Pro Zerschlagung
Große Banken sind unkontrollierbar

Ab einer bestimmten Größe sind Banken nicht mehr zu regieren. Im Falle einer Pleite ist der Schaden groß - besonders der für den Steuerzahler. Auf der Suche nach einer Lösung fällt ein bestimmtes System ins Auge.
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New YorkDie Größe der Finanzgiganten dieser Welt trägt viel zum Vertrauensverlust bei, mit der die Bankenbranche derzeit kämpft. Dazu haben Institute beigetragen, die so groß sind, dass der Vorstand offenbar nicht mehr weiß, was in den Etagen der Händler passiert. Und solche, die „too big to fail“ sind - also im Krisenfall nicht ohne große Schäden für die Volkswirtschaften vom Markt verschwinden können.

Viele global agierende Banken der westlichen Welt sind unkontrollierbar und unregierbar geworden. Skandale wie die offenbar systematische Manipulation des Referenzzinssatzes Libor belegen dies ebenso wie die gigantischen Handelsverluste in der Londoner Filiale der US-Großbank JP Morgan, die selbst der Bankführung lange verborgen blieben. Ab einer bestimmten Größenordnung kann die Führung einer Bank nicht mehr mit der nötigen Gewissheit sicherstellen, dass niemand über die Stränge schlägt. Und auch die Aufseher sind nicht in der Lage, rechtzeitig genug einzuschreiten.

Das wäre ein begrenztes Problem, wären Banken „normale“ Konzerne wie etwa Siemens. Der Schmiergeldskandal bescherte dem Münchener Traditionskonzern einen gewaltigen Imageschaden und Strafzahlungen in Milliardenhöhe - auf die Weltwirtschaft hatte er jedoch keinerlei Auswirkungen. Anders ist die Lage bei Banken, wie der jüngste Skandal um manipulierte Referenzzinssätze zeigt. Geringfügige Veränderungen des Libors oder des Euribors haben Auswirkungen auf Finanzgeschäfte in Billionenhöhe - und damit auf die gesamte Volkswirtschaft.

Jeder neue Skandal verschärft das Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem. Das geht so weit, dass sich auch die Banken untereinander misstrauen und sich gegenseitig kein Geld mehr leihen. Die Kredite fehlen der Wirtschaft, die damit ihres Wachstumspotenzials beraubt wird. Wie groß das Misstrauen ist, lässt sich an den Märkten ablesen. Vielen Banken laufen schlicht die Aktionäre weg. Einige sind an den Börsen kaum noch die Hälfte der Wertpapiere in ihren Büchern wert. Es spricht Bände, dass die Analysten von Barclays vor diesem Hintergrund in der jüngsten Reorganisation der größten US-Bank JP Morgan die Vorbereitung für eine Aufspaltung sehen.

Kommentare zu " Pro Zerschlagung: Große Banken sind unkontrollierbar"

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  • was muß eigentlich noch alles passieren, damit auch unser Rolli-Fahrer eine Notwendikeit sieht, das Risiko für den Steuerzahler zu reduzieren ? Das ganze Geldwesen gehört eh in staatliche Hände, da es ein öffentliches Gut ist, so wie jede offentliche Straße, Polizei, Armee ... Wieso das in privater Hand ist wäre eine Überlegung wert ;-)

  • Der ESM über die EZB wird noch weniger zu kontrollieren sein. Billionen verschwinden in Kanäle ohne Spuren zu hinterlassen. Das Kapital wird der Bevölkerung entzogen. Die Folgen sind Einbruch der Binnenkonjunktur mit erheblichen Sozialkürzungen in allen Bereichen.

    Auch Deutschland wird bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen erleben. Ein schreckliches Ergebnis, dass der Euro produziert.

    Wenn die Südstaaten Deutschland weiterhin erpressen sollten, kann Deutschland wieder aufrüsten und die Panzer gen Süden in Bewegung setzten. Militärische Macht ist die Antwort auf Erpressung. Diesen Kasperköpfen in Brüssel müssen Grenzen aufgezeigt werden.

  • "Ab einer bestimmten Größe sind Banken nicht mehr zu regieren. Im Falle einer Pleite ist der Schaden groß - besonders der für den Steuerzahler. Auf der Suche nach einer Lösung fällt ein bestimmtes System ins Auge."

    Ist es nicht mit großen Staatenbündnissen genau so?

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