Quartalsbilanz

Rekordziel der Deutschen Bank wackelt

Zehn Milliarden Euro Gewinn will Konzernchef Ackermann in diesem Jahr schaffen - so viel wie noch nie. Die Schuldenkrise in Europa macht Deutschlands größtem Geldhaus aber zu schaffen.
Update: 26.07.2011 - 09:32 Uhr 16 Kommentare
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Quelle: dapd

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

(Foto: dapd)

FrankfurtDie Deutsche Bank bereitet die Märkte darauf vor, dass sie ihr ehrgeiziges Gewinnziel für das laufende Jahr verpassen könnte. Institutschef Josef Ackermann versicherte bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das zweite Quartal zwar, das geplante Vorsteuerergebnis von zehn Milliarden Euro sei "nach wie vor in Sichtweite". Allerdings seien die Rahmenbedingungen schwieriger geworden, die Prognose für den wichtigsten Ertragsbringer, das Investment-Banking, könnte daher "nur schwer zu erfüllen sein". Der Aktienkurs legte zum Handelsstart dennoch mehr als ein Prozent zu.

„Vieles hängt von einer reibungslosen und nachhaltigen Lösung der europäischen Schuldenkrise ab“, warnte Ackermann im am Dienstag veröffentlichten Quartalsbericht an die Aktionäre. „Eine weitere Voraussetzung ist ein deutlich verbessertes operatives Geschäftsumfeld in der zweiten Jahreshälfte 2011.“ In den ersten sechs Monaten verdiente das größte deutsche Geldhaus vor Steuern 5,5 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der angestrebten Summe.

Im zweiten Quartal hat die Bank ihren Gewinn zwar gesteigert, die Erwartungen der Märkte aber nicht erfüllt. Das Kreditinstitut verdiente zwischen April und Juni vor Steuern 1,8 Milliarden Euro, 254 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr. Unter dem Strich stieg der Überschuss um drei Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Analysten hatten mit jeweils noch etwas stärkeren Anstiegen gerechnet. Die Erträge legten um fast ein Fünftel zu, verpassten aber mit 8,5 Milliarden Euro ebenfalls die Schätzungen der Experten, die 8,8 Milliarden Euro erwartet hatten.

Im zweiten Quartal glänzte vor allem das Privatkundengeschäft, das Ackermann durch die Übernahme der Postbank im vergangenen Jahr stark ausgebaut hatte. Für das zweite Quartal wies das Institut im Geschäft mit Privatkunden und in der Vermögensverwaltung (PCAM) einen Vorsteuergewinn von 684 Millionen Euro aus. Das war mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Das Investment-Banking bekam nach Angaben des Instituts die Folgen der Schuldenkrise in Europa zu spüren. Der Gewinn der Sparte stieg trotz sinkender Erträge im Aktienhandel im zweiten Quartal um ein Viertel auf fast eine Milliarde Euro.

Zudem teilte das Institut mit, 155 Millionen Euro auf die griechischen Staatsanleihen in seinen Büchern abgeschrieben zu haben. Darin sind allerdings noch nicht die Auswirkungen des in der vergangenen Woche beschlossenen Rettungspakets enthalten, erklärte ein Sprecher bei der Zahlenvorlage. Die genauen Folgen einer freiwilligen Beteiligung an den Hilfen werde noch geprüft, heißt es im Quartalsbericht.

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16 Kommentare zu "Quartalsbilanz: Rekordziel der Deutschen Bank wackelt"

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  • 100% Zustimmung !

    Der Schattenkanzler Ackermann hat die ganze
    Merkel- Regierung im Griff u. besonders Merkel selbst .

    Die DB ( Ackermann ) ist hier ganz diplomatisch
    vorgegangenn u hat angeblich eine weiße Weste .

    Ackermann der Trickser im negativen Sinn!!

  • Ist der Gewinn nach Steuern um drei Prozent gestiegen oder doppelt so stark, und zwar um knapp 6%?
    Laut Zwischenbericht Seite 47 hat die Deutsche im Q2 2011 1,233 Mrd. € nSt. verdient und im Q2 2010 1,166 Mrd. €.
    Das wären +5,746% bzw. 67 Mio. €.
    Die 3% ergibt sich lediglich, wenn man die exakte Vorjahreszahl auf die nach unten gerundeten Größe (1,2 Mrd. €) bezieht.
    Grüße
    tb

  • @huensche

    Sorry, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass sich jeder seine Option selbst heraussuchen kann.

    Wer von außen Druck machen möchte, der unterhält halt keine Konten zur Deutschen Bank. Wer von innen Änderungen erreichen will, der muss sich dann halt eine Aktie kaufen.

    Das die Deutsche Bank sicher durch die Krise gekommen ist, kann man so sagen, ja. Man könnte aber auch fragen, wer den Landesbanken und der HRE die ganzen ABS-Papiere aus den USA verkauft hat. Die USA untersuchen ja das Verhalten von MortgageIT (Tochter der Deutschen Bank) gerade, leider scheut man sich in Deutschland davor, die Rolle der Deutschen Bank im Vorwege der Krise zu untersuchen.

    Also so schuldlos sind sie nicht an der Krise :)

  • Da verleiht eine Bank Geld und kassiert Zinsen dafür, dass sie das Geld zur Verfügung stellt. Voll normal. Im Fall von Griechenland kassiert die Bank einen Risikoaufschlag, weil man kann ja nie wissen. Auch, voll normal.
    Und nun: Griechenland zahlt nicht. Dumm gelaufen für die Bank. Voll norma ... Denkste!
    Ackermann und seine Kumpels finden das Spiel jetzt nämlich echt richtig doof und beschweren sich bei Onkel Juncker: Sag der Tante Merkel mal, dass sie echt richtig doof ist und sowieso an allem schuld.
    Ja, nee, Tante Merkel hat's dann auch gleich eingesehen. Voll normal.

  • Bitte erklären Sie Ihre These mal etws genauer.
    Wie meinen Sie das mit antizyklischem Verhalten und welche Steuerung meinen Sie?

    Antizyklisches Verhalte ist: Aktien gehen in den Keller und wir kaufen diese Aktien. So geschen bei der HRE.
    Und, nur am Rande, manchmal erleichtert das richtige Setzen eines Kommas das Lesen ungemein.

  • Substantielles? Bitteschön!
    These:
    Wenn, wie hier, eine Bank nicht nur staatstragende, sondern auch partiell staatsführende Aufgaben übernimmt, so kann nur durch antizyklisches Verhalten geprägt von der Steuerung auch der Erhalt des Staates bewirkt werden.
    Antithese?

  • Die Deutsche Bank brauchte keinen Cent Staatsbürgschaft!

    Vergessen Sie das bitte nciht!

  • Hallo Roemi,

    Ihre 2 Vorschläge sind sehr widersprüchlich ;-)

    Wenn Sie Aktien der Deutschen Bank kaufen, dann unterhalten Sie eine Geschäftsbeziehung zur Bank! Sie sind dann Eigenkapitalgeber!! Und als solcher ist es Ihr Wille, dass Sie Erträge erzielen. Gewinnmaximierug ist vielleicht nicht mehr das angesehenste soziale Wertekonzept es ist aber das ökonomischste! Jeder der einen Betrieb aufmacht, macht das nciht um den schlechtestmöglichen Umsatz/Gewinn zu erzielen, sondern den Besten! Sicherlich, kann man sagen, wenn man groß genug ist, dann stört es nicht, wenn eine Million mehr oder weniger verdient wird, aber bedenken Sie, dass die Deutsche Bank das stabilste Geldhaus Deutschlands ist und in der Krise keinen Cent Staatshilfe brauchte und im Gegenteil noch andere Banken aufkaufen konnte und deren Beschäftigte vor der Arbeitslosigkeit retten konnte. Der normale Durchschnittsidiot wird jetzt denken, dass die "Bankster" genug verdient haben und es nicht schadet wenn die auf der Straße stehen, aber es gibt auch andere Menschen! Der normale Angestellte am Schalter oder in der Verwaltung, der Hausmeister oder das Reinigungspersonal,... Sie alle wären betroffen.

  • Ist im Netz wieder Krieg der Kommentatoren !

    Benehmen Sie sich wie zivilisierte Menschen !

    Es ist eine Schande !!!

  • Wie heißt es so schön in der Überschrift:

    "Wir freuen uns über konstruktive Kommentare"

    @Anderton, Norbert und KarlM: Wann kommt denn der konstruktive Teil?

    Auch ich mag die Geschäftspraktiken der Deutschen Bank nicht. Gewinnmaximierung sollte meiner Meinung nach keinen Platz mehr in unseren Wertekonzepten haben.

    Aber es gibt 2 einfache Dinge, die ich als Einzelner tun kann:

    1. Keine Geschäftsbeziehung mit der Deutschen Bank oder einem ihrer Tochterunternehmen (z.B. Postbank) eingehen.

    2. Aktien der Deutsche Bank kaufen, auf die Hauptversammlung gehen und eine Änderung der Konzernphilosophie/-strategie fordern.

    Hier hohle Phrasen als Kommentar ist jedenfalls keine Lösung. Aber Trolle gibt es im Internet ja leider reichlich.

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