Reaktion auf Sonderabgabe: Londons Banker drohen mit Umzug

Reaktion auf Sonderabgabe
Londons Banker drohen mit Umzug

Bonussteuer und Sonderabgaben - die britischen Banker sind sauer auf die Politik. Große Geldinstitute wie Standard Chartered denken nun öffentlich darüber nach, ihre Firmensitze zu verlegen. Das würde den Finanzstandort London empfindlich schädigen.
  • 3

LONDON. Eigentlich ist Peter Sands, Chef der Großbank Standard Chartered, als verlässliche Stütze des britischen Staates bekannt. Sands gehörte zu jenen handverlesenen Vertrauten, mit denen der ehemalige Labour-Premierminister Gordon Brown im Herbst 2008 in einer Notoperation das britische Finanzsystem rettete. Doch ausgerechnet Sands ist es jetzt, der dem Finanzplatz London einen Tiefschlag versetzen könnte.

Immer unverhohlener drohen die Chefs der wichtigsten britischen Banken mit Abwanderung aus der City und Standard-Chartered-Chef Sands zählt zu ihren Wortführern. Obwohl die fünftgrößte britische Bank vier Fünftel ihres Gewinns in den asiatischen Emerging Markets verdient, liegt ihr Hauptquartier im Herzen von London. Doch dieser Standort steht offenbar zur Debatte. „Wir denken öfter über einen Umzug nach, weil wir von unseren Aktionären öfter darauf angesprochen werden“, sagte Sands vor kurzem. Zweifellos seien die Argumente für London schwächer als früher. Glaubt man britischen Medienberichten, dann hat Sands bereits ein Team beauftragt, einen Umzug der Firmenzentrale zu prüfen und nach einem neuen Standort in Schwellenländern zu suchen. Die gewöhnlich gut unterrichtete Zeitung „The National“, die in Abu Dhabi erscheint, berichtet unter Berufung auf eine ranghohe Quelle in der Bank, Standard Chartered wähle derzeit zwischen Dubai, Singapur und Hong Kong einen möglichen neuen Standort für die Zentrale.

Bereits seit dem vergangenen Jahr denken einige Investmentbanken und Hedge-Fonds darüber nach, einzelne Abteilungen aus London abzuziehen. Damals hatte die frühere Labour-Regierung die Banken der City mit einer Bonussteuer belastet. Seither haben sich die Beziehungen zwischen Regierung und City weiter rapide verschlechtert. Vor kurzem hat die konservativ-liberale Koalition eine Sonderabgabe gegen Geldhäuser verhängt.

Die größte Sorge bereitet den Banken aber die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission, die binnen eines Jahres prüfen soll, ob man die großen Universalbanken zwingen sollte, ihr lukratives Investmentbanking abzuspalten. Ziel wäre, die Institute daran zu hindern, zu hohe Risiken einzugehen. Vor allem der liberale Wirtschaftsminister Vince Cable ließ kürzlich keinen Zweifel daran, dass er für eine Aufspaltung ist.

Stuart Gulliver, der oberste Investmentbanker von Europas größter Bank HSBC, nimmt die Drohung durchaus ernst. „Es ist sehr gut möglich, dass die Kommission zu dem Schluss kommt, die Banken zu zerschlagen; das hätte natürlich erhebliche Folgen für unsere Standortwahl“, sagt er. Es war die bislang unverhohlenste Drohung eines Bankenchefs. HSBC verdient wie Standard Chartered einen Großteil seiner Gewinne in den Emerging Markets. Vorstandschef Michale Geoghegan zog bereits 2009 nach Hongkong um, die Firmenzentrale soll aber zumindest vorerst im Finanzviertel Canary Wharf im Londoner Osten bleiben.

Jüngster Streitpunkt zischen Banken und Regierung ist der von den Konservativen voran getriebene Einwanderungsstopp für nicht EU-Bürger. Die Geldhäuser fürchten dadurch massive Wettbewerbsnachteile im internationalen Wettbewerb um die besten Talente. Lord Myners, ehemaliger Labour-Finanzstaatssekretär, warnt die neue Regierung, die Abwanderungsdrohung der Banken als Bluff abzutun. „Ein Umzug ist eine sehr plausible Möglichkeit“, sagte er in der vergangenen Woche vor einem Untersuchungsausschuss des Parlaments.

Kommentare zu " Reaktion auf Sonderabgabe: Londons Banker drohen mit Umzug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • in Spanien ist ide Arbeitslosigkeit unter jungen Erwachsenen besonders hoch. Wenn man jung ist, so sagte man mir, so solle man auf reisen gehen. Wenn England nach geeigneten Zuwanderern auf der Suche ist, dann wäre Spanien in diesem Zusammenhang sicherlich zu erwähnen. Zudem wäre die Einbindung von Festland und insel bzw. von insel und Festland eine ganz andere, wenn die Spanier und die Engländer kooperierten. Dies würde die ältesten Konflikte mildern und die Union nun endgültig stärken. Vielleicht ist auch an ein Austausch zu denken.

    Migranten aus nicht EU-Ländern würde ich auch für Deutschland nicht empfehlen. Die Union muss gestärkt werden. insofern blieben Einbindungen von Europäern nördlich, nordöstlich (Ural) und südlich (italien) für Deutschland interessant. Sprachbarrieren müssen eben durch eine längere Ausbildungszeit kompensiert werden. Gar nicht zu beginnen bedeutete auch nur eine zeitliche Verschiebung der bereits eingeläuteten Entwicklungen.

    Wichtig ist für mich, also als Wunsch, dass der Handel und die Handelsströme zwischen den östlichen bundesländern und den slawischen Staaten und Russland wieder an Fahrt gewinnt. infrastrukturprojekte sind hierfür erforderlich. Allerdings müsste man sich im Klaren darüber werden, was, wie und weswegen man Handel betreibt. Denn erst hierüber ergibt sich die Grundlage für den Austausch zwischen den erwähnten Staaten, und damit die Grundlage für die Gründung oder Expansion gewiss gewordener Unternehmungen. Wie will und wie muss gelebt werden ?

    ich meine, dass es an der Zeit ist, der ultra-freiheitlichen Entwicklung einen konkreten, also genauen Rahmen zu verleihen.
    Würde man noch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehntes entsprechende Überlegungungen anstrengen, so könnten sie in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehntes umgesetzt werden. Wir kämen dann alle ganz gut durch das 21. Jahrhundert und die Transformation wäre weitläufig (territorial) geglückt.

    ich hoffe, dass ich keine allzu frommen Wünsche habe. ich will mich auch damit zufrieden stellen, wenn Sie mir hier nur Visionen unterstellten.

  • Und Tschüüüs.
    Ob die "Schwellenländer" dann auch a) bereit sind und b) überhaupt in der lage dazu sind die nötigen Milliarden an garantien beim nächsten Crash bereit zu stellen ?! Noch interresanter: Würde der "gemeine Mob" (die Steuerzahler !) dort dann genauso mit sich umspringen lassen wie hier unsereins oder die lieben bänker gleich öffentlich hinrichten ? Viel Spass liebe bänker ! Soll ich beim umzug helfen ? Achja: Ein paar banken werden hier bleiben; die dürfen sich dann freuen ! Denn bevor eben der "gemeine Mob" sein geld zu banken mit Sitz in Schwellenländern trägt wird er sein hart und ehrlich verdientes Geld lieber auf irgendeine bank mit Sitz in der EU legen.

  • ONE-WAY-TiCKET WiTH NEVER-COME-bACK-AiRLiNES
    Sehe da einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Papstbesuch und der nun eintretenden Läuterung.
    Schlimm wäre, wenn sie blieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%