Quartalsgewinn der Deutschen Bank
Allenfalls eine Atempause

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bank kann positiv überraschen. Ein genauerer Blick zeigt: Die Bank macht Gewinne in Bereichen, in denen Kürzungen anstehen – und verdient in stabileren Geschäftsfeldern weniger.
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FrankfurtNach einer ganzen Serie negativer Meldungen hat das größte Kreditinstitut im dritten Quartal mit einem Gewinn aufgetrumpft. Damit hatten die wenigsten Finanzprofis gerechnet, Analysten hatten im Durchschnitt einen Verlust von 600 Millionen Euro erwartet. Auch die dünne Kapitaldecke konnte die Bank ein wenig stärken. Das dürfte Balsam für die gebeutelten Aktionäre und die tief verunsicherten Mitarbeiter sein.

Mehr als eine willkommene Atempause ist der dritte Quartalsbericht jedoch nicht. Ein genauerer Blick in das Zahlenwerk zeigt: Die Bank verdankte es in erster Linie einem guten Ergebnis im Anleihehandel, also genau dem Bereich, der durch strengere regulatorische Vorschriften eher unattraktiver wird und in dem die Deutsche Bank weitere Kürzungen prüft. Dagegen hat die Bank mit stabileren Geschäftsfeldern wie dem Transaction Banking und dem Asset Management – rechnet man den Beitrag des verkauften Versicherers Abbey Life heraus – weniger verdient.

Wie ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Deutsche Bank aussehen könnte, ist mit Vorlage der Quartalszahlen jedenfalls nicht beantwortet. Die Frage nach der künftigen Strategie bleibt damit die Gretchenfrage für das Geldhaus. Nur lässt sich diese Frage bis auf weiteres kaum beantworten: Bevor die Deutsche Bank nicht ihre wichtigsten Rechtsrisiken mit den Behörden beigelegt hat, wird sie sich kaum dazu äußern.

Doch bis das geschieht, könnte es noch dauern. Es gilt als zunehmend unwahrscheinlich, dass die Bank den Streit mit den US-Behörden um fragwürdige Hypothekengeschäfte noch vor der Präsidentschaftswahl am 8. November beilegen kann. Und das ist eine extrem schlechte Nachricht. Denn seit im September die Anfangsforderung des Justizministeriums von 14 Milliarden Dollar durchgestochen wurde, schlägt der Deutschen Bank unverhohlenes Misstrauen seitens ihrer Aktionäre, ihrer Kreditgeber und sogar ihrer Kunden entgegen.

Zwar dürfte die endgültige Strafsumme deutlich unter diesem Anfangsbetrag liegen, doch bis dahin steht diese Zahl erst einmal im Raum. Und da die Bank eine Summe in dieser Höhe nicht zahlen könnte, jedenfalls nicht ohne eine kräftige Kapitalspritze, musste sich die Bank sogar gegen Gerüchte wehren, der Staat müsse sie demnächst retten.

Was das bedeutet, hat die Bank in ungewohnter Deutlichkeit in ihrem Quartalsbericht geschildert: Spät im dritten und auch noch zu Beginn des vierten Quartals litt das Institut unter einem Rückgang des Geschäftsvolumens und dem Abfluss von Vermögenswerten, sowohl was die Kapitalmarktsparte anbelangt als auch das Wealth Management.

Zwar hat dieser Trend mittlerweile nachgelassen und sich teilweise sogar wieder umgedreht. Doch bis zu einer Einigung mit dem US-Justizministerium bleiben hohe Geldbußen das Damoklesschwert, das über der Bank schwebt. Wie leicht Misstrauen wieder aufleben kann, zeigte gerade erst ein Bericht der „Financial Times“: Danach hat die Bank of England große britische Banken aufgefordert, ihr Engagement bei der Deutschen Bank und bei den größten italienischen Instituten einschließlich der Krisenbank Monte Paschi detailliert offenzulegen.

Damit haben die englischen Bankenaufseher die Deutsche Bank quasi als tendenziell riskantes Engagement abgestempelt. Kein Wunder, dass Vorstandschef John Cryan die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten gegenüber Analysten erneut als „Top-Priorität“ bezeichnete. Bevor das nicht erledigt ist, bleibt die Zukunft der Deutschen Bank eine Black Box.

Kommentare zu " Quartalsgewinn der Deutschen Bank: Allenfalls eine Atempause"

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  • Helmut,

    Offebach ist noch besser....

  • Man(n) sollte den täglichen Polizeireport mal eine Zeit verfolgen, sich mal ein paar Bilder ansehen.

    Wer es noch mehr 'live' und nicht 'digital' erleben will, geht halt mal hin und guckt vor Ort am "Kotti" wie Deutschland die Großstädte jetzt und in Zukunft funktionieren werden.

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