann von selbständigen „Finanzpartnern“ betrieben werden. Die Bank wollte diese freien Handelsvertreter an sich binden und ihnen eine schlüsselfertige Geschäftsstelle samt Geldautomaten im HVB-Look einrichten. Auch türkisch sprechende Mitarbeiter sollten angeheuert werden, um einen entsprechenden Kundenkreis zu bedienen.

Inzwischen hat sich allerdings Ernüchterung breit gemacht. Dafür sind nach Handelsblatt Live-Informationen neben der Strategieänderung eine Reihe von Gründen ausschlaggebend gewesen: So soll das Alltagsgeschäft mit Baufinanzierungen und Verbraucherkrediten nur schleppend gelaufen sein. In einzelnen Filialen seien bis zu 90 Prozent der Anträge auf Kredite abgelehnt worden, was bei den Kunden für Frust gesorgt haben dürfte. Darüber hinaus sollten die Filialbetreiber, die die eingerichteten Räume von der Bank mieten mussten, auf ihre Kosten kommen, in dem sie Versicherungen der Ergo-Gruppe verkauften. Die Provisionen waren hier jedoch anfangs so niedrig, dass die Handelsvertreter enttäuscht waren. Schließlich wurde das Projekt auch intern misstrauisch beobachtet, da die neuen Filialen zu viel niedrigeren Kosten arbeiten sollten und damit die etablierten Filialen unter Druck setzen konnten. All das trug dazu bei, dass Buschbeck seinen Versuch abblasen musste.

Die Konzernmutter Unicredit legt an diesem Dienstag ihr Jahresergebnis vor, die HVB folgt am Mittwoch.

Den ganzen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Handelsblatt Live.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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