RBS und Lloyds
Großbritannien will bei Banken aussteigen

Der britische Finanzminister Osborne ist ganz auf Trennung eingestellt: Am Mittwoch kündigte er an, die Regierung wolle in Kürze mit dem Verkauf von Lloyds-Aktien beginnen und die Royal Bank of Scotland aufspalten.
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LondonGroßbritannien zieht eine Aufspaltung der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland in Erwägung und will bald den Verkauf ihrer Lloyds -Aktien starten. "Nichts signalisiert den Weg Großbritanniens von der Rettung zur Erholung besser, als der Fakt, dass wir nur damit beginnen können, den Ausstieg aus der Beteiligung der Regierung an den größten Banken zu planen", sagte Finanzminister George Osborne am Mittwoch.

Demnach ist es wahrscheinlich, dass die Regierung zunächst Lloyds-Anteile an institutionelle Investoren wie beispielsweise Pensionsfonds verkauft. Allerdings seien noch alle Optionen auf dem Tisch, darunter auch ein Aktienverkauf über die Börse.

Im Gegensatz zu Lloyds steht ein Verkauf der Beteiligung an der RBS noch in weiter Ferne. In der Zwischenzeit werde geprüft, ob es Sinn mache, faule Immobilienkredite in eine "Bad Bank" auszulagern, kündigte Osborne an. Eine Entscheidung über eine Aufspaltung solle im Herbst fallen. Der Finanzminister hatte sich lange gegen einen solchen Schritt gewehrt und dies mit den hohen Kosten begründet.

Die RBS soll sich nach den Worten Osbornes auf das Kerngeschäft in Großbritannien konzentrieren und Ambitionen auf eine Rolle als global agierende Investmentbank aufgeben. Die Bank war einer der größten Sanierungsfälle während der Finanzkrise. Seitdem ist sie nur selten aus den negativen Schlagzeilen herausgekommen.

Das Institut, das seit fünf Jahren rote Zahlen schreibt, war in den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes ebenso verwickelt wie in die Affäre um Falschberatung von Kunden bei Kreditausfallversicherungen. Mitte Juni hatte die Bank einen Personalabbau von bis zu 2000 Stellen im Investmentbanking angekündigt.

Zuvor hatte Bank-Chef Stephen Hester überraschend seinen Rückzug zum Ende des Jahres angekündigt. Er persönlich stand unter anderem wegen der Bonuspolitik der Bank unter Beschuss. Seit der Finanzkrise hat die Bank ihre Bilanzsumme nahezu halbiert und fast 40 000 Stellen abgebaut.

Lloyds war in der Finanzkrise 2008 und nach der risikoreichen Übernahme der schottischen HBOS vom britischen Staat vor der Pleite gerettet worden. Die Europäische Union verlangte deshalb den Verkauf von mehr als 600 Filialen. Diese sollten bis 2013 von der genossenschaftlich organisierten The Co-Operative übernommen werden, dieser Deal scheiterte jedoch.

Die britische Regierung hatte im Zuge der Finanzkrise die Banken mit 66 Milliarden Pfund (78 Milliarden Euro) gestützt und besitzt 81 Prozent der RBS und 39 Prozent von Lloyds. Der Verkauf eines Teils der Lloyds-Beteiligung könnte dem Staat sogar einen Gewinn bescheren und wäre damit zumindest ein Teilerfolg bei der in der Bevölkerung sehr unbeliebten Rettung der Geldhäuser.

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  • O-Ton Osborne
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    Eine Entscheidung über eine Aufspaltung solle im Herbst fallen. Der Finanzminister hatte sich lange gegen einen solchen Schritt gewehrt und dies mit den hohen Kosten begründet.
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    Die Kosten wären tatsächlich auch nicht nennswert höher als sie bei einer Beibehaltung des Status Quo wären.

    Bloß auch bei niedrigen Kosten müßten die Verbindlichkeiten der RBS - oder der abgespaltenen "Bad Bank" - der "Maastricht-Verschuldung" des britischen Staates zugeschlagen werden.

    Die würde dann näher an die Gesamtverschuldung von derzeit 140% BSP rücken.

    Und es würde die Tory-Propaganda von der "Schuld der Eurokrise an der britischen Wirtschaftsmisere" noch unglaubwürdiger machen als sie es sowieso schon ist.

    In Wahrheit ist die geringe Dynamik der britischen Wirtschaft eine Anpassungskrise. Und zwar Anpassung an eine Rückkehr wirtschaftlicher Vernunft und an das langsame Ende einer Kreditblase.

    Da aber der Oppositionsführer Milliband (Labour) letzte Woche endlich zugegeben hat, daß auch eine zukünftige Labourregierung Einsparungen im Haushalt vornehmen müsse, muß sich Osborne auf einmal nicht mehr gegen den unsinnigen Vorwurf des "Kaputtsparens" (Ed Balls, Labour) verteidigen, und kann es sich eher erlauben an der Staatsschuldenfront die Hosen herunterzulassen.

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