Ratenzahlung
Paypal bietet Kaufen auf Pump

Wer nicht sofort bezahlen muss, kauft mehr ein. Das machen sich Händler mit dem Angebot von Ratenzahlung zunutze. Auch die Bezahlplattform Paypal steigt nun in das Geschäft ein – und setzt dabei kein Paypal-Konto voraus.

FrankfurtHeute kaufen und erst nach und nach in Raten bezahlen. Solche Finanzierungsangebote klingen für viele Kunden verlockend. Und tatsächlich: Online-Händler bestätigen, dass dadurch ihre Umsätze steigen und die Höhe der Warenkörbe größer wird. Wer nicht sofort bezahlen muss, kauft also mehr ein. Seit dem 1. Juni bietet auch Paypal diese Bezahlmethode an – „Ratenzahlung Powered by Paypal“ nennt sich das.

Paypal sei „deutlich mehr als ein Bezahl-Button auf einer Website“, sagt Arnulf Keese, Geschäftsführer des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Tatsächlich kommt die Ratenzahlung bei Paypal jedoch vergleichsweise spät. Finanz-Start-Ups wie BillPay, Ratepay oder Klarna haben diesen Service schon länger im Angebot.

Marktpotenzial scheint es aber noch zu geben. Zu diesem Ergebnis kommt die Anfang 2015 veröffentlichte Studie „Ratenkauf im E-Commerce“ von Ibi Research, einem Forschungsinstitut an der Uni Regensburg. Erst ein Viertel der befragten Unternehmen bot Ratenkauf im eigenen Shop an. Doch drei Viertel jener, die es noch nicht tun, ziehen es in Erwägung. Die meisten versprechen sich davon Umsatzsteigerungen oder die Gewinnung von Neukunden. Diese Erwartungen werden von den Erfahrungen bestätigt. Durch das Angebot einer Ratenzahlung vergrößere sich der Warenkorbwert durchschnittlich um elf Prozent, gaben befragte Händler an.

Zielgruppe sind laut Ibi nicht nur Kunden mit „riesigen“ Warenkörben, häufig bewegten sie sich zwischen 300 und 1000 Euro. Auch kurze Laufzeiten von drei bis sechs Monaten seien sinnvoll und würden stark nachgefragt. Die Forscher bemerkten auch, dass der Markt für Ratenkauf von Finanzdienstleistern dominiert werde, klassische Banken hielten sich zurück. Von etablierten Instituten werde E-Commerce häufig noch unterschätzt und das Potenzial werde nicht erkannt, so die Schlussfolgerung.


Wie viel die Ratenzahlung von Paypal den Kunden kostet, soll der Online-Händler selbst entscheiden. Er legt fest, zu welchem Zinssatz er seinen Kunden die Finanzierung anbietet. Dabei könne er aus verschiedenen marktüblichen effektiven Jahreszinsen wählen, so Paypal. Möglich sollen für den Kunden auch Sondertilgungen und eine vorzeitige Rückzahlung sein. Für beides sollen keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden.

Die Käufer benötigen kein Paypal-Konto, um das Angebot nutzen zu können. Sie sollen den Antrag auf Ratenzahlung direkt aus dem Online-Shop stellen können. Daran schließt sich eine Bonitätsprüfung in Echtzeit an. Notwendige Daten: Name, Anschrift, Bankverbindung und Geburtsdatum.

Wie viel der Händler für das Angebot zahlen muss, wird laut Paypal „in der Regel individuell festgelegt“. Die jeweilige Höhe hänge von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere dem Zinssatz, den der Händler seinen Kunden anbieten möchte.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
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