Prozess in Stendal
Der Wein der Sparkasse

Die Kreissparkasse Stendal streitet mir ihrem Ex-Chef um Schadensersatz und um die Zahlung von Altersbezügen. Und immer wieder dreht sich alles um einen Weinkeller – den sich die Sparkasse für 80.000 Euro leistete.
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Frankfurt, BerlinSeit Monaten schon geht es wieder und wieder um den Weinkeller. Der war ziemlich teuer, und nur wenige Mitarbeiter sollen überhaupt von seiner Existenz gewusst haben. Es ist der Weinkeller der Kreissparkasse Stendal (hier in Bildern), der für Schlagzeilen sorgt. Und mit ihm der Streit des Instituts mit seinem früheren Chef, Dieter Burmeister.

Die Sparkasse fordert Schadensersatz von Burmeister, der gut 20 Jahre an der Spitze des Geldhauses stand und 2012 in den Ruhestand ging. Burmeister wiederum wehrt sich auf juristischem Weg: Die Kreissparkasse Stendal zahlt ihm keine Altersbezüge. Er klagt dagegen – wie auch gegen die Kündigung eines Beratervertrags.

Den Weinkeller hat Elisabeth Nortmann, Richterin am Stendaler Landgericht, rund um den Schadensersatzprozess längst selbst in Augenschein genommen. Das war Ende März. „Rund 200 Weine und Sektflaschen lagern dort noch.

Leinwand und Beamer hängen an der Decke, ein Korkenzieher liegt griffbereit auf dem langen dunklen Tisch“, schrieb damals die Magdeburger „Volksstimme“. Fast 80.000 Euro soll er demnach gekostet haben. Wozu genau – das ist bisher nicht wirklich geklärt.

In dem Prozess geht es um Baumaßnahmen aus den Jahren 2009 bis 2012, die Burmeister, so der Vorwurf, nicht ausreichend kontrolliert habe. Burmeister wird zudem vorgeworfen, seine Dienstwagen zu häufig gewechselt zu haben, fünf sollen es binnen drei Jahren gewesen sein.

Auch die Vergabe riskanter Kredite steht im Raum. Zugleich ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Burmeisters Anwalt Gerold Zimmer war am Donnerstagnachmittag dazu nicht zu erreichen.

Zwar ist die Kreissparkasse aus Sachsen-Anhalt vergleichsweise klein. Sie rangierte zuletzt auf Platz 276 unter den 416 deutschen Sparkassen. Mit einer Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro und rund 300 Mitarbeitern. Dass der Fall trotzdem für so viel Aufmerksamkeit sorgt, hat vermutlich stark mit Weinkeller und Fuhrpark zu tun. Vor allem aber kratzt der Streit am eigentlich guten Image der Sparkassen.

Denn die Sparkassen sind aus der Finanzkrise als die „guten Banken“ herausgekommen. Während die Platzhirsche wie die Deutsche Bank enorme Strafen für die Sünden der Vergangenheit berappen mussten, gefielen sich die Sparkassen in der Rolle der bodenständigen Geldhäuser, skandalfrei, immer im Dienst des Kunden.

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