Prüfung der EZB
Stress mit Stresstests in Österreich

Die Volksbank ÖVAG könnte bei der Prüfung der Europäischen Zentralbank durchfallen. Nach Vorschlag des Verbandspräsidenten sollten dann die Eigentümer in die Pflicht genommen werden. Die Regierung lehnt weitere Hilfen ab.
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WienBevor die Bad Bank für die notverstaatlichte Hypo Alpe Adria an den Start geht, muss der österreichischen Finanzsektor weitere Probleme lösen. Die ebenfalls notverstaatliche Kommunalkredit soll teilweise verkauft werden. Interessenten könnten sich bis 10. September bei der staatlichen Eigentümerin Fimbag melden.

Österreich wollte den Gemeindefinanzierer auf Druck der EU-Kommission eigentlich schon Mitte vergangenen Jahres verkauft haben. Doch die Transaktion scheiterte daran, dass es im Markt keine Käufer gab. Im ersten Halbjahr erzielte die Kommunalkredit einen Gewinn von 8,4 Millionen Euro.

Derzeit wächst die Nervosität in Wien wegen des bevorstehenden Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB). Bevor die Frankfurter Zentralbank die Aufsicht über die europäischen Banken übernimmt, wird die EZB die Bilanzen der Geldhäuser nochmals penibel durchforsten. Insbesondere die teilstaatlichen Österreichischen Volksbanken (ÖVAG) gelten in der Wiener Finanzbrand seit langem als Sorgenkind. Die ÖVAG hatte sich mit einer massiven Expansion verhoben und musste im Zuge der Finanzkrise mehrfach vom Staat gerettet werden. Bislang hat die Bank inklusive Garantien 1,35 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Der österreichische Staat ist an der ÖVAG mit 43,3 Prozent beteiligt. Die Mehrheit hält die Volksbanken Holding eGen.

Die ÖVAG will auf Anfrage zum Ausgang des Bilanztests derzeit keine Stellung nehmen. Die Österreichische Nationalbank hat sich bislang nicht geläußert, ob und wie viel Geld der Bank fehlen könnte. „Die Österreichische Nationalbank hat nie eine Zahl bestätigt“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Die Ratingagentur Moody's hat vor kurzem die Bewertung der ÖVAG um zwei Stufen auf Ba3 herabgesetzt. Für eine bessere Bonität verlangt Moody's eine Rekapitalisierung der Bank und eine Eliminierung der Risiken.

Unterdessen machte der in Branche hoch angesehene Präsident des österreichischen Bankenverbandes und Vorstandschef der Bank Austria, Willibald Cernko, einen Vorschlag. „Bei einem Nichtbestehen des Stresstests müssen die Eigentümer der jeweiligen Bank verpflichtet werden. Das ist ein Lackmustest für die gesamte Branche", sagte Cernko dem Handelsblatt zur Kapitalschwäche der ÖVAG.

Cernkos Vorschlag ist ein Novum. Denn damit würden zum ersten Mal für die Rettung der Volksbank die Mitglieder der Genossenschaftsbank selbst zur Kasse gebeten. Die österreichische Regierung hat bereits klargemacht, dass sie angesichts der Kosten für die Abwicklung der verstaatlichten Krisenbank Hypo Alpe Adria kein weiteres Steuergeld mehr für die Rettung von Banken zur Verfügung stellen werde.

Die Bank Austria sieht im Gegensatz zu anderen österreichischen Instituten den Stresstest durch die EZB gelassen – mit einer Bedingung: „Voraussetzung ist, dass alle Marktteilnehmer transparent und fair behandelt werden“, sagte Cernko. Das ist für manche im österreichischen Markt eine offene Frage. Im Finanzministerium wird befürchtet, dass Österreichs Banken überproportional leiden werden, wenn in den Tests eine Verschlechterung der Konjunktur in Osteuropa simuliert wird. Hinter vorgehaltener Hand wird auch Kritik an der Österreichischen Nationalbank geübt, die offenbar diese Gefahr bei der Entwicklung der Methodologie nicht frühzeitig genug erkannt hat.

Die Österreichische Nationalbank bestätigte, dass der Stresstest mit einem nunmehr dreijährigen Zeithorizont „insgesamt strenger ausgefallen“ sei. Eine Sprecherin der EZB in Frankfurt betonte, dass nationale Unterschiede beim Stresstest „eingerechnet“ wurden. In der zweiten Oktoberhälfte sollen die Ergebnisse der EZB-Prüfung vorliegen. Die getestete Bank wie Bank Austria, Erste Bank, Raiffeisen oder ÖVAG, müssen allerdings nicht so lange warten. „Den Banken wird vorher in Aufsichtsgesprächen signalisiert, in welche Richtung die gesamte umfangreiche Bewertung läuft“, sagte eine EZB-Sprecherin auf Anfrage.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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