Reform des Zinssatzes: Bankenaufsicht plant Sofortmaßnahmen für Euribor

Reform des Zinssatzes
Bankenaufsicht plant Sofortmaßnahmen für Euribor

Die Europäische Bankenaufsicht fordert Sofortmaßnahmen zur „Vertrauensbildung“ und stellt einen Elf-Punkte-Plan zur Reform des Euribor vor. Die Aufseher machen sich Sorgen um Zahl der meldenden Banken.
  • 2

FrankfurtDie europäischen Banken- und Börsenaufseher fordern Sofortmaßnahmen zur Reform des Interbankenzinssatzes Euribor. Mit einem Elf-Punkte-Plan wollen die EU-Bankenaufsicht EBA und ihr für die Börsen zuständiges Pendant ESMA das Vertrauen in den Euribor wiederherstellen, der wie der Londoner Libor von einem Manipulations-Skandal erschüttert wird. EBA und ESMA wollen vor allem die Macht der Banken brechen, die den Euribor bislang ohne echte Kontrolle ermittelt hätten, wie die Aufseher am Freitag erklärten. Der Euribor solle wieder zu einer "transparenten und verlässlichen Richtschnur" werden.

Zugleich machen sie sich Sorgen, dass noch mehr Banken aus der Feststellung des Euribor aussteigen. Denn das könnte dazu führen, dass der für viele Finanzprodukte bedeutsame Zinssatz nicht mehr repräsentativ wäre. EBA und ESMA forderten die nationalen Aufseher auf, alle am Euro-Geldmarkt tätigen Banken zu ermutigen, weiter zur Ermittlung des Euribor beizutragen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte in London für Ärger gesorgt, weil sie Finanzkreisen zufolge die Entscheidung jeder einzelnen Bank überlassen will. Zuletzt hatten unter anderem die niederländische Rabobank, die BayernLB und die österreichische Raiffeisen Bank International den Kreis der Euribor-Banken verlassen.

Der gemeinnützige Verband Euribor-EBF, der hinter dem Interbanken-Zinssatz steht, hatte selbst vor einem Domino-Effekt gewarnt, wenn noch mehr Banken ausstiegen. Das drohe die Pläne von Politikern und Aufsehern zu untergraben, die die Ermittlung des Zinses reformieren und ihn damit zuverlässiger machen wollen.

Je weniger Institute bei der Festlegung mitmachen, desto einfacher ist es für einzelne, den Satz durch falsche Angaben zu verzerren. Beim Euribor-EBF melden die Institute einmal täglich die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Informationskonzern Thomson Reuters sammelt die Daten als Dienstleister ein und bereitet sie auf.

"Die vorgeschlagenen Grundsätze sind eine Sofortmaßnahme im Vorfeld weitreichenderer Änderungen im Aufsicht- und Regelwerk für Finanzindikatoren", sagte ESMA-Chef Steven Maijoor. Beide Aufsichtsbehörden sähen gerne, dass ihre Vorschläge innerhalb von sechs Monaten umgesetzt würden. Unter anderem fordern sie mehr Professionalität vom Euribor-EBF, der bisher nur mit drei hauptamtlichen Kräften arbeitet. "Der Organisator übernimmt nicht ausreichend direkte Verantwortung für den Euribor und kontrolliert den Prozess zur Zinsfestsetzung nicht ausreichend", heißt es in dem Papier.

Euribor-EBF-Chef Guido Ravoet will auf die Forderungen der Aufseher eingehen. "Sechs Monate reichen dazu aus", sagte er. Der Verband wolle mit mehr Akademikern und Branchenexperten arbeiten. "Wir wissen, dass die 39 Banken an Bord bleiben werden, aber wir müssen ihnen Sicherheit bieten."

In dem Papier der Aufseher heißt es, bisher werde nicht ausreichend geprüft, ob der gemeldete Zinssatz auf tatsächlichen Transaktionen beruhe. Einige Banken hatten Sätze gemeldet, für die sie sich angeblich Geld liehen, die nicht der Realität entsprachen, auch um die angespannte Situation in der Finanzkrise zu verschleiern. Die Europäische Zentralbank hatte Ende 2012 ähnliche Vorschläge gemacht, die EU-Kommission arbeitet an einem verbindlichen Regelwerk, das im April veröffentlicht werden soll.

EBA und ESMA ist ein Dorn im Auge, dass der Lenkungsausschuss des Euribor-Verbandes mehrheitlich aus Bankern besteht. Der Euribor-EBF müsse für die Qualität der gelieferten Daten einstehen. Dazu soll es interne und externe Überprüfungen geben. Alle eingereichten Daten müssten archiviert werden - auch wenn Banken nicht meldeten oder über längere Zeit zweifelhafte Angaben machten. Zudem solle der Euribor auf die sieben gebräuchlichsten Laufzeiten beschränkt werden; derzeit werden 15 verschiedene Sätze abgefragt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reform des Zinssatzes: Bankenaufsicht plant Sofortmaßnahmen für Euribor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ist doch überhaupt kein Problem. Die EZB verkündet den Zinssatz.

    Weshalb will man überhaupt der Zinsmanipulation den Anstrich geben, als wenn es Aufgabe der Banken wäre, die Zinsen frei zu bestimmen?

    Nachdem Kapital oder der Konsumverzicht (Sparen) überhaupt keine Wertschätzung mehr seitens der EZB findet, sollten wir uns Gedanken darüber machen, ob es nicht sinnvoll ist gänzlich auf die Zinsberechnung zu verzichten.

    Die EZB hat doch faktisch ohnehin den Weg Richtung islamischer Geldpolitik vorgegeben.

    Von den Fakten her gesehen, stimmt diese Vermutung mit Sicherheit.

  • Da werden Banken von Bänkstern geprüft! Ein nettes Schauspiel. Die Manipulation geht im großen Stil weiter. So viel ist sicher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%