Profumo-Rücktritt: Italiens Zentralbank setzt Unicredit unter Druck

Profumo-Rücktritt
Italiens Zentralbank setzt Unicredit unter Druck

Die italienische Zentralbank hat die von Unicredit Auskunft über die Aufgaben von Interimschef Dieter Rampl gefordert. Es geht vor allem um die Frage, wie weit sein Befugnisse bei der größten Bank des Landes gehen.
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HB MAILAND. Nach dem Wechsel an der UniCredit-Spitze will Interimschef Dieter Rampl das Ruder fest in der Hand behalten. Auch verstärkter politischer Druck bringe die größte italienische Bank nicht von ihrem Kurs ab, stellte der Verwaltungsratsvorsitzende den Investoren in Aussicht. „Wir sind und bleiben eine unabhängige Bank“, betonte Rampl im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagausgabe). An der grundlegenden Strategie der Bank werde sich nichts ändern. „Solange ich hier sitze, stehe ich dafür, Einflussnahme von der Bank fernzuhalten“, sagte Rampl, der einen Nachfolger für den nach 13 Jahre zurückgetretenen Konzernchef Alessandro Profumo finden soll. Die italienische Zentralbank forderte unterdessen Aufklärung über die neuen Aufgaben Rampls und die Abfindung für Profumo.

Profumos Abgang folgte auf massiven Druck von Stiftungen, die Großaktionäre der Unicredit sind. Ihr Führungspersonal wird oftmals direkt von Regionalpolitikern ernannt. Die Stiftungen fürchten eine zunehmende Macht von Großaktionär Libyen, der zuletzt seinen Anteil aufgestockt hatte. Für stärkeren politischen Einfluss legt sich insbesondere die rechtsgerichtete Partei Lega Nord ins Zeug, die der wichtigste Koalitionspartner von Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist. Lega-Nord-Chef Umberto Bossi hatte am Mittwoch vor dem italienischen Parlament die Stiftungen dazu aufgerufen, eine „Verteidigung“ gegen einen seiner Ansicht nach wachsenden deutschen Einfluss auf die Beine zu stellen. Neben Rampl, früher Chef der deutschen UniCredit-Tochter HVB, spielt auch die Allianz mit ihrer zweiprozentigen Beteiligung eine wichtige Rolle als Großaktionär.

Börsianer befürchten, dass Profumos Pläne zur Straffung des Italien-Geschäftes, die den Abbau von mehr als 4000 Stellen vorsehen, und zur internationalen Expansion von den Stiftungen nun durchkreuzt werden. Dem hielt Rampl entgegen, dass der Verwaltungsrat bis 2012 gewählt sei. „Vertreten sind da nicht nur die Sparkassenstiftungen, sondern auch Spitzenmanager aus dem Ausland, Industrielle als private italienische Aktionäre sowie unabhängige Fachleute“, erläuterte er. Zugleich strich Rampl die grenzüberschreitende Ausrichtung von UniCredit heraus: „Wir sind weder eine italienische noch eine deutsche, sondern eine internationale Bank.“

Zur Suche nach einem neuen Konzernchef gab sich Rampl bedeckt. „Dafür gibt es verschiedene mögliche interne und externe Kandidaten“, sagte der Manager. Dass er am Ende selbst auf Dauer die Geschicke der Bank lenken werde, schloss Rampl aus: „Ich habe nicht das geringste Interesse daran, Chief Executive dieser Bank zu werden.“

Der italienischen Zentralbank reicht diesbezüglich offensichtlich die reine Zusicherung Rampls nicht. Die Unicredit solle die neuen Aufgaben und Befugnisse des Verwaltungsratschefs erklären, der übergangsweise die Geschäftsführung übernommen habe, teilte die Bank von Italien mit. Der Verwaltungsratsvorsitzende dürfe bis auf zeitlich begrenzte Ausnahmesituationen keine geschäftsführenden Aufgaben und Managementfunktionen übernehmen. Zudem solle sich das Geldhaus zur Abfindung Profumos äußern. Zeitungsberichten zufolge erhält der 53-Jährige bis zu 40 Mio. Euro.

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