Protest gegen EZB-Geldpolitik
Die Ethikbank kündigt Streik an

Niedrige Zinsen und die strengen Regulierungsvorschriften machen gerade kleinen Banken das Leben schwer. Die Ethikbank will sich dagegen wehren - und bittet andere Genossenschaftsbanken um Unterstützung.

Eisenberg/FrankfurtDer Vorstandschef der Ethikbank, Klaus Euler, sieht Genossenschaftsbanken und Sparkassen am Rand der Belastungsgrenze und hat deswegen zu einem Streiktag aufgerufen. „Vor allem die anhaltende Niedrigzinssituation macht uns zu schaffen“, erklärte der Chef der Bank aus Eisenberg in Thüringen. Die wichtigste Einnahmequelle, die Zinsmarge, gehe stetig zurück und enge den Handlungsspielraum ein. Banken werden laut Euler dadurch gezwungen, risikoreichere Spekulationsgeschäfte einzugehen.

Darin sieht der Bank-Chef einen „deutlichen Wettbewerbsvorteil“ für große Geldhäuser, die in hohem Umfang spekulativ tätig sind. Ein weiteres Problem für kleinere Banken seien die zunehmenden regulatorischen Ansprüche, die an die Geldhäuser gestellt würden. Es sei „paradox“, dass ausgerechnet die risikoarm agierenden Kreditinstitute von Maßnahmen, die eigentlich die Folgen der Krisen vergangener Jahre bekämpfen und zukünftige Krisen verhindern sollen, „in ihrer Existenz bedroht werden“. Der bürokratische Aufwand bringe mittelständische Banken wie die Ethikbank „an den Rand der Belastungsgrenze“, erklärte Euler.

Auch die eigene Interessenvertretung attackierte Euler, der sowohl die Volksbank Eisenberg als auch deren Tochter Ethikbank führt: „Die Idee der Genossenschaftsbanken stirbt gerade und unsere Interessensvertretung, der Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken, schaut dabei zu.“ Nun will Euler mit seinen Mitarbeitern aus Protest im Frühjahr einen Tag schließen. Einen genauen Termin nannte er noch nicht. Er rief alle Genossenschaftsbanken und Sparkassen zum Schulterschluss auf.

Die Ethikbank ist als bundesweit aktive Direktbank auf alternative Geldanlagen spezialisiert und hat dafür strenge ethische und ökologische Anlagekriterien definiert, die im Internet einsehbar sind. Da es zwischen den Banken keinen Wettbewerb mehr über die Höhe von Zinsen gebe, schauten die Kunden stärker auf das Geschäftsmodell der einzelnen Banken, konstatierte Euler. Davon profitiere die Ethikbank. So seien die Einlagen im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf fast 215,7 Millionen Euro gestiegen. Das Kreditgeschäft wuchs um 36 Prozent auf 27,1 Millionen Euro.

Trotz der „schwierigen Rahmenbedingungen“ und dem Aufruf zum Protest zeigte sich Euler mit den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2015 zufrieden: Unter dem Strich stand demnach ein Bilanzgewinn von 89.000 Euro und damit ungefähr so viel wie im Jahr zuvor. Die Bilanzsumme der Bank wuchs um fünf Prozent auf 376 Millionen Euro. Das Einlagenvolumen stieg demnach um zwölf Prozent auf 346 Millionen Euro. Die Ethikbank ist eine von den wenigen Banken in Deutschland, die Kredite streng nach ökologischen und ethischen Kriterien vergeben. Daneben gibt es beispielsweise noch die Triodos Bank und die GLS Bank.

Agentur
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