Raiffeisen Bank
Schrumpfkurs wird zum Hürdenlauf

Die Raiffeisen Bank kommt bei ihrem tiefgreifenden Konzernumbau langsamer voran als geplant. Im zweiten Quartal schnitt das Institut jedoch trotz der Probleme besser ab, als erwartet. Der Gewinn stieg um elf Prozent.
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WienNur schleppend kommt die Raiffeisen Bank International mit dem Umbau des Unternehmens voran. Auf dem Schrumpfkurs, mit dem das Osteuropainstitut seine Kapitaldecke aufpolstern will, gebe es zwar Fortschritte, erklärte die Bank am Mittwoch. Einige Verkaufsprozesse verzögerten sich jedoch. Zudem müsse die Bank zu tieferen Einschnitten greifen, um das Ziel einer harten Kernkapitalquote von zwölf Prozent bis Ende 2017 zu erreichen. Ende Juni lag die bei Aufsehern viel beachtete Kennzahl bei 10,7 Prozent.

Im zweiten Quartal schnitt das Institut trotz der Probleme besser ab, als erwartet. Der Gewinn stieg um rund elf Prozent auf 204 Millionen Euro und übertraf die Erwartungen von Analysten damit deutlich. Grund dafür war eine Reihe von positiven Sondereffekten wie die Auflösung von Rückstellungen. Damit konnte das Institut, das mit großen Töchtern in Krisenmärkten wie Russland und der Ukraine vertreten ist, sinkende Zinseinnahmen und höhere Vorsorgen für faule Kredite kompensieren. Zudem profitierte die Bank von deutlich geringeren Verwaltungskosten durch das laufende Sparprogramm.

Bankchef Karl Sevelda sagte, er sei mit dem Ergebnis "nicht unzufrieden. Insbesondere die deutliche Verbesserung unserer Eigenkapitalquoten ist erfreulich." Für das laufende Jahr geht die Bank weiterhin von einem möglichen Verlust aus. Grund dafür sind die hohen Kosten für den Konzernumbau von 550 Millionen Euro, die voraussichtlich großteils noch 2015 verbucht würden.

Um ihre Kapitalquote zu steigern, hatte sich die RBI unter anderem vorgenommen, ihre polnische Tochter zu verkaufen. Allerdings könnte es schwer werden, dafür rasch einen Käufer zu finden. Grund ist ein von der polnischen Regierung geplantes Gesetz zur Umwandlung von Fremdwährungskrediten. Das Parlament in Warschau hatte beschlossen, dass die vor der Finanzkrise zumeist in Schweizer Franken vergebenen Hypotheken zu einem für die Kreditnehmer günstigen Kurs in Zloty zurückgezahlt werden dürfen. Das würde die polnischen Banken nach Schätzung der Finanzaufsicht rund fünf Milliarden Euro kosten. Die RBI allein hatte Ende Juni in Polen Schweizer-Franken-Kredite in Höhe von 3,21 Milliarden Euro ausstehen. Trotz dieser Probleme laufe der Verkaufsprozess für die Polbank weiter, erklärte Raiffeisen. Es gebe Gespräche mit mehreren Interessenten.

Auch die Verkaufsbemühungen für die slowenische Tochter liefen weiter. Parallel dazu habe RBI mit dem Abbau der Bank begonnen. In Russland und der Ukraine sei die Verkleinerung der Aktivitäten im Plan. Für das US-Geschäft prüfe die Bank erste unverbindliche Angebote, während sie für ihr Asien-Geschäft eine Strategie für den Verkauf von Bereichen erarbeite.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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