Profitsprung und Kursabsturz Die Gier der Goldmänner rächt sich

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Traumergebnisse vorgelegt. Genutzt hat es nichts: Die Aktie stürzt an der Wall Street ab. Ausgerechnet im Handelsgeschäft musste Goldman sich der Bank of America geschlagen geben.
Update: 18.04.2017 - 17:39 Uhr 1 Kommentar
Die Investmentbank galt lange als „Cash Cow“. Jetzt enttäuscht sie die Investoren. Quelle: Reuters
Goldman-Sachs-Logo

Die Investmentbank galt lange als „Cash Cow“. Jetzt enttäuscht sie die Investoren.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEs klingt ungerecht: Um 80 Prozent ist der Gewinn der US-Großbank Goldman Sachs im ersten Quartal 2017 gestiegen auf 2,16 Milliarden Dollar. Und dennoch fiel der Aktienkurs um rund 3,6 Prozent. Der Fall zeigt, wie verwöhnt die Goldman-Investoren sind. Die Bank gilt als „Cash Cow“, stand viele Jahre für außerordentlich hohe Gewinne. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Anleger – die Enttäuschung fällt nun umso gravierender aus.

Grund für die Enttäuschung ist der Einbruch beim Handelsgeschäft – ein für Goldman im Vergleich zu anderen Banken besonders wichtiger Geschäftszweig. Ausgerechnet hier setzte die Bank offenkundig auf die falschen Pferde. Die Einnahmen sanken gegen den Branchentrend um zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar, speziell im Aktienhandel sogar um sechs Prozent. Auch im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen blieb Goldman Sachs hinter den Erwartungen der Analysten und Anleger zurück. Die Erträge blieben hier lediglich stabil. „Das geschäftliche Umfeld war gemischt“, erklärte Bankchef Lloyd Blankfein am Dienstag in New York die schwachen Werte. Unter anderem im Ölhandelsgeschäft sei die Volatilität gering gewesen, erklärten Goldman-Manager. Weniger Handelsaufträge führten zu geringeren Einnahmen.

Überzeugt hat das die Anleger nicht – schließlich haben Rivalen wie JPMorgan Chase, Citigroup oder die Bank of America deutliche Zuwächse im Handelsgeschäft verzeichnet. Sie sehen Goldmans Abhängigkeit von diesem Geschäftszweig nun umso kritischer. In den besten Jahren nahm Goldman mit dem Handel mehr als sechs Milliarden Dollar pro Quartal ein.

Vor allem das starke Investmentbanking rettete Goldman das Quartal. Gut entwickelte sich auch das Beratungsgeschäft etwa bei Fusionen und Übernahmen sowie das Kreditgeschäft mit Firmenkunden. Diese Felder gelten als stabiler als das Handelsgeschäft und sollen ausgebaut werden. Die konzernweiten Erträge – also die gesamten Einnahmen – stiegen um knapp 27 Prozent auf 8,0 Milliarden Dollar.

Während das Handelsgeschäft bei den Goldmännern schwächelte, lief es bei der Konkurrenz außergewöhnlich gut. Die Bank of America hat am Dienstag ebenfalls Zahlen vorgelegt: Im Handelsgeschäft verdiente sie vor Sonderposten vier Milliarden Dollar und damit 21 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das zweitgrößte US-Geldhaus münzte damit die jüngste Aktienmarktrallye sehr viel erfolgreicher in Einnahmen um als Goldman Sachs. Trumps Ankündigungen zu Steuersenkungen, Investitionsprogrammen und Finanzmarkt-Deregulierung haben an der Wall Street die Kurse auf neue Rekordstände getrieben.

Außerdem profitierte die Bank of America im vergangenen Quartal von höheren Zinsen der Notenbank Fed, die bessere Ergebnisse im Kreditgeschäft brachten. Für die Großbank ist dies besonders wichtig, weil sie über hohe Einlagen verfügt. Im Investmentbanking nahm das Institut Gebühren im Rekordwert von 1,6 Milliarden Dollar ein. Damit konnte das US-Geldhaus seinen Quartalsgewinn um 44 Prozent auf 4,35 Milliarden Dollar steigern. Die Gesamteinnahmen stiegen um sieben Prozent auf 22,25 Milliarden Dollar. „In der US-Wirtschaft strotzen Verbraucher und Firmen weiter vor Zuversicht, und unsere Resultate spiegeln das wider“, erklärte Bankchef Brian Moynihan. Der Kurs der Bank of America legte um rund ein Prozent zu.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
1 von 14

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
2 von 14

Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
3 von 14

Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
4 von 14

James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
5 von 14

Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
6 von 14

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
7 von 14

Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Vergangene Woche hatten bereits die US-Großbanken JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo ihre Bücher geöffnet. Während JP Morgan und Citigroup Gewinnsteigerungen vermelden konnten, musste Wells Fargo einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • feho
  • rtr
Startseite

1 Kommentar zu "Profitsprung und Kursabsturz: Die Gier der Goldmänner rächt sich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Eigentlich ein schlechtes Ergebnis, ich werde dafür sorgen, dass die Griechen mehr bezahlen. Irgendwer muß die Rendite für das Risiko von uns Investoren doch bezahlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%