Reaktion auf Finanzkrise: Deutsche Bank streicht Stellen

Reaktion auf Finanzkrise
Deutsche Bank streicht Stellen

Die Deutsche Bank reagiert mit ersten Entlassungen auf die anhaltende Finanzmarktkrise. Mindestens 270 Mitarbeiter im Kapitalmarktbereich (Global Markets) sollen das Unternehmen verlassen. Betroffen sind vor allem Standorte in London, New York und Asien. Kontinentaleuropa bleibe weitgehend verschont, hieß es.

ben/hgn/mm FRANKFURT/LONDON. Ein Sprecher des größten deutschen Kreditinstituts bestätigte am Mittwochabend die Pläne. Hintergrund der Maßnahme sind offenbar Anpassungen des Investment-Banking-Bereichs "Global Markets" der Deutschen Bank an die Auswirkungen der Krise. In dem Sektor sind weltweit 13 000 Menschen beschäftigt. Bankchef Josef Ackermann hatte im Herbst solche Maßnahmen angekündigt, eine Entlassungswelle aber ausgeschlossen.

Trotz aller Bemühungen um steigende Erträge etwa aus dem Privatkundengeschäft hängt die Deutsche Bank weiterhin vornehmlich von dem Erfolg der Kapitalmarktaktivitäten ab. Sie muss diese daher entsprechend schnell an veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Stark engagiert ist sie im Bereich strukturierter Kreditprodukte, der von der aktuellen Krise betroffen ist. Nach Angaben aus Finanzkreisen konzentrieren sich die Anpassungen auf dieses Feld. Klassisches Investment-Banking-Geschäft, also Beratung bei Fusionen und Übernahmen, sei nicht betroffen, heißt es.

Es wird damit gerechnet, dass im Bereich der komplexen strukturierten Kreditderivate branchenweit noch größere Entlassungen anstehen. Die Nachfrage nach solchen Investmentprodukten wird nach Einschätzung von Experten drastisch zurückgehen, weil sie als Auslöser der Krise gelten. "Kein Mensch will etwa mehrfach verpackte Kredite mehr kaufen, weil sie sich als zu intransparent entpuppt haben", sagte ein Investmentbanker am Mittwoch. Es sei damit zu rechnen, dass die Banken in der nächsten Zeit ganze Abteilungen dicht machen werden.

Sollte die Krise anhalten, könnten demnächst auch in anderen Teilen des Kapitalmarktgeschäfts der Großbanken Stellen wegfallen. "Wenn die Zahl der Börsengänge und Übernahmen zurückgehen sollte, werden auch diese Bereiche nicht verschont bleiben", sagte ein Analyst.

Betroffen sind nicht nur Investmentbanken sondern auch Dienstleister im Umfeld der globalen Finanzbranche. So kündigten mehrere Ratingagenturen zuletzt Entlassungen und Restrukturierungen an. Experten, die komplexe Kreditprodukte bewerten, werden derzeit nicht gebraucht. Die besonders auf diesen Bereich spezialisierte kanadische Ratingagentur Dominion Bond Rating Service (DBRS) gab als Folge der jüngsten Entwicklung sogar ihre erst vor drei Jahren gegründete Europatochter auf. "Es war realistischerweise kurzfristig kein Umsatz zu erwarten", hatte eine Sprecherin des kanadischen Mutterkonzerns den Schritt begründet.

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