Problem mit Investor RHJ
Der Deutschen Bank droht Desaster bei BHF-Verkauf

Investor RHJ International hat Schwierigkeiten mit der geplanten Übernahme der Privatbank BHF. Nach einem Medienbericht muss die Deutsche Bank wieder um dem geplanten Verkauf ihrer Tochter fürchten.
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Frankfurt/HamburgDie Deutsche Bank muss beim geplanten Verkauf der traditionsreichen BHF-Bank mit immer neuen Hürden kämpfen. Erst sollte das Institut an die Liechtensteiner Fürstenbank LGT gehen, aber das scheiterte am Widerstand der Aufsichtsbehörde BaFin. Nun kann der einzig verbliebene Interessent - der Finanzinvestor RHJ - zumindest bislang die Finanzierung nicht auf die Beine stellen.

Mangels Co-Investor zog das vom ehemaligen Dresdner-Banker Leonhard (“Lenny“) Fischer geführte Unternehmen seinen Übernahmeantrag bei der BaFin zurück, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagabend sagten. Die Aufsicht habe gedroht, den Kauf sonst wegen der mangelnden Finanzkraft von RHJ zu verbieten. „Der Verkauf ist eine Bergwanderung, kein Sonntagsspaziergang“, fasste es ein Banker zusammen.

Im Umfeld der beiden Verhandlungspartner war man unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht. RHJ habe die BHF-Bank eingehend geprüft, man sei sich über die Eckdaten bereits einig, sagte ein Insider. So steht etwa fest, dass ein Großteil des Derivategeschäfts bei der Deutschen Bank bleibt. Als Kaufpreis für die Bank mit ihren 1500 Mitarbeitern wird in Verhandlungskreisen 500 Millionen Euro genannt, was unter dem Buchwert des Instituts liegt. Fischer will die BHF-Bank nach eigenen Angaben nicht zerschlagen, sondern als eigene Marke unter dem Dach von Kleinwort Benson weiterführen. Der Londoner Vermögensverwalter war 2009 von RHJ übernommen worden und dient als Nukleus für den Umbau des Investors zum Bankkonzern.

„Sobald ein Co-Investor feststeht, wird die Übernahme bei der BaFin neu beantragt“, sagte ein Insider. Die Gespräche mit Interessenten liefen weiter. Doch genau hier ist der Knackpunkt: Angesichts der Unruhe an den Märkten wegen der Euro-Schuldenkrise halten derzeit Private-Equity-Häuser und andere Finanzinvestoren ihr Geld zusammen. „Alle sind sehr sehr vorsichtig, besonders was Banken betrifft“, sagt Konrad Becker, Finanzexperte bei Merck Finck. Die Refinanzierung von Finanzinstituten ist aktuell schwierig, da Anleger bei der Pleite eines Euro-Landes gravierende Folgen für die Branche befürchten. „Letztlich ist das immer eine Frage des Preises: Wenn die Deutsche Bank weniger haben will, wird sie auch einen Käufer finden“, betonte Becker.

Dass es in dem aktuellen Marktumfeld durchaus möglich sein kann, eine Bank zu verkaufen, zeigt das Beispiel der Münchener Privatbank Merck Finck, die an einen neuen Eigentümer aus Katar gehen soll. Die Muttergesellschaft KBL werde für 1,05 Milliarden Euro an eine luxemburgische Holding namens Precision Capital verkauft, hinter der ein nicht genannter Investor aus dem Golfstaat steht, teilte die belgische Holding KBC am Montag mit.

Die BHF-Bank war der Deutschen Bank mit dem Erwerb der Privatbank Sal. Oppenheim zugefallen. Seither sucht der Branchenprimus einen Käufer für das auf reiche Privatkunden spezialisierte Geldhaus, das nach Ansicht von Experten grundlegend restrukturiert werden muss. Die BaFin achtet bei ihren Prüfungen genau darauf, dass die BHF-Bank nach einem Verkauf keine Refinanzierungsprobleme bekommt.

Daher fordert sie einen finanzstarken Eigentümer. Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause hatte kürzlich bereits Skepsis anklingen lassen, was eine Genehmigung betrifft: „Das ist kein Selbstläufer“, sagte er. Am Montag lehnten alle Beteiligten eine Stellungnahme zum Stand der Verhandlungen ab. Auch die „Financial Times Deutschland“ berichtete von den Schwierigkeiten beim Verkauf der BHF-Bank.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Problem mit Investor RHJ: Der Deutschen Bank droht Desaster bei BHF-Verkauf"

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  • Die DEUTSCHE BANK schafft sich ab. Langsam, aber sicher. Die meisten Bankfilialen sind schon verschwunden. Die Filialen der freien Finanzvermittler , die unter der Marke DEUTSCHE BANK geführt werden, meide ich, denn dort wird man offensichtlich mit "hochprofitablen" Produkten über den Tisch gezogen.

  • Das hier sagt doch bereits alles http://newsbote.com/wirtschaft/eu-krise-druckt-deutschland-bereits-die-neue-d-mark/

  • @Moika. Das gilt aber für die Staaten ebenso. Auch die können sich nicht mehr aus dem Topf der Spekulationsgewinne zum Beispiel ihrer Landesbanken bedienen, gewissermaßen als zweite Steuerquelle. Für die Zukunft heißt das für alle, den Gürtel enger schnallen zu müssen.

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