Rechtsschutzversicherer

Arag finanziert tausende VW-Klagen

Der VW-Skandal hält auch die Rechtsschutzversicherer in Atem. Allein die Nummer Eins in Deutschland, Arag, finanziert derzeit rund 2.300 Schadensersatzklagen – doch die Uhr tickt für die Kläger.
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Den Arag-Vorstandschef treibt die Diesel-Krise um: Seine Versicherung finanziert allein in Deutschland rund 1.900 Klagen gegen VW. Quelle: dpa
Paul-Otto Faßbender

Den Arag-Vorstandschef treibt die Diesel-Krise um: Seine Versicherung finanziert allein in Deutschland rund 1.900 Klagen gegen VW.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn seiner heimischen Garage hat Paul-Otto Faßbender andere Autos als einen VW Passat stehen. Doch der Dieselskandal von Europas größtem Autokonzern schlägt auch den Vorstandschef des Versicherers Arag in seinen Bann – allerdings aus professionellen Gründen. Denn die Arag zählt zu den größten deutschen Rechtsschutzversicherern und finanziert inzwischen allein in Deutschland rund 1.900 Kunden, die wegen des Diesel-Skandals gegen Volkswagen oder einen Händler klagen, wie Faßbender am Rande des Jahresgesprächs des Düsseldorfer Versicherers darlegte. Hinzu kämen weitere Hunderte von Fällen, in denen die Arag rechtliche Orientierung gegeben habe sowie etwa 400 Klagefinanzierungen im europäischen Ausland. Doch die Zeit läuft gegen die Kläger: Schon Ende des Jahres läuft eine wichtige Frist ab.

Der VW-Skandal ist das zweitgrößte Verfahrensthema für den Versicherer nach dem Rechtstreit um den Widerrufsjoker bei Immobilienfinanzierungen. Volkswagen hatte im September 2015 Manipulationen der Emissionswerte bei weltweit elf Millionen Dieselautos zugegeben. Die von Volkswagen ausgehandelten Entschädigungen und Strafzahlungen belaufen sich inzwischen auf insgesamt etwa 25 Milliarden Euro – der Großteil davon geht jedoch an Kunden in den USA. In Deutschland setzt der Konzern dagegen auf Software-Updates. Hierzulande seien 91 Prozent umgerüstet, in Europa 73 Prozent, hieß es jüngst aus Wolfsburg. Doch vielen Kunden ist das als Geste zu wenig.

Zumal ein deutsches Gericht jüngst zum zweiten Mal hierzulande Formfehler in einem VW-Autodarlehensvertrag erkannt hatte, die einen Widerruf auch nach Jahren noch möglich machen. Doch die Sache ist bisher nicht eindeutig. Während das Landgericht Berlin und das Landgericht Arnsberg vor kurzem den Klägern Recht gaben, wies das Landgericht Düsseldorf zuletzt eine entsprechende Klage ab. Auch die Richter in Gießen, Köln, Braunschweig und Stuttgart ließen VW-Besitzer abblitzen. Zudem ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerade erst wegen unzulässiger Abgastechnik nun auch beim VW-Geländewagen Touareg einen Rückruf an. Davon seien in Deutschland 25.800 und weltweit insgesamt 57.600 Fahrzeuge betroffen, teilte das KBA mit.

Der zuständige Arag-Vorstand Hanno Petersen erwartet jedoch wegen der strittigen VW-Darlehensverträge keine neue Klagewelle. „Das spielt bei uns bisher keine große Rolle“, sagte der Topmanager. Dennoch rechnet der Rechtsschutzversicherer damit, dass die Zahl der Klageanträge gegen VW bis zum Ende dieses Jahres noch einmal steigen wird – und das hat einen konkreten Grund. Denn Ende des Jahres verjähren die Gewährleistungsansprüche von VW-Kunden gegenüber den Händlern; allerdings nicht gegen VW selbst. Die Arag erwartet deshalb, dass sich in den nächsten Wochen noch mehr Kunden an sie wenden werden. „Derzeit kommen 10 bis 20 Fälle pro Tag hinzu“, erzählte Petersen.

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