Rating-Urteil
S&P stuft Commerzbank herab

Die Bonitätswächter von Standard & Poor's senken den Daumen über die Commerzbank. Das Geldhaus brauche länger, ein tragfähiges Geschäft aufzubauen. Deshalb stufen die Experten die Kreditwürdigkeit herab.
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FrankfurtDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkt die Kreditwürdigkeit der Commerzbank. Die Bonitätswächter stufen die Ratingnote um eine Stufe von „A“ auf „A-“ herab. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus brauche länger als zunächst gedacht, um ein unausgewogenes Geschäftsmodell umzubauen, führen die Experten als Begründung an.

Die S&P-Analysten bemängeln vor allem, dass die Bank deutlich mehr Zeit brauche, um die Risiken abzubauen, die von faulen Krediten ausgeht. Der Commerzbank stehe eine „harte Zeit bevor“, wenn sie höhere, stabilere und nachhaltigere Erträge erwirtschaften wolle. Im Vergleich zu Banken mit einer ähnlichen Bonitätsnote stehe die Commerzbank schlechter da. Deswegen habe man die Ratingnote tiefer gesetzt. Eine weitere Herunterstufung sei möglich, falls die Konjunkturschwäche in Europa die Bank stärker belaste, als sie derzeit Kreditrisiken abbauen könne. Wenige Tage zuvor hatte auch die Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Commerzbank gesenkt.

Die Aktie des Finanzinstituts musste nach der Bekanntgabe der Herabstufung Gewinne vom Vormittag wieder abgeben und pendelte um 8,05 Euro. In den vergangenen Wochen hatte das Papier starke Schwankungen erlebt, seit Jahresanfang jedoch 25 Prozent des Werts eingebüßt.

Die teilverstaatlichte Commerzbank hatte das vergangene Jahr mit einem massiven Verlust von 720 Millionen Euro abgeschlossen und befindet sich derzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Ende Januar kündigte sie an, bis 2016 zwischen 4.000 und 6.000 Vollzeitstellen abbauen zu wollen. Zuletzt sammelt das Geldhaus mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung Geld bei den Aktionären ein, um die Staatshilfe zurückzuzahlen.

Das Finanzinstitut will vor allem sein Privatkundengeschäft modernisieren. Ziel des Geldhauses ist es, eine sogenannte „Multikanalbank“ zu werden: Dabei will die Commerzbank im Kontakt mit den Kunden die Vorteile einer herkömmlichen Filialbank mit den Vorteilen von Online-Banken kombinieren und neue Kunden gewinnen.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Rating-Urteil: S&P stuft Commerzbank herab"

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  • zu dem Kommentar von RalphKleinsimlinghaus
    Ihre Meinung kann hier nicht gefolgt werden. Was hat die Coba für Schulden angehäuft mit Der Hypo Real, mit der Schiffsfinanzierung, ja selbst bei dem LiBor Kontrakten hat diese Bank mitgearbeitet. Vor amerikanischen Aufsichtsbehörden wurde die Coba zu Strafzahlung verdonnert, weil sie mit dem Iran Bankgeschäfte abgewickelt hat. Weiter hat diese Bank eine ukrainische Bank unter Einstandswerten wieder zurückgegeben und dabei über zweihundert Millionen versenkt. Bei der Schiffsfinanzierung liegen sie mit über zwanzig Milliarden vorne, neben der Norddeutschen Bank, die von dem Steuerzahler genährt wird. Es lassen sich noch viele andere Bsp. aufzählen, worauf ein kleiner Aktionär kein Zugriff zu den entscheidenden Quellen hat, weil dies die Geschäftspolitik eingreifen würde und als "Ausforschung" hingestellt werde. Wie kommen sonst die 151 Milliarden die in einer Bad Bank ausgegliedert worden sind???? Fragen um Fragen und keine konkrete Antwort durch Blessing & Co !!!

  • Anders als andere Banken hat die Commerzbank in der Krise nicht ihre Bilanzen geschönt, ist nicht an Kursmanipulationen beteiligt gewesen und braucht keine Rückstellugen in Milliardenhöhe für Geschäfte, die juristisch angreifbar sind. Hedgefonds spekulieren offen gegen den Kurs der CoBa und Martin Blessing wird von allen Seiten angegriffen. Sollte es Blessing dennoch schaffen, die CoBa wieder in einen sicheren Hafen zu führen, wäre es wohl die höchste Auszeichnung, ihn als einen der wenigen wieder als "Bankier" zu titulieren. Den Aktionären sei geraten, sich zu entscheiden, ob sie an ständigen Zockereien teilhaben wollen oder der CoBa langfristig Ihr Vertrauen schenken möchten. Dann wären die momentanen starken Kursverluste nur gedankliche. Außerdem sollten wir überlegen, dass hier in Deutschland langfristig eine Großbank mit ordentlicher, juristisch einwandfreier Reputation arbeiten sollte. Das ist in Aktienkurswerten nicht meßbar.
    Ralph Kleinsimlinghaus

  • Das einzig bemerkenswerte für mich ist aktuell wie die Commerzbank zugrunde geschrieben wird. Was enthält denn der Artikel? Welche Maßstäbe setzt denn S&P? Fakt ist doch, dass NAHEZU JEDE europäische Privatbank momentan ihr Geschäft umbaut. Und ich bezweifle stark, dass es hier der Deutsche Bank, Unicredit, BNP, etc. besser ergeht und diese weniger abhängig von der europäischen Wirtschaft sind. Man liest in den Presseartikeln permanent wie schlecht es bei der Coba läuft, aber warum, steht da wenn überhaupt nur im Ansatz. Konkrete Zahlen und Gründe für die Meinung die hier transportiert wird - Fehlanzeige. Ich persönlich fühle mich von 80% - 90% der Medien fehlinformiert. Und dieser Bericht ist ein Synonym für die allumgreifende Oberflächlichkeit.

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