Prozessbetrug
Warum Deutsche-Bank-Chef Fitschen nicht zahlen will

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nach dem Kirch-Verfahren wegen versuchten Prozessbetruges gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen. Der könnte mit einem Bußgeld davonkommen, doch er will das Angebot nicht annehmen.
  • 1

FrankfurtZehn Jahre schwelte der Prozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank, Ende Februar kam es zur Einigung. Mit 925 Millionen Euro entschädigt die Bank die Erben des Medienmoguls Leo Kirch. Dennoch hat der Vorstand der Deutschen Bank weiter mit den Nachwehen des Prozesses zu kämpfen.

Weil Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen allzu einseitig im Kirch-Prozess ausgesagt hatte, ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen versuchten Prozessbetrugs. Gegen Zahlung eines Bußgeldes könnte er einem Prozess entgehen. Doch Fitschen will offenbar nicht zahlen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Verfahrenskreise.

Der Co-Chef der Deutschen Bank fürchtet um seine Reputation. Akzeptiert er den Bußgeldbescheid, könnte die Bankenaufsichtsbehörde Bafin seine Eignung anzweifeln. Denn das vorläufige Ergebnis der Ermittler wirft kein gutes Licht auf seine Führung: Er habe nicht manipulieren wollen, sei aber seinen Kontrollpflichten nicht in ausreichendem Maße nachgekommen und habe daher zur Täuschung der Justiz beigetragen – auch wenn kein Vorsatz vorliege.

Der Ausgang der Ermittlungen ist nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ allerdings noch völlig offen. Eine Anklage wäre genauso möglich wie die Einstellung des Verfahrens oder ein Bußgeldbescheid. Gegen letzteren müsste die Deutsche Bank dann allerdings in einer öffentlichen Verhandlung vorgehen.

Neben Fitschen sind auch der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer und weitere Ex-Manager im Visier der Staatsanwaltschaft. Im Schadenersatzprozess sollen sie die Justiz in die Irre geführt haben. Weil trotzdem immer mehr belastende Details publik wurden, hatte sich die Deutsche Bank am Ende auf den millionenschweren Vergleich eingelassen.

Kommentare zu " Prozessbetrug: Warum Deutsche-Bank-Chef Fitschen nicht zahlen will"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Welche Reputation hat Fitschen eigentlich noch zu verlieren, er hat keinerlei Reputation mehr; wer mit Breuer paktiert, hat ehedem schon verloren.

    Wenn Fitschen noch ein kleines Fünkchen an Ehrgefühl hat, tritt er sofort von seinem Amt zurück, bevor er zurückgetreten wird; er kann ja den Vorsitz irgend einer Stiftung übernehmen, ausgesorgt hat er doch sowieso.

    Das Ansehen der Deutsche Bank in der Welt kann mit solchen Vormännern nicht mehr weiter sinken, eine gänzlich neue unverbrauchte und visionäre Führung braucht die Bank; Abs würde sich im Grabe herumdrehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%