Quartalszahlen
Bank of America schummelt sich in die Gewinnzone

Die US-Großbank hat im dritten Quartal seit langem wieder Gewinn gemacht - jedoch vor allem dank Sondereffekten. Die Anleger reagierten enttäuscht: Die Aktie brach in Frankfurt ein.
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Als vierte große US-Bank hat heute die Bank of America ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Die Bank hat vor allem dank Sondereffekten die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Das Ergebnis wurde vor allem von einer besseren Bewertung der eigenen Verbindlichkeiten und Erlösen aus dem Verkauf von Geschäftsteilen getrieben. Das Institut hatte zudem offenbar Derivate aus ihrer angeschlagenen Merill Lynch Bank ausgelagert.

Unter dem Strich verdiente das Institut 5,9 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal hatte die Großbank noch ein Rekordminus von 9,1 Milliarden Dollar verbucht, nachdem sie einen Schlussstrich unter alte windige Hypothekengeschäfte gezogen hatte. Die Umsätze stiegen auf 28,5 Milliarden US-Dollar von 26,7 US-Dollar im Vorjahresquartal. Mit dem Gewinn übertraf die Bank of America die Schätzungen von Analysten zwar bei weitem. Dennoch brach die Aktie der Bank of America (in Frankfurt) um 3,7 Prozent ein.

Damit dürfte der Bank of America-Chef Brian Moynihan dem Ziel, seine Bewährungsprobe zu bestehen, ein Stück näher gekommen zu sein. Er hatte im Januar vergangenen Jahres einen Scherbenhaufen von seinem Vorgänger übernommen. Seine Aufgabe war es, Schluss zu machen mit den milliardenschweren Zukäufen und Spekulationsexzessen der Vergangenheit und das schwer angeschlagene Geldhaus gesundzuschrumpfen.

Die Investoren jedenfalls sind skeptisch, ob er diese Erwartungen erfüllen kann: Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um die Hälfte eingebrochen und macht nicht den Anschein, sich bald zu erholen. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Bank herab. Gleichzeitig versucht Moynihan zu sparen, wo es nur geht, etwa durch den Verkauf von Einheiten und den Abbau von Arbeitsplätzen. Bis zu 40.000 von insgesamt 300.000 Stellen sollen es sein, so der Plan.

Moynihan kämpft an mehreren Fronten, Grund dafür ist vor allem das Erbe, das ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Lewis hatte im Krisenjahr 2008 erst den taumelnden Immobilienfinanzierer Countrywide übernommen, dann die angeschlagene Investmentbank Merrill Lynch. Die vermeintlichen Schnäppchen entpuppten sich als Desaster, Ende 2008 musste der Staat mit 45 Milliarden Dollar einspringen. Auch wenn sie die Einlage zurückgezahlt hat - die BofA hat sich bis heute nicht davon erholt.

Insgesamt hat die Bank of America in den vergangenen vier Quartalen in dieser Sparte mehr als 22 Milliarden Dollar verloren, vor allem wegen der Klagen. Wie viel die Bank am Ende zahlen wird, kann niemand sagen. „Das ist genau das, was uns Sorgen bereitet“, sagte Bankenanalyst Paul Miller der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Kläger könnten Firmen wie Countrywide so lange heimsuchen, wie sie wollten. „Die Frage ist, wie weit sie bereit sind zu gehen“.

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