Probleme bei der Wertpapier-Abwicklung HVB kämpft mit der IT

Die Probleme der Münchener HVB im IT-Bereich sind weitaus gravierender als bislang bekannt. Mehrere Insider sagten dem Handelsblatt, bei der Ausgliederung der Wertpapierabwicklung und -depotverwaltung an den französischen Spezialanbieter Caceis gebe es Probleme. Seit Ostern sei der Start des neuen Systems bereits mehrere Male verschoben worden.

FRANKFURT/MÜNCHEN. Nun wird versucht, das Projekt bis zum 4. Juli zum Laufen zu bringen. „Wenn das scheitert, könnte im schlimmsten Fall der Handel zum Erliegen kommen“, sagte ein Beteiligter. Damit wächst auch der Druck auf IT-Vorstand Heinz Laber.

Die zum italienischen Unicredit-Konzern gehörende HVB bestätigte, dass die finale Übertragung des Wertpapierabwicklungs- und Verwahrungsgeschäfts nun am 4. Juli über die Bühne gehen soll. „Uns geht es vor allem um eine reibungslose Umsetzung im Kontakt zu den Kunden“, sagte ein Sprecher der Unicredit-Tochter. Gemeinsam mit Caceis setze man alles daran, die Übertragung so fehlerfrei wie möglich zu gestalten. Caceis selbst bekräftigte die Äußerungen der HVB. Im Umfeld der Beteiligten hieß es, auch die späte Gesetzgebung zur Abgeltungsteuer habe zu der Verzögerung geführt.

Die Franzosen, die den beiden Großbanken Crédit Agricole und Natixis gehören, hatten vor genau zwei Jahren die Übernahme der HVB-Tochter Financial Markets Service Bank (FMSB) angekündigt. Die Transaktion umfasste nach früheren Angaben 800 000 Depots mit einem Volumen von 420 Mrd. Euro. Betroffen waren rund 600 Mitarbeiter an den Standorten München und Hamburg. Der HVB bescherte der Verkauf der Tochter einen Buchgewinn in dreistelliger Millionenhöhe.

Doch anstatt effizienter zu werden, droht die Auslagerung des hochtechnischen Bereichs zur Pleite zu werden. „Das läuft absolut nicht“, sagte ein HVB-Insider. Zuletzt seien beispielsweise Depotaufstellungen verspätet an die Kunden verschickt worden, was insbesondere größere Adressen verärgert habe. Noch weitaus größere Probleme drohten im Hinblick auf eigene Handelsaktivitäten.

Dabei ist es nicht die erste Panne im IT-Bereich. Bereits zu Monatsanfang war bekannt geworden, dass das Mammutprojekt zur kompletten Umstellung der bankinternen Computer-Plattform erneut verschoben wurde. Das System mit dem Namen Eurosig soll nun im Januar in Betrieb gehen – ein Zeitpunkt, der intern wegen der parallel laufenden Erstellung des Jahresabschlusses Skepsis hervorruft. „Zu diesem Zeitpunkt macht man so etwas eigentlich einfach nicht“, sagt ein Insider.

Ursprünglich war der Start für Herbst 2008 geplant, später aber dann auf Oktober 2009 verschoben worden. Mit Eurosig will Unicredit innerhalb der Gruppe die IT vereinheitlichen und so die Prozesse effizienter gestalten. In den Jahren 2008 bis 2010 werden konzernweit für Systemumstellungen rund 1,5 Mrd. Euro investiert.

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