Quartalsgewinn
UBS trotzt dem Händlerskandal

So etwas nennt man Kurspflege zur richtigen Zeit: Die UBS unternimmt den Großversuch, ihre Anleger zu beruhigen. Trotz der Milliardenverluste eines Händlers will die Großbank im dritten Quartal Gewinn schreiben.
  • 1

ZürichNach dem Handelsskandal im September in London hat die Schweizer Großbank mit Hilfe eines bilanztechnischen Sonderfaktors und durch Wertpapierverkäufe einen Quartalsverlust vermieden. Der Reingewinn des dritten Quartals werde aber moderat ausfallen, teilte UBS am Dienstag mit. Im zweiten Quartal fuhr UBS noch einen Gewinn von einer Milliarde Franken ein. Ein Jahr zuvor hatte sie unter dem Strich sogar 1,66 Milliarden verdient.

Der Bank kommt die sogenannte Fair-Value-Bewertung der eigenen Verbindlichkeiten zugute. Das bedeutet, dass die Schulden der Bank im Verlauf des Quartals um 1,5 Milliarden Franken an Wert verloren haben, was als Einnahme verbucht wird. Hinzu kommen 0,7 Milliarden Franken Gewinn aus dem Verkauf von Wertpapieren. Dem steht der Londoner Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar sowie Restrukturierungskosten von 0,4 Milliarden Franken aus dem Ende Juli aufgelegten Kostensenkungsprogramm gegenüber. UBS will bis 2012 rund 3500 Stellen abbauen und die Kosten bis Ende 2013 um zwei Milliarden Franken drücken. Das Programm verlaufe planmäßig, so die Bank.

Im Vermögensverwaltungsgeschäft für reiche Privatkunden bekam die Bank die Folgen des Skandals im dritten Quartal nicht zu spüren. Der Zufluss von neuem Geld bei den Wealth-Management-Einheiten bewege sich ungefähr auf dem Niveau des zweiten Quartals, erklärte UBS. Das Global Asset Management für institutionelle Kunden, wo im zweiten Quartal netto 1,1 Milliarden Franken zugeflossen waren, werde geringfügige Abflüsse verzeichnen.

Die UBS-Aktie eröffnete an der Börse 0,6 Prozent schwächer, während die Titel des Lokalrivalen Credit Suisse knapp zwei Prozent nachgaben. „Mit einem Gewinn hat wohl keiner mehr gerechnet“, sagte ein Zürcher Händler. Die Bank Wegelin sprach in einer ersten Einschätzung von einer positiven Überraschung für die Anleger. Kurz nach der Aufdeckung des Handelsverlustes hatte der inzwischen zurückgetretene UBS-Chef Oswald Grübel einen Verlust im dritten Quartal nicht ausgeschlossen.

Derweil wurde am Montag bekannt, dass die Schweizer Großbank UBS einen heiß gehandelten Kandidaten für den Chefposten von der Liste streichen muss. Der Risikovorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, nahm sich selbst aus dem Rennen um die Nachfolge des zurückgetreten UBS-Chefs Oswald Grübel.

„Ich stehe voll zur Deutschen Bank und habe keine Absicht, diese zu verlassen“, sagte er am Montag auf die Frage nach einem möglichen Wechsel. Nach dem Handelsskandal bei der Schweizer Großbank und dem überraschenden Rücktritt Grübels galt der Schweizer wegen seiner großen Erfahrung im Risiko-Management als aussichtsreicher Kandidat für den UBS-Chefsessel.

Die Spekulationen um Bänziger hatten zugenommen, nachdem es am Montag im Umfeld der UBS hieß, der frühere Bundesbank-Chef und designierte Verwaltungsratspräsident, Axel Weber, habe bei der Bank einen Beratervertrag unterschrieben. Bänziger sei Webers Wunschkandidat, berichtete der „Tages-Anzeiger“.

Seite 1:

UBS trotzt dem Händlerskandal

Seite 2:

Wie weit reicht Webers Einfluss?

Kommentare zu " Quartalsgewinn: UBS trotzt dem Händlerskandal"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Glück der Miserablen:
    Wenn eigene Verbindlichkeiten (!) in der Bilanz an Wert verlieren:
    Sie kennen das Phänomen von Griechenlandanleihen:
    Sobald ein Schuldner dubios wird, verlieren seine Anleihen an Wert. Solche Zahlungsversprechen des Schuldners werden am Markt "billiger".
    Die Bilanzakrobaten der UBS nutzen nun dieses Phänomen bei eigenen Verbindlichkeiten,um Scheingewinne auszuweisen:
    Die eigenen Zahlungsverpflichtungen werden in der UBS-Bilanz mit
    geringeren Werten angesetzt, während die eigene Bonität sinkt.
    Der Wertverfall der eigenen Zahlungsversprechen führt so auf dem
    Papier zu einem Milliardengewinn - durch Scheinentlastung.
    1,5 Milliarden werden so herbeigelogen.


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%