Quartalszahlen
Japans Großbanken gewinnen und verlieren

Japans größte Banken entwickeln sich völlig unterschiedlich. Während der Gewinn der Mitsubishi UFJ Financial Group einbricht, verbucht die Nummer zwei im Land ein Top-Ergebnis.
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TokioDie europäische Staatsschuldenkrise verleiht den japanischen Großbanken Rückenwind. Die größten drei Institute des Landes fuhren im Bond-Handel von April bis Ende Juni große Zuwächse ein, da viele Investoren dem Euro den Rücken kehren und verstärkt in japanische und amerikanische Staatsanleihen investieren.

Auch im ausländischen Kreditgeschäft legten Mitsubishi Financial (MUFG), Mizuho und Sumitomo (SMFG) zu, da viele europäische Banken in Asien und anderen Weltregionen auf dem Rückzug sind. Im abgelaufenen Quartal fuhren MUFG und SMFG - die zwei größten Banken des Landes - jeweils einen Gewinn von rund 1,9 Milliarden Euro ein, wie die Institute am Donnerstag mitteilten.

Wegen ihres relativ geringen Engagements in Europa sind japanische Banken nach Ansicht von Experten in einer guten Position, um von den Schwächen der Konkurrenz zu profitieren. Bei der Finanzierung großer Projekte spielen MUFG, Mizuho und SMFG eine immer wichtigere Rolle. Zudem kaufen sie Geschäfte auf, die ihre Konkurrenten abstoßen wollen oder müssen.

Mizuho übernahm im Juni beispielsweise das Brasilien-Geschäft der WestLB, die Mitte des Jahres zerschlagen wurde. SMFG und das Handelshaus Sumitomo Corp kauften für über sieben Milliarden Dollar das Flugzeugleasinggeschäft der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland.

Auf dem Heimatmarkt kämpfen die japanischen Institute dagegen seit knapp drei Jahren mit Rückgängen im Kreditgeschäft, da viele japanische Großunternehmen wegen der mauen Wirtschaftsaussichten auf der Bremse stehen. Da Banken in Japan zudem traditionell Aktienpakete ihrer Kunden halten, machen den Instituten auch fallende Aktienkurse zu schaffen.

Der geringere Wert ihres Aktienportfolios trug im abgelaufenen Quartal auch zum Gewinnrückgang von Japans größter Bank MUFG bei. Insgesamt sank das Ergebnis von April bis Ende Juni um 64 Prozent. Der Grund für den deutlichen Rückgang ist jedoch auch das aufgeblasene Ergebnis im Vorjahr, als die Bank hohe Gewinne durch die Umwandlung von Morgan-Stanley -Vorzugsaktien in Stammaktien erzielte.

MUFG war der US-Investmentbank am Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 zur Seite gesprungen und ist heute mit einem Anteil von mehr als einem Fünftel größter Aktionär von Morgan Stanley. Für das Gesamtjahr bekräftigte Japans Marktführer, der auch Eigentümer der Union Bank mit Sitz in Kalifornien ist, seine Jahresprognose. Die zweitgrößte japanische Bank Mizuho verdoppelte ihren Gewinn nahezu - vor allem dank kräftigen Zuwächsen im Anleihengeschäft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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