Prozess wegen Untreue HSH-Vorstände sollen saftige Geldbußen zahlen

Im Prozess gegen die Ex-Vorstände der HSH Nordbank fordert die Staatsanwaltschaft Geldbußen und Bewährungsstrafen für alle Angeklagten. Auch Ex-Chef Nonnenmacher soll für den „ungeheuerlichen“ Schaden aufkommen.
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Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Für den Topbanker fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 150.000 Euro. Quelle: dpa

Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Für den Topbanker fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 150.000 Euro.

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HamburgDie Bewertung der Führungsqualitäten des ehemaligen Vorstands der HSH-Nordbank fiel am Mittwochnachmittag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts vernichtend aus: „Nach Frühstücksdirektorenart“, ohne sich inhaltlich damit ausreichend zu befassen, hätten die sechs angeklagten Bankmanager eine Kreditvorlage „großzügig unterzeichnet“, die ihrem Institut einen Vermögensverlust von gut 50 Millionen Euro einbrachte, lautete das Fazit von Staatsanwalt Karsten Wegerich gegen Ende seines Plädoyers. Alle Vorstände hätten sich der Untreue in besonders schwerem Fall schuldig gemacht, beim damaligen Finanzvorstand Uwe Jens Nonnenmacher sowie Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich komme noch Bilanzfälschung hinzu.

Die Staatsanwaltschaft fordert zum Ende des seit gut zehn Monaten laufenden Verfahrens Gefängnisstrafen für die sechs Ex-Vorstände zwischen einem Jahr und neun Monaten und 10 Monaten, die gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 40.000 und 150.000 Euro zu Bewährung ausgesetzt werden. Das Urteil wird für Anfang Juli erwartet.

Die Ankläger sehen es nach 57 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass die ehemaligen Bankvorstände „grob pflichtwidrig“ gehandelt und ihre Handlungsspielräume erheblich überschritten haben. Denn bei der Entscheidung über das Kreditgeschäft mit der bankinternen Bezeichnung „Omega 55“ sei eine umfassende Informationsgrundlage von zentraler Bedeutung gewesen, um im Dezember 2007 bei der Entscheidung über die Kreditvorlage der Sorgfaltspflicht des Vorstands zu genügen. Dazu hätte die Geschäftsleitung alle verfügbaren Informationsquellen ausschöpfen müssen – eine bloße Plausibilitätsprüfung genüge nicht.

Dies gelte insbesondere für ein kompliziertes Überkreuzgeschäft wie „Omega 55“. Ziel der Transaktion war es, die Bilanz der Bank vor dem damals angestrebten Börsengang zu entlasten. Dazu wurden risikobehaftete Immobilienkredite in eine Zweckgesellschaft ausgelagert und bei der französischen Bank BNP Paribas gegen einen Ausfall versichert. Im Gegenzug musste die HSH Nordbank die Risiken eines Wertpapierportfolios von BNP Paribas übernehmen. Darin waren unter anderem isländische Anleihen und Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers enthalten, die im Zuge der Finanzkrise massiv an Wert verloren.

In der Anklageschrift war der daraus resultierende Vermögensschaden noch auf 158 Millionen Euro beziffert wurden. In ihrem Plädoyer schloss sich die Staatsanwaltschaft der Einschätzung eines vom Gericht bestellten Gutachters an, der den von den Vorständen zu verantwortenden Vermögensnachteil für die Bank auf 52,6 Millionen Euro bewertet hatte, da die Lehman-Pleite und der Niedergang der isländischen Banken in Folge der Finanzkrise nur für Insider voraussehbar gewesen seien. Es stelle sich aber dennoch die Frage, so Staatsanwalt Wegerich, warum Vorstände, die über derartige Geschäfte zu entscheiden hätten, nicht selbst Insider seien.

„Vielzahl von offensichtlichen Widersprüchen“
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11 Kommentare zu "Prozess wegen Untreue: HSH-Vorstände sollen saftige Geldbußen zahlen"

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  • Sie dachten gewiss an alle Entscheidungsträger und nicht ausschließlich an Vorstände und Geschäftsführer.

  • Wie kann eine Staatsanwaltschaft eine gesetzlich legalisierte falsche Bilanzierung strafrechtlich Herrn Dr. Nonnenmacher vorwerfen, wenn Lebensversicherer bei der Bewertung nach dem Anschaffungswertprinzip bilanzieren dürfen und sie gegenüber der Lebensversicherungskunden behaupten dürfen, ihn an den Bewertungsreserven teilhabenzulassen?

    Wir müssen sorgfältig unterscheiden zwischen " falsch und unzulässig" und "falsch und gesetzlich legalisiert".

    Wer sich mit bilanzieller Bewertung - und mit Bilanzierung in Finanzinstituten - in Deutschland beschäftigt, der erfährt sehr schnell, dass die gesetzlich erlaubte Bewertung nicht an der Sache sondern an lobbyistischen Verbänden ausgerichtet ist.

    In diesem Punkt ist die Anklage nicht gegen Herrn Dr. Nonnenmacher sondern gegen die "Penner" in den Parlamenten zu richten, die Unrecht zu Recht erklärten und erklären. Dort sitzen die eigentlichen Täter, insbesondere dann, wenn sie mangels Wissen alternativlos entscheiden.

  • Konfisziert diesem schmierigen Nonnenmacher sein gesamtes Vermögen!

    Kleiner Warnschuß für alle in den deutschen Vorständen und Geschäftsführungen, die sich nicht genügend Mühe bei der Arbeit geben, schlampig prüfen und milliardenschwere Fehlentscheidungen treffen!

  • Konfisziert diesem schmierigen Nonnenmacher sein gesamtes Vermögen!

    Kleiner Warnschuß für alle in den deutschen Vorständen und Geschäftsführungen, die sich nicht genügend Mühe bei der Arbeit geben, schlampig prüfen und milliardenschwere Fehlentscheidungen treffen!

  • Und wie es ausgehen wird?

    Pfeifen im Walde, wenn der zweifelsohne unvorbereitet wirkend sollende Knall beginnen sollte akkustische Dimensionen zu entwickeln.

  • Und Plüsch und Plumm dürften nochmal ganz besondere Freuden ins Haus stehen mit BNP.

  • BNP wird nochmal eine Extra Party werden vmtl.

  • Zitat Artikel: Es müsse daher angenommen werden, dass „die Mängel erkannt und bewusst ignoriert wurden" Ich würde mal sagen in diesem Fall waren bei der BNP die besseren Banker, zumindest haben diese besser gepockert, denn auch die von der HSH ausgelagerten Immobilienkredite enthielten Risiken. Die Finanzkrise begann im Sommer 2007. Deren Entwicklung war Ende 2007 noch nichtvoll absehbar, soll heißen es galt noch das Prinzip Hoffnung. Lehmann Brothers ging erst im September 2008 pleite.

  • Irgendwie wird mit Bankstern viel zu milde umgegangen. Die Strafgelder sind einfach lächerlich. Hier muß voll auf das Vermögen der handelnden Personen durchgegriffen werden.

  • Nunja: wer würde je auf die Idee kommen Middelhoff als Nonnenmacher zu bezeichnen: das käme nachgeradezu einer fast schon kategorialen Fehlbezeichnung gleich.

    Und sowas gilt es ja zu verhindern, wie Mehdorn weiß.

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