Refinanzierungsprobleme Großbanken geizen mit Krediten

Die Banken treten bei der Kreditvergabe immer stärker auf die Bremse. Daher verschlechtert sich die Kreditversorgung der Unternehmen in Deutschland weiter. Grund sind vor allem Refinanzierungsprobleme der Banken und die Angst vor Kreditausfällen wegen der Konjunkturkrise. Förderbanken wie die staatliche KfW haben dagegen ihr Kreditvolumen massiv ausgedehnt.

FRANKFURT. Wie die am Freitag im Internet veröffentlichte Kreditstatistik der Europäischen Zentralbank für Deutschland ausweist, ist das ausstehende Volumen an Unternehmenskrediten im April bereits im dritten Monat in Folge gesunken. Das bedeutet, dass die Banken mehr an Kredittilgungen einnehmen, als sie an neuen Krediten ausgeben.

Nach Einschätzung der Bundesbank liegt der Rückgang des Kreditvolumens vor allem an einer geringeren Kreditnachfrage der Unternehmen, die nicht mehr investierten. Daneben spiele allerdings auch die Angebotspolitik der Banken eine Rolle. Die Banken leiden aufgrund massiver Fehlspekulation in Wertpapierkonstruktionen unter hohen Verlusten und haben mit gestiegenen Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt zu kämpfen. Gleichzeitig steigt aufgrund der Wirtschaftskrise die Sorge vor Kreditausfällen.

Eine Auswertung der Bundesbankstatistik zur Kreditvergabe nach Bankengruppen, die bis März quartalsweise vorliegt, deutet darauf hin, dass die Angebotsfaktoren eine recht große Rolle spielen. Sie zeigen, dass allein Großbanken, Realkreditinstitute und Zweigstellen ausländischer Banken zwischen dem dritten Quartal 2008 und dem ersten Quartal 2009 ihre Unternehmenskredite zurückgefahren haben. Im Falle der Großbanken überstiegen die Tilgungen in diesem Zeitraum den Neukredit um annähernd acht Prozent des ausstehenden Kreditvolumens oder zwölf Mrd. Euro. Das deutet darauf hin, dass sie in großem Maße auslaufende kurzfristige Kredite nicht fortgeschrieben haben.

Zum einen sind die Großbanken viel mehr als der öffentlich-rechtliche Sektor auf die Refinanzierung am Kapitalmarkt angewiesen. Deshalb sind sie stärker von der Finanzkrise betroffen. Dasselbe gilt für die Realkreditinstitute, zu denen unter anderem die mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangene Hypo Real Estate gehört. Ferner haben unter den Großbanken die Commerzbank und die Dresdner Bank fusioniert.

Von den Auslandsbanken, die in der Vergangenheit besonders aggressiv auf dem deutschen Markt expandiert hatten, wie zum Beispiel die Royal Bank of Scotland, sind einige in schwere Turbulenzen geraten und wurden teilweise verstaatlicht. Diese Banken fahren ihr Engagement im Ausland deutlich zurück.

Dagegen haben die Landesbanken, die volumenmäßig ein besonders wichtiger Kreditgeber für die Unternehmen sind, das Geschäft seit dem dritten Quartal weiter leicht ausgedehnt. Dasselbe gilt für Sparkassen und Kreditgenossenschaften. Die Banken mit Sonderaufgaben, zu denen unter anderem die staatliche Förderbank KfW gehört, haben dagegen ihr Kreditvolumen massiv um 20 Prozent oder 15 Mrd. Euro ausgeweitet. Sie haben damit den Rückgang bei den Großbanken mehr als kompensiert.

Auch eine in der letzten Woche veröffentlichte Umfrage des Ifo-Instituts zeigt, dass keinesfalls Nachfragemangel allein für den Rückgang des Kreditvolumens verantwortlich ist. Rund 43 Prozent der Unternehmen stuften im Mai die Kreditvergabepraxis der Banken als restriktiv ein. Das sind 1,4 Prozentpunkte mehr als im Vormonat.

In der jüngsten Analyse der Bundesbank zum Thema heißt es, dass die tatsächliche Nachfrage nach Krediten derzeit schwer zu schätzen sei. Der Grund: Die Unternehmen würden zunehmend bei verschiedenen Banken Kreditanfragen stellen. Das deutet darauf hin, dass viele Unternehmen nur schwer Kredit zu akzeptablen Konditionen bekommen.

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