Quartalsbilanz: Citigroup enttäuscht die Erwartungen

Quartalsbilanz
Citigroup enttäuscht die Erwartungen

Die drittgrößte US-Bank Citigroup hat im Schlussquartal einen Gewinn knapp unter dem Vorjahresniveau erzielt. Der Branchendritte hat die Erwartungen nicht nur in dieser Hinsicht verfehlt.
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DüsseldorfCitigroup hat im vierten Quartal 2011 weniger Gewinn eingebüßt als die Vorzeigebank JP Morgan. Er verringerte sich um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro), wie das Geldhaus am Dienstag mitteilte. Je Aktie belief sich das Ergebnis auf 0,38 Dollar nach 0,43 Dollar vor einem Jahr. Damit verfehlte das Kreditinstitut die Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt mit 0,49 Dollar gerechnet hatten.

Das einst so profitable Investmentbanking schrieb angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen sogar rote Zahlen, während sich das Privatkundengeschäft als Stütze erwies.

Die Einnahmen sanken um zwölf Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar und lagen damit ebenfalls unter den Markterwartungen von 18,54 Milliarden Dollar. Im Handelsgeschäft brachen die Einnahmen wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten im Zuge der europäischen Schuldenkrise um 29 Prozent ein.

Der Jahresgewinn stieg aber um sechs Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Als vorteilhaft erwies sich unter anderem, dass die Eigenheim-Besitzer ihre Kreditraten wieder zuverlässiger zahlen, seitdem die Wirtschaft in den USA angesprungen ist und mehr Menschen Arbeit finden.

„Zusammengefasst haben wir solide Fortschritte gemacht 2011“, sagte Bankchef Vikram Pandit am Firmensitz in New York. Er hatte die Citigroup nach ihrem Beinahe-Kollaps in der Finanzkrise 2008 neu sortiert und im Wesentlichen auf das klassische Bankgeschäft zurechtgestutzt. Mit dem Abschneiden zum Jahresende enttäuschte er allerdings die Erwartungen der Analysten. Die Aktie fiel vorbörslich um drei Prozent.

Branchenführer JP Morgan hatte am Freitag trotz eines herben Gewinneinbruchs Hoffnungen auf eine gute Entwicklung im laufenden Jahr geweckt.

Am Donnerstag legt die Nummer zwei, Bank of America, ihre Zahlen vor. Sie leidet noch stark unter den Nachwehen der Finanzkrise und ist in unzählige teure Rechtsstreitigkeiten verheddert. Mit Spannung erwarten Analysten Antworten auf die Frage, wie das Management damit umgehen wird. Die Aktie des Instituts legte seit Jahresbeginn dennoch um 22 Prozent zu. „Banken werden eine große Rolle spielen, besonders im Hinblick auf Europa“, sagte Hank Herrmann von Waddell & Reed Financial.

Während die Geschäftsbanken sich gegen das raue Kapitalmarktklima noch halbwegs schützen können, weil sie ihre Verluste teilweise kompensieren können, trifft es die Investmentbanken Goldman Sachs, die morgen Geschäftszahlen vorlegt, und Morgan Stanley (Geschäftszahlen am Donnerstag) hart. Sie werden den Prognosen zufolge im Gesamtjahr über 50 Prozent an Gewinn einbüßen, wie die von Bloomberg befragten Analysten vorhersagen.

Alle Banken reagierten mit Sparmaßnahmen auf die Lage. Sie kündigten die Streichung von über 60.000 Stellen an, wie die Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas ermittelt hat. Gleichzeitig sinken Boni und Gehälter. Die Gesamtbezahlung dürfte 2011 um 27 bis 30 Prozent geringer ausfallen und damit auf den niedrigsten Stand seit 2008 fallen, wie die Personalberatung Options Group ermittelt hat. Die Boni werden demnach um bis zu 40 Prozent geringer sein.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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