Quartalszahlen
Blankfeins dunkelste Stunde bei Goldman Sachs

Goldman Sachs rutscht in die roten Zahlen. Das gab es erst einmal - direkt nach der Lehman-Pleite. Damals ging es allen Banken schlecht. Diesmal ist das Malheur selbstgemacht. Die Anleger reagieren gelassen.
  • 6

New YorkEs waren historisch schlechte Zahlen, die die Investmentbank Goldman Sachs heute vorlegte. Doch die Anleger schien das nicht besonders stark zu beunruhigen. Im Gegenteil: In New York kletterte die Aktie im frühen Handel sogar zeitweise um drei Prozent.

Zum zweiten Mal seit ihrem Börsengang im Jahr 1999 hat Goldman Sachs einen überraschend hohen Quartalsverlust verzeichnet. Das New Yorker Institut meldete heute einen Nettoverlust von 393 Millionen Dollar. Das entspricht 84 Cent pro Aktie – Analysten hatten im Durchschnitt lediglich einen Verlust von elf Cent je Aktie erwartet. Im Vorjahresquartal hatte Goldman noch 1,9 Milliarden Dollar verdient.

Die lange profitabelste unter den US-Großbanken leidet besonders unter der Flaute im Investmentbanking und dem Abschwung an den Märkten. Die Einnahmen in der Kernsparte brachen im Vorjahresvergleich um ein Drittel auf 781 Millionen Dollar ein. Angesichts der Börsenturbulenzen und der Schuldenkrise in Europa sind Anleger vorsichtig und investieren weniger.

Die größten Verluste schrieb die Bank aber mit ihren eigenen Beteiligungen: Allein auf die Anteile an der chinesischen Bank ICBC musste sie 1,05 Milliarden Dollar abschreiben. Das konnte Goldman nur zum Teil durch niedrigere Personalkosten wettmachen.

Kennzahlen in Mio. Dollar3. Quartal 2011VorjahrVeränderung
Erträge Investment Banking7811.159-32,6 %
Investment Management1.1331.200-5,6
Provisionen und Gebühren1.05680730,9
Handelsergebnis-7394.609-
Zinserträge1.3561.12820,2
Nettogesamterträge3.5878.903-59,7
Nettoergebnis-3931.898-
Gewinn je Aktie in Dollar-0,842,98-

„Unsere Zahlen sind deutlich vom Umfeld beeinträchtigt worden“, sagte Vorstandschef Lloyd Blankfein bei der Vorstellung der Zahlen. „Wir sind enttäuscht, dass wir in diesem Quartal einen Verlust verzeichnet haben“. Der Manager hatte das Geldhaus vor allem auf das Handelsgeschäft ausgerichtet, das mehr als die Hälfte des Halbjahresergebnisses ausmacht.

Auch andere Banken wie JP Morgan und die Citigroup hatten bereits rückläufige Einnahmen in diesem Bereich gemeldet. Ein nennenswertes Privatkundengeschäft, mit dem andere Banken solche Verluste ausgleichen können, hat allerdings Goldman nicht.

Der Sparkurs werde nun fortgesetzt, sagte Goldman-Chef Blankfein weiter. Im Juli hatte er angekündigt, rund 1000 Stellen abzubauen und durch diese und andere Maßnahmen 1,2 Milliarden Dollar jährlich einsparen zu wollen. Ende September beschäftigte die Bank 34.200 Mitarbeiter, im Juni waren es noch 35.500.

Seite 1:

Blankfeins dunkelste Stunde bei Goldman Sachs

Seite 2:

Deutlich weniger Ausgaben für Gehälter und Boni

Kommentare zu " Quartalszahlen: Blankfeins dunkelste Stunde bei Goldman Sachs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Im Juli hatte er angekündigt, rund 1000 Stellen abzubauen und dadurch 1,2 Milliarden Dollar jährlich einsparen zu wollen."

    Das sind 1,2 Millionen Dollar pro Stelle. Also entweder die haben dort vergoldete Bürostühle oder ich bin in der falschen Branche...

  • Ja, Gott wird mit Herrn Blankfein zürnen!

  • Ich finde das schon beeindruckend, dass nahezu jeder die Bank verteufelt, und demnach rationale Betrachtungen ignoriert.

    GS teilte bereits Anfang 2010 mit, dass sie nahezu alles liquidierten, was uneingeschränkt möglich war. Außerdem gaben sie bekannt, dass das Investmentbanking stark zurückgefahren wird.
    Die logische Konsequenz wäre hier, dass mit geringeren Geldeinsatz und einer bescheidenen Risikofreude auch Umsatz und Gewinn zurückgehen. In meinen Augen machen Sie alles richtig, indem Sie frühzeitig jedem Idioten die giftigen Papiere verkauften/andrehten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%