Raumfahrtpolicen
Das lukrative Nischengeschäft mit dem Weltall

Mit dem Versicherungen in der Raumfahrt-Sparte lässt sich durchaus Geld verdienen - auch wenn der Markt nicht nur klein, sondern auch riskant ist. Munich Re und Allianz spekulieren bereits auf den Weltraumtourismus.
  • 0

MünchenNeulich hat der Arbeitstag von Ernst Steilen wieder einmal etwas länger gedauert. Um Mitternacht saß der Munich-Re-Manager gebannt vor dem Computer und verfolgte den Start einer Ariane-Rakete, die zwei Satelliten ins All bringen sollte. Als beide ihre Umlaufbahn erreicht hatten, ging er beruhigt ins Bett. Alles hatte reibungslos geklappt - eine gute Nachricht für den Leiter der Raumfahrt-Sparte und die Munich Re. Für den weltgrößten Rückversicherer ist die Raumfahrtversicherung eine sehr profitable Nische.

Es ist kein einfaches Geschäft. Der Markt ist klein, und die Risiken sind groß. Stürzt ein Satellit ab, können fast die Jahreseinnahmen der gesamten Sparte weg sein. Aktuell erzielt die Munich Re mit ihrer Raumfahrtsparte Prämieneinnahmen von etwa 130 Millionen Euro im Jahr; als Marktführer kommen die Münchener so auf einen Anteil von etwa 20 Prozent. Konkurrenten sind unter anderem Swiss Re, Lloyds, die Allianz, Axa und XL.

Die Munich Re profitiert davon, dass sie schon lange im Geschäft ist. Seit Mitte der 70er-Jahre bietet der Rückversicherer Deckungen für den Transport und den Betrieb der Satelliten an. Auch wenn die Verträge für die Satelliten jährlich erneuert werden, beobachtet der Konzern deren technische Zuverlässigkeit genau. "Ist der Satellit erstmal in der Luft, kann man ihn nicht mehr reparieren", sagt Christian Riedl. Der Ingenieur baute früher bei MBB Satelliten, ehe er als Experte zur Munich Re wechselte.

Ihr schwarzes Jahr hatte die Branche 2001, als innerhalb einer Woche sechs Satelliten ausfielen, die mit neuen Solarkollektoren ausgestattet waren. 1,6 Milliarden Dollar betrug der Schaden; eine Milliarde davon trugen die Versicherer. In der Folge zogen die Preise an - sind aber längst wieder abgebröckelt. In Spitzenzeiten machten die Prämien 15 bis 16 Prozent der Deckungssumme aus. Aktuell sind es bei einem Ariane-Start etwa acht Prozent, bei einer russischen Proton als Trägerrakete neun bis 9,5 Prozent. Gerade im letzteren Fall entspricht der Preis nach Einschätzung Steilens nicht mehr dem Risiko. Im vergangenen Jahr gab es bei weltweit 25 Starts einen Fehlstart - der passierte mit einer Proton-M-Trägerrakete.

Seite 1:

Das lukrative Nischengeschäft mit dem Weltall

Seite 2:

Wachstumspotenzial ist begrenzt

Kommentare zu " Raumfahrtpolicen: Das lukrative Nischengeschäft mit dem Weltall"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%