PWC-Studie und Exec
Banken stürzen sich auf Fintechs

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Preis für N26

Publikumspreisgewinner in der Kategorie „Later Stage“, also einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase, ist die Berliner Smartphone-Bank N26. Deren Chef Valentin Stalf hatte kürzlich erst verkündet, dass seine Bank täglich mehr als 1000 neue Kunden gewinne und dadurch bis Jahresende 800.000 Kunden haben könnte. N26 gehört zu den wenigen Fintechs, die Banken unmittelbar Kunden wegnehmen und nicht mit den Etablierten kooperieren.

Neben den Publikumspreisen wurden auch zwei Jurypreise von Payment and Banking vergeben. Dafür hatte eine Jury aus zehn Personen 75 nominierte Start-ups bewertet. Gewinner in der Kategorie „Early Stage“ ist Kontist, eine Banking-Lösung für Selbstständige, die Transaktionen automatisch kategorisiert und anzeigt, wie viel Geld für die Umsatz- und Einkommensteuer zurückgelegt werden muss. Auch der „Later Stage“-Publikumspreis ging an ein B2B-Fintech: Den Hamburger Bankdienstleister Figo, der unter anderem intelligente Schnittstellen für den Zugriff auf Kontodaten anbietet. Figo-Chef André Bajorat ist selbst Mitglied des Payment and Banking-Teams, hatte in der Jury aber kein Stimmrecht.

Besonders heiß wurde auf der diesjährigen Exec auch das Thema künstliche Intelligenz diskutiert. Laut PWC ist das ein Bereich, dem sich Investoren verstärkt widmen. Demnach wurde in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund eine Milliarde Dollar in Fintechs investiert, die sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert haben. Beliebt sind daneben auch Anwendungsversuche der Blockchain-Technologie, 2016 gab es hierfür 450 Millionen Dollar. Noch müssten sich aber wenige Arbeitnehmer Sorgen machen, dass sie durch eine künstliche Intelligenz ersetzt würden, meinte Christoph Auer-Welsbach, Partner bei IBM Ventures. Die Technologie befinde sich noch in den Anfängen. Als naheliegende Anwendungsfälle nannte er Betrugsbekämpfung und Hilfe bei der Individualisierung von Produkten für den Kunden.

Doch längt nicht alles, was schon möglich ist, wird auch in die Tat umgesetzt. So verwies etwa Stefan Klestil, Partner von Speedinvest, darauf, dass es für Baken die Kontoabbuchungen ihrer Kunden analysieren und passgenaue Angebote etwa für Versicherungen liefern könnten. Das werde aber noch nicht gemacht.

Die Zurückhaltung der Banken führe aber auch zu seltsamen Phänomenen. So würden Fintechs die Kontodaten ihrer Kunden bei der Kreditvergabe sehr viel besser nutzen als Banken, die direkten Zugriff auf die Informationen haben könnten. Solche Beispiele sind es, an denen sich zeigt, dass Banken tatsächlich viel von Fintechs lernen können – und das nicht nur im Rahmen von formalen Kooperationen.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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