Provision für Tipps Mehr als 10.000 Beamte helfen der Debeka

Der Versicherungskonzern Debeka unterhält im deutschen Beamtenapparat ein gewaltiges Netz von Tippgebern. Diese Vertrauensmitarbeiter kassieren Provision. Der Versicherer hält dies für anerkannt und transparent.
Update: 13.12.2013 - 17:03 Uhr 76 Kommentare
Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten. Quelle: dpa

Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Skandal um die traditionsreiche Debeka-Versicherung erreicht eine neue Dimension. Nach Recherchen des Handelsblatts unterhält das Koblenzer Unternehmen bundesweit ein Netz von mehr als zehntausend Beamten, die gegen Bezahlung bei der Vermittlung von Krankenversicherungen, Lebensversicherungen und anderen Debeka-Produkten helfen.

Über die Jahre sollen so weit mehr als 100 Millionen Euro von der Versicherung an Beamte geflossen sein. Diese Beamte würden intern „Vertrauensmitarbeiter“ (VM) genannt und Namen und Kontaktdaten vor allem solcher Kollegen vermitteln, die gerade ihren Dienst angetreten haben.

Dem Handelsblatt vorliegende Unterlagen zeigen, dass das VM-System bei Debeka seit vielen Jahren existiert. Die Vermittlung einer Krankenversicherung wird mit mindestens 150 Euro honoriert. Und entschließe sich der junge Kollege, bei Debeka eine Lebensversicherung zu unterzeichnen, könnten 600 Euro und mehr für den Vertrauensmitarbeiter herausspringen.

Die Interessenvertreter der Beamten sind alarmiert, seit das Handelsblatt Anfang November aufgedeckt hat, dass Staatsdiener persönliche Daten junger Kollegen an den Debeka-Vertrieb verkauften. „Es ist nicht schön für mich als Gewerkschaftschef, so etwas sagen zu müssen. Aber wenn es strafrechtliche Verstöße von Beamten gegeben hat, dann müssen die auch geahndet werden“, sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt. Er sieht das „gesamte Geschäftsmodell der Versicherung infrage gestellt“.

Anfang November hatten sich nach dem ersten Bericht des Handelsblatts über die Bestechung von Beamten durch Debeka-Mitarbeiter der Landesbeauftragte für Datenschutz Rheinpfalz-Pfalz und die Staatsanwaltschaft Koblenz eingeschaltet. Debeka ermittelt selbst und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Untersuchung der Vorgänge.

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76 Kommentare zu "Provision für Tipps: Mehr als 10.000 Beamte helfen der Debeka"

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  • Hier postet jemand unter dem Namen "ThorulfMueller", was ich nicht besonders witzig finde, weil mutmaßlich Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Es gibt nur einen Thorulf Müller, derKVProfi, und das bin ich. Es ist erschreckend, wenn jemand meinen Namen für seine Statements verwendet, vor allem wenn er dann noch Dinge schreibt, die meiner Meinung vollständig widersprechen.

    Thorulf Müller
    derKVProfi

  • In der Vergangenheit wurde gegen Beamte schon wegen Vorteilsannahme ermittelt, weil sie privat geschenkte Gutscheine von Freizeitparks eingelöst haben, die sie zuvor mit Schülern besucht hatten.

    Hier düfte es in der Summe um wesentlich höhere Schmiergeldbeträge gehen, die vom Versicherer für entsprechende behördeninterne Informationen gezahlt wurden.

    Ob in der Sache bald Sonderermittlungsgruppen und tonnenweise Disziplinarverfahren gibt, werden wir sehen.

  • Formulierung ist gut!

    Sie kennen aber auch den Spruch: "Die sind nach allen Seiten offen!"

    (Wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein!)

  • In der Versicherungsbranche werden Adressdaten immer gerne "gekauft". Sei es durch Empfehlungs-/Tipgeber oder einfach als Datensatz (siehe auch hier diverse Bannerwerbungen). Immer wieder werden Kunden angesprochen, "wen es denn noch interessieren könne...". Dafür gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung. Die 25 Euro der Debeka sind da sehr gering bemessen. Viel interesannter ist für mich die Frage nach der Anruferlaubnis und der Werbeeinwilligung. Egal was die Versicherer schreiben, interessieren tut es keinem, was ihre Mitarbeiter machen. Hauptsache die Umsatzzahlen passen. Beim Einreichen der Anträge wurde bestimmt jedem Mitarbeiter auf die Schultern geklopft. Das waren dann die großen Vorbilder für die, die sich an die Regeln gehalten haben.

  • So, ich habe mir diese Hexenjagd jetzt lange genug angesehen.

    Zeit, zurück zu schlagen!

    Ich habe ebenfalls einen elektronischen Briefkasten eröffnet, mit dem Ziel, dass Sie, liebe Leser, mir alle dunklen Geheimnisse und Machenschaften des Handelsblatt, insbesondere aber des Herrn Iwersen zukommen lassen können. Verschlüsselt wird zwar nix, aber ich garantiere ebenfalls für Ihre Anonymität.

    Lasst uns die unlauteren Methoden dieses Käseblatts veröffentlichen. Lasst uns auch im Dreck wühlen und jeden Pups hochpushen. Denn offenbar muss man sich ja heutzutage auf dieses niederträchtige Niveau begeben, um sich Gehör zu verschaffen.

    Werft alles in den Briefkasten, egal wie unbedeutend es (auf den ersten Blick) erscheint:
    erzaehlt.mir.alles@gmail.com

  • Na ja wer in der Materie Debeka ist und war wundert sich null über diesen Artikel.

    Hat sogar sehr lange gedauert den doch so konservativen Verein von der wahren Seite zu zeigen.

  • Hi,

    was mann vergisst ist das die gekauften Adressen ja auch weiter in der Unternehmensstruktur " verkauft" wurden.

    So wurden z.b im Kölner Bereich Azubis genötigt die namen von Anwärtern des Finanzamtes zu kaufen.

    BeiSchutzbefohlenen eine enorm schlimme art und weise.Sollte die IHK mal wissen !!!!

  • Liebes Handelsblatt,

    [...]

    Sicherlich ist das, was hier gerade bei der Debeka ans Licht kommt kein Glanzlicht, das Unternehmen wird es zu Recht ausbaden müssen. Am Ende stimmt der Kunde mit den Füßen ab.

    Aber: Durch Ihre Berichterstattung (u.a. Ergo, Göker, etc.) stellen Sie die gesamte Versicherungsbranche in ein schlechtes Licht.

    Am Ende auch diejenigen Vermittler, die seit Jahren ein blitzsauberes Geschäft betreiben und deren Kunden einfach zufrieden sind.

    [...]

    Der Stil Ihres Blattes war jedenfalls schonmal besser, in den o. g. Kommentaren wurden Sie mehrfach mit der BILD - Zeitung verglichen -tut Ihnen das nicht selbst weh?

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • So einseitig kann man das nicht sehen.

    Der Grund für das "Nimm" ist schließlich auch ein "Gib". Ob es ausschließlich die Daten von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern waren/sind, dass ist (noch) offen. Erfahrungsgemäß kommen Straftäter nicht nur einmal mit dem Gesetz in Konflikt.

    Gab es Tippgeber/Straftäter auch in den Finanzbehörden, Staatsanwaltschaften, in den Gerichten und in den Justizministerien?

    Wetten, dass ...!

    Dort dürfte nicht nur größtes Interesse an der Verschleppung, Verschleierung, der Verniedlichung bestehen. Unabhängige Prüfer, z.B. Wirtschaftsprüfer, sollten daher die unabhängige Aufklärung betreiben. Am besten von Prüfern, die selbst schon einmal von Behörden "gefilzt" wurden. Die brauchen und werden keine Rücksicht nehmen, werden brutalste möglich aufklären. Schließlich haben sie selbst "Staatsmacht" erfahren und wissen nun, wie man Druck zur Wahrheitsfindung aufbaut.

    Die Aufklärung dürfte sehr einfach sein. Es gibt Listen mit den Tippgebern im Hause der Debeka und es gibt Listen über die Versicherungsnehmern in den einzelnen Behörden. Der Abgleich ist einfach und schnell durchführbar. Es gilt nun zunächst zwei Punkte festzustellen:

    1. Welche Provisionen wurden an wen gezahlt?
    2. Wurden die Provisionen korrekt versteuert?

    Wahrscheinlich ist bisher nur die Spitze des Eisbergs sichtbar. Wichtig in der Aufarbeitung wird sein, dass die Vergehen in den Behörden nicht minder transparent als bei der Abarbeitung der "Steuer-CDs" erfolgt.

    Ohne Beteiligung der Presse werden Boden- zu Wandteppichen mutieren (weil zuviel unter den Teppich gekehrt würde und diese deshalb nicht mehr auf dem Boden liegen bleiben könnten). :-)

  • Liebes Handelsblatt, ich bin Profiseller bei 1und1, habe letztes Jahr Freunde bei Kabel Deutschland geworben und habe das Konto der ING-Diba weiterempfohlen. Für jede dieser Aktionen habe ich ohne schlechtes Gewissen ca. 50 € des jeweiligen Unternehmen eingesackt. Bin ich jetzt auch ein Teil eines Netzwerk der dunklen Seite? Meine Kollegen und Freunde haben mir schließlich dabei vertraut - und es nicht bereut.
    Das wort Handelsblatt assoziiert fälschlicherweise, dass ihr Ahnung von Wirtschaft und Handel habt und nicht auf aufgepuschten Sensationsmeldungen aufbaut.
    -------
    Handelsblatt von der Liste seriöser Berichterstattung gestrichen.

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