Quartalsbericht
Morgan Stanley erleidet Milliardenverlust

Nicht alle US-Banken schwimmen im Geld: Morgan Stanley erleidet im dritten Quartal einen empfindlichen Nettoverlust. Dennoch übertrifft die Bank die Erwartungen. Zudem zahlt das Institut seinen Mitarbeitern weniger Geld.
  • 2

New YorkDie US-Großbank Morgan Stanley fuhr im dritten Quartal einen Verlust von einer Milliarde Dollar ein. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum erzielte die Investmentbank noch einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Der Umsatz schrumpfte in den drei Monaten von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 9,8 auf 5,3 Milliarden Dollar.

Bereinigt um Abschreibungen auf Schuldbewertungen kletterte aber der Umsatz auf 7,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr bezifferte sich der bereinigte Umsatz nur auf 6,4 Milliarden Dollar. Um die Abschreibungen bereinigt stand ein Gewinn von 561 Millionen Dollar, verglichen zu 64 Millionen Dollar im Vorjahr.

Mit dem bereinigten Ergebnis übertraf Morgan-Stanley-Chef James Gorman die Erwartungen der Analysten. Besonders das Geschäft mit Anleihen erwies sich als Gewinnbringer. Das Ziel von Gorman ist aber, das Gewicht des Anleihehandels zurückzufahren, da dieser hohen Kapitalanforderungen unterliegt. In einer ersten Marktreaktion zeigten sich die Anleger mit der Bilanz zufrieden: Die Aktie legte vorbörslich 1,2 Prozent zu. Andere Institute legten aber deutlich bessere Quartalszahlen vor. JP Morgan verdiente etwa wieder so viel wie vor der Finanzkrise. Auch Goldman Sachs präsentierte einen überraschend starken Gewinn.

Außerdem kappt Gorman die Gehälter seiner Mitarbeiter um neun Prozent. In den ersten neun Monaten des Jahres stehen den Investment-Bankern 5,2 Milliarden Dollar zu. Der Morgan-Stanley-Chef hatte kürzlich für Aufsehen gesorgt, indem er Kritikern von zu hohen Banker-Boni Recht gegeben hatte. Die Bezahlung in der Branche sei immer noch zu hoch, sagte Morgan-Stanley-Chef James Gorman der „Financial Times“. Es gebe zudem trotz der jüngsten Sparrunden weiterhin zu viele Investmentbanker. Für sein Haus stellte er weitere Kürzungen in Aussicht: Die Kosten stünden ungeachtet der jüngst verhängten Maßnahmen weiter auf dem Prüfstand.

Die Investmentbank hatte erst in den vergangenen Monaten den Abbau von 4000 oder sieben Prozent der Stellen angekündigt. Ob weitere Arbeitsplätze zur Disposition stehen, ließ Gorman offen. Die Bezahlung der Banker stehe auf jeden Fall zur Debatte. Gorman hat bereits 2010 und 2011 – den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit – den Anteil der Gehälter an den Erträgen deutlich gesenkt.

Die Angestellten hatten in den beiden Jahren jeweils nur noch rund 50 Prozent der Einnahmen erhalten. 2009 waren es noch 62 Prozent. Allerdings zogen 2010 und 2011 auch die Erträge an. Gorman will die Quote offenbar weiter zurückfahren und damit die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. In der Branche sei es üblich gewesen, den Gehaltsanteil bei sinkenden Erträgen hochzufahren.

Bei steigenden Einnahmen sei der Anteil dagegen stabil geblieben, so dass die Gehälter unabhängig von der Branchenentwicklung nie gesunken und meistens gestiegen sind. „Es war ein klassisches Wall-Street-Argument, frei nach dem Motto "Bei Kopf gewinne ich, bei Zahl verlierst Du"“, sagte Gorman.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Quartalsbericht: Morgan Stanley erleidet Milliardenverlust"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%