Prozess könnte bereits im Frühjahr beginnen: Parmalat: Deutsche Bank im Visier der Justiz

Prozess könnte bereits im Frühjahr beginnen
Parmalat: Deutsche Bank im Visier der Justiz

Im Zusammenhang mit dem betrügerischen Bankrott von Parmalat rücken italienische und internationale Finanzinstitutionen – darunter die Deutsche Bank – ins Visier der italienischen Justizbehörden. In den kommenden Tagen wird die Staatsanwaltschaft in Mailand offizielle Ermittlungen gegen mehrere leitende Mitarbeiter der Institute einleiten, die mit dem Lebensmittelkonzern in engen Geschäftsbeziehungen standen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Justizkreisen.

MAILAND. Die Banker werden verdächtigt, bereits lange vor dem Konkurs über den tatsächlichen Zustand des Milchriesen Bescheid gewusst zu haben. Die möglichen Vorwürfe reichen von Kursmanipulationen durch die Weitergabe falscher Informationen bis hin zur Beihilfe zum betrügerischen Bankrott.

Der italienische Lebensmittelkonzern meldete Ende vergangenen Jahres Insolvenz an, nachdem Milliardenlöcher in der Bilanz aufgetaucht waren. Seitdem sind elf Personen verhaftet worden, darunter Firmengründer Calisto Tanzi, zwei ehemalige Finanzchefs und zwei frühere externe Wirtschaftsprüfer.

Beobachter zeigen sich erstaunt über das rasche Vorgehen der Justizbehörden gegen die Banken. In der Regel dauert es bei Wirtschaftsdelikten in Italien Monate, bis formale Ermittlungen gegen Verdächtige eingeleitet werden. Nun rechnen Beobachter damit, dass ein Prozess bereits in diesem Frühling eingeleitet werden kann. Während sich bislang die Ermittlungen auf das Top-Management von Parmalat sowie die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche und Grant Thornton konzentrierten, werden sie nun auf zahlreiche Berater und Investmentbanker ausgedehnt.

Unter ihnen befinden sich den Informationen zufolge auch Massimo Armanini, leitender Investmentbanker der Deutschen Bank in Italien, sowie Mitarbeiter von Citigroup, Bank of America, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Capitalia, Nextra und der Banca Popolare di Lodi. Armanini war zwischen 1998 und 2000 Chef der Nordamerika-Aktivitäten von Parmalat und pflegte besonders enge Beziehungen zur Familie Tanzi. Aus Protokollen der Verhöre Tanzis sowie seiner Finanzchefs Fausto Tonna, Luciano De Soldato und Alberto Ferraris geht hervor, dass sich diese Beziehungen vor allem in der zweiten Jahreshälfte intensiviert haben.

So platzierte die Deutsche Bank im September die letzte Obligation des Lebensmittelkonzerns in Höhe von 350 Mill. Euro am Markt und kaufte im Oktober Anleihen im Nennwert von 130 Mill. Euro aus einer früheren Emission. Außerdem stockte die Bank ihre Beteiligung an Parmalat Ende November von 2,3 % auf 5,2 % auf; einen Tag vor dem Zusammenbruch des Milchimperiums reduzierte sie diesen Anteil wieder auf 1,6 %.

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