Reaktionen aus der Wirtschaft Rückversicherer warten mit Beurteilung ab

Der Anschlag in London hat auch drastische Folgen für die Wirtschaft. Die Aktien von Verkehrsunternehmen und Versicherungskonzernen gingen zeitweise auf Talfahrt.



HB DÜSSELDORF/LONDON. Von den Anschlägen in London sind die Rückversicherungsgesellschaften besonders stark betroffen. Die deutschen Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück sind jedoch nicht an dem britischen Terror-Pool zur Absicherung von Anschlägen beteiligt. Die Allianz hingegen schon. Nach Einschätzung europäischer Versicherer ist es noch zu früh, mögliche Auswirkungen der Anschlagsserie in London auf das Geschäft abzuschätzen.

Lediglich der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück und Swiss Life gaben am Donnerstag vollständig Entwarnung. „In Großbritannien sind Terroranschläge durch 'Pool Re' gedeckt, und daran sind wir nicht beteiligt“, sagte eine Sprecherin der Münchener Rück. Deshalb sei der Konzern auch nicht von der Serie von Explosionen in London betroffen. Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life ist in Großbritannien nicht tätig. Europäische Versicherungsaktien brachen auf breiter Front ein.

Die weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück ist nach Firmenangaben ebenfalls nicht an dem Terror-Pool „Pool Re“ beteiligt. Belastungen könnten somit ausschließlich aus Einzelverträgen stammen. „Nach jetzigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass es für uns kein Großschaden wird“, sagte eine Firmensprecherin am Donnerstag. In diese Kategorie fielen bei der Hannover Rück Schäden mit einem Volumen von mehr als fünf Mill. €. „Wir fühlen uns damit sehr komfortabel.“

Der Finanzkonzern Allianz ist an dem britischen Versicherungspool beteiligt, der die Lasten für Versicherer durch Schäden aus Anschlägen begrenzt. Ein Sprecher der Industrieversicherungssparte Allianz Global Risks (AGR) sagte am Donnerstag in München, der Konzern sei sowohl mit der AGR als auch mit der britischen Erstversicherungstochter Cornhill in dem Versicherungspool „Pool Re“. Der Selbstbehalt für die Allianz-Gruppe - also die maximal mögliche Schadensumme pro Schaden - mache einen einstelligen Millionenbetrag in Euro aus. Alle darüber hinausgehenden Schäden würden von dem Pool getragen, in den die beteiligten Versicherer Prämien einzahlen. Der Sprecher betonte, es werde sicher noch eine gewisse Zeit dauern, bis die tatsächliche Schadensumme für die Allianz-Gruppe aus den Anschlägen in London vorliege.

Laut dem Rückversicherungskonzern Swiss Re ist es zu für eine Schätzung der möglicher Auswirkungen der Explosionen in London. „Wir müssen die Lage evaluieren“, sagte ein Swiss Re-Sprecherin. Die europäischen Aktienmärkte rutschten massiv ins Minus, vor allem Reise- und Versicherungsunternehmen mussten Abschläge hinnehmen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vor massiven Lücken in der Absicherung von Unternehmen gegen Terror-Risiken gewarnt. Die OECD schätzt, dass bereits ein einzelner Anschlag Schäden von bis zu 250 Mrd. Dollar (rund 210 Mrd. €) anrichten könnte. Schätzungen zufolge verursachten die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in New York Schäden von mehr als 30 Mrd. Dollar.

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