Rede in Berlin
Die perfekte Inszenierung des Anshu Jain

Lange wurde sein Auftritt in Berlin erwartet, beim CDU-Wirtschaftstag ist es soweit: Anshu Jain stellt sich der Politik vor. Der neue Co-Chef der Deutschen Bank überzeugt ausgerechnet mit ein paar Sätzen Deutsch.
  • 34

BerlinJa, es war ein genialer Schachzug. Seit Monaten wurde Anshu Jain, der neue Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, mit der Frage gequält, wie es um seine Fremdsprachenkenntnisse für die neue Heimat bestellt ist. Als er am Dienstagabend in wohlbedachtem Abstand hinter dem Rollstuhl von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu seinem vielleicht wichtigsten Auftritt seiner noch jungen Amtszeit schritt, merkte man ihm die Anspannung an.

Sein Blick war auf den letzten Metern vor dem Podium starr nach vorne gerichtet, Jain sammelte sich innerlich. Dann zückte er sein Ass im Ärmel. Er eröffnete seine erste öffentliche Grundsatzrede vor dem Wirtschaftsrat der CDU mit ein paar abgelesenen Sätzen auf Deutsch - und das saß. Er erntete den Beifall der 2000 Unternehmer und Politiker im vollkommen überfüllten Festsaal des Nobelhotels Interconti in Berlin - und die Anspannung ließ merklich nach.

Danach nahm er das Auditorium mit auf einen globalen Exkurs durch die Staatsschulden- und Bankenkrise, wobei er das Image des kühlen Investmentbankers abstreifte. Wörter wie Rendite, Derivate oder Fixed Income - Fehlanzeige, die sind für den „Investors Day“ reserviert, aber nicht für die Gralshüter der sozialen Marktwirtschaft.

Jain startete eine Charme-Offensive in Richtung Mittelstand, er setzte die Tradition seines vorherigen „Bosses“ Josef Ackermann als überzeugter Europäer fort und übte Selbstkritik an der Branche, räumte Fehler in der Vergangenheit ein und reichte demütig die Hand für einen neuen Pakt mit der Gesellschaft.

Gewiss, jedes Komma wurde bestimmt unzählige Male gecheckt von einer Heerschar von Beratern und Kommunikationsprofis - aber die haben eben ganze Arbeit geleistet. Es war eine Inszenierung. Und die wirkte. Durch die holprigen Sätze in Deutsch kam der gebürtige Inder nicht mehr so aalglatt herüber, wie ihn vielleicht Investoren und seine Händlertruppe in London in Erinnerung haben. Und er hatte zahlreiche Gesten eingeübt, mit denen er das Publikum leitete und buchstäblich umarmte.

Kommentare zu " Rede in Berlin: Die perfekte Inszenierung des Anshu Jain"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich benutze „deutsche Eliten“ oder „amerikanische Eliten“ nicht mit dem Anspruchsniveau von rot-grünen Gymnasiallehrer-Haushalten, die damit eine moralische Vorbildfunktion verbinden und einfordern. Das entspricht dem internationalen Soziologie-Verständnis auch nicht.

    Auch bringt uns die 2008-er Talkshow-Diskussion über eine Praktikantin, die anstelle zu McKinsey zu gehen ein Buch über deutsche Eliten geschrieben hat, nicht weiter.

    Meine Definition ist simpel: Zur Elite zählen Leute, die entweder Macht oder Geld haben. Am besten beides.

  • @netshadow
    nach meiner Einschätzung kann Gewinn oder Verlußt an der Börse mit diesem Papier nicht als die alleinige Grundlage der Bewertung der Vorstandsarbeit dienen. Ein Blick auf andere Banken genügt. An der Börse zu spekulieren ist eben riskant. Das ist allen bekannt die es tun. Man könnte jetzt über NOKIA oder andere Unternehmen sich austauschen.

  • @Mazi
    Falls Sie den Mut haben aus Ihrer Anonymität zu treten können wir uns gerne privat über den jeweiligen Anteil an DB Aktien austauschen. Sie erreichen mich über facebook

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%